Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie

Einer der vier Grundbausteine der Astrologie sind neben den Planeten, den Tierkreiszeichen und den Orten (auch Felder oder HĂ€user genannt) die Aspekte. In diesem Artikel geht es um die Wurzeln und die GrundsĂ€tze der Aspektlehre. FĂŒr das VerstĂ€ndnis dieses Artikels sind gewisse Grundkenntnisse in der Astrologie erforderlich. Man sollte wenigstens mit den Glyphen und dem Aufbau eines Horoskops vertraut sein.

Was sind Aspekte?

Bei den Aspekten geht es um die Beziehungen der Planeten und anderen Punkten im Horoskop zueinander. Oft wird auch von Winkeln gesprochen. Das hat seine Wurzeln im Ursprung der Aspektlehre, der u.a. Optik und Geometrie zugrunde liegt.

Ursprung der Aspektlehre

Die Wurzeln der Aspektlehre liegen in der Hellenistischen Epoche in Griechenland. Zu jener Zeit nahm die Astrologie ihre eigentliche Form mit ihren vier Grundbausteinen, wie sie oben erwĂ€hnt sind, an. Der ursprĂŒngliche Begriff in Bezug auf das Konzept der Aspekte, der in hellenistischen Schriften vorzufinden ist, ist ’epimarturia’ (griech.). Dieser bedeutet soviel wie ”bezeugen”, ”ein Zeugnis abgeben”. Die Wortwahl fĂŒr die Beschreibung der Aspekte in den Quelltexten (hauptsĂ€chlich in den Überlieferungen der Eisagogika des Antiochus von Athen) hat visuellen Unterton. Das heißt, es wird durch diese zum Ausdruck gebracht, ob und in welcher Weise sich die Planeten ”sehen können”. Somit befinden sich im Vokabular der uns ĂŒberlieferten Texte neben dem erwĂ€hnten ”bezeugen” z.Bsp. auch ”beobachten” und ”mustern”. Es geht nach dem traditionellen Modell der Aspektlehre sozusagen um ”sehen und gesehen werden”.

Das Wort ’Aspekt’ stammt aus dem Lateinischen ’aspectus’, was soviel wie ”Hinsehen”, ”Blick” oder ”Gesichtspunkt” bedeutet. In Bezug auf den Ursprung der Aspektlehre trifft dieses Wort den Kern der Sache ziemlich gut. Behalten wir also seine ursprĂŒngliche Bedeutung im Auge.

Fundament der Aspektlehre – QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen

Zur ursprĂŒnglichen Aspektlehre gehört die Unterteilung der Aspekte in solche, die auf den Tierkreiszeichen beruhen, und denen welche auf Graden beruhen (zeichenbasierende/gradbasierende Aspekte). Ausgangspunkt fĂŒr die Aspektdeutung ist nach hellenistischem Modell in erster Linie die Beziehung der Planeten zueinander aufgrund der Tierkreiszeichen in denen sie sich befinden. Dabei ist es zunĂ€chst einmal gleich, in welchem Grad die Planeten stehen. Das Fundament fĂŒr die zeichenbasierenden Aspekte liegt in den QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen. Zu diesen gehören die drei ModalitĂ€ten (kardinal, fix, verĂ€nderlich), die vier Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser), sowie die Unterteilung in feminine und maskuline Zeichen.

QualitÀten Tierkreis
Die QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen: Elemente, ModalitĂ€ten und PolaritĂ€t. Rot unterlegt Feuerzeichen, braun unterlegt Erdzeichen, tĂŒrkis unterlegt Luftzeichen und blau unterlegt Wasserzeichen.

Die Figuren – Symmetrie und Gleichheit im Tierkreis

Die Grundlage eines Aspektes ist eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den Tierkreiszeichen. Das bedeutet, dass Zeichen, die traditionell gesehen im Aspekt zueinander stehen. sich mindestens in einer QualitĂ€t gleich sind. Folglich ergeben sich fĂŒnf Aspekte. Drei dieser Aspekte (Sextil, Trigon, Quadrat) formen, wenn in den Tierkreis eingezeichnet, jeweils eine geometrische Figur, genauer gesagt, ein regelmĂ€ĂŸiges Polygon. In unserem Fall sind das Hexagon, Tetragon und Trigon. Die Aspekte Sextil, Trigon und Quadrat sind also jeweils eine Seite eines Polygons. Daraus ergeben sich die Winkel fĂŒr diese Aspekte. FĂŒr das Sextil sind das 60°, fĂŒr das Quadrat 90° und fĂŒr das Trigon 120°.

Plygone im Tierkreis
Astrologische Aspekte als Polygone.

Zeichen im Sextil zueinander teilen die gleiche PolaritÀt. Im Bild oben sind alle Zeichen, in die eine Spitze des Sechsecks fÀllt, feminine Zeichen (Krebs, Jungfrau, Skorpion, Steinbock, Fische, Stier). Zeichen im Quadrat zueinander teilen die gleiche ModalitÀt. So sind die Zeichen die oben im Bild im Quadrat zueinander stehen alle kardinal (Krebs, Waage, Steinbock, Widder). Zeichen im Trigon zueinander teilen sowohl PolaritÀt als auch Element. Krebs, Skorpion und Fische sind alle feminine Zeichen und gehören dem Element Wasser an.

Opposition und Konjunktion ergeben keine geometrischen Figuren. Die Opposition teilt jedoch den Tierkreis in zwei HĂ€lften und lĂ€sst die Planeten in den jeweiligen Tierkreiszeichen in GegenĂŒberstellung treten. Der Winkel fĂŒr die Opposition ist also 180°. Tierkreiszeichen in Opposition haben die gleiche PolaritĂ€t und ModalitĂ€t. So sind Krebs und Steinbock beides feminine und kardinale Zeichen. Die Konjunktion wiederum wurde ursprĂŒnglich nicht als Aspekt gezĂ€hlt. Planeten in Konjunktion wurden als ihre Eigenschaften untereinander vermischend gedeutet. Es wurde ihnen also keine fĂŒr die anderen Aspekte typische gegenseitige ”Wechselwirkung” angesehen. Hellenistische Astrologen zĂ€hlten jedoch spĂ€ter die Konjunktion zusammen mit den anderen vier Aspekten auf. Diese werden heute oft als die fĂŒnf ptolemĂ€ischen Aspekte bezeichnet, wenngleich PtolemĂ€us nicht Erfinder dieser war, sondern lediglich eine AusfĂŒhrung dieser Aspekte in seinem Werk Tetrabiblos wiedergibt. Des Weiteren spricht man auch von den Hauptaspekten oder den traditionellen/klassischen Aspekten.

Hauptaspekte
Links: Hauptaspekte als Polygone im Tierkreis vom Ausgangspunkt Krebs gesehen. Rechts: Winkel der fĂŒnf klassischen Aspekte.

Unaspektierte Zeichen – Verschiedenheit

In der Zeichnung unten sind nun vom Ausgangspunkt Krebs die klassischen Aspekte mit Pfeilen in den Tierkreis eingezeichnet. Das Zeichen Krebs steht also im Sextil zu Jungfrau und Stier, im Quadrat zu Waage und Widder, im Trigon zu Skorpion und Fische, sowie in Opposition zum Steinbock. Nach dem traditionellen Modell aspektiert also jedes Tierkreiszeichen sieben der anderen Zeichen, jeweils zwei per Sextil, Quadrat und Trigon sowie ein Zeichen in der Opposition. Verbleiben also 4 Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden. Diese sind in der Zeichnung grau unterlegt. Vom Ausgangspunkt Krebs gesehen sind das Löwe, SchĂŒtze, Wassermann und Zwillinge. Wie bereits oben erwĂ€hnt, basieren die klassischen Aspekte auf Gemeinsamkeiten. Die Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden, haben also keinerlei Gleichheit mit dem Ausgangszeichen.

Zu der Beispielzeichnung: Krebs ist ein Wasserzeichen. Keines der Zeichen Löwe, SchĂŒtze, Wassermann und Zwillinge teilt dieses Element. Löwe und SchĂŒtze sind Feuerzeichen, Wassermann und Zwillinge sind Luftzeichen. Des Weiteren ist das Zeichen Krebs kardinal. Auch hier findet sich keine Gemeinsamkeit. Löwe und Wassermann sind fixe, SchĂŒtze und Zwillinge verĂ€nderliche Zeichen. Letztlich ist der Krebs ein feminines Zeichen. Alle der vier unaspektierten Zeichen sind mĂ€nnlich.

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Aspektierte und unaspektierte Tierkreiszeichen vom Zeichen Krebs gesehen. Jedes Tierkreiszeichen aspektiert jeweils sieben der anderen Zeichen. Vier Zeichen bleiben unaspektiert.

Planeten, die vom Ausgangspunkt aus gesehen in einem unaspektierten Feld stehen, haben somit keine Gemeinsamkeit, sind fremd und dem Ausgangspunkt abgeneigt. Die Basis dieser Felder ist also die Unverbundenheit zum Ausgangszeichen. Angenommen in unserer Beispielzeichnung wĂ€re Merkur im Zeichen Krebs und Jupiter im Zeichen SchĂŒtze, dann wĂŒrde Jupiter nicht in der Lage sein, dem Merkur Beistand und UnterstĂŒtzung leisten zu können, denn Jupiter ”kann Merkur nicht sehen”. Planeten in unaspektierten Feldern stehen also nicht im Blickwinkel zum Ausgangszeichen.

Diese Sichtweise basiert neben den QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen auch auf optische Theorien der Antike. Diese besagen, dass ein Objekt entweder etwas von sich aussendet, durch was es dann vom Auge des Betrachters möglich ist gesehen zu werden (Extramission), oder dass vom Auge des Beobachters etwas ausgesendet wird, was das Objekt dann fĂŒr ihn sichtbar macht (Intramission). Weitere Theorien begrĂŒndeten sich auf eine Verbindung dieser beiden, oder stĂŒtzten sich gĂ€nzlich auf andere Sichtweisen, wie z.B. die Gemeinsamkeit oder Sympathie zwischen Beobachter und Objekt (“Gleiches sieht Gleiches”). In der Theorie der Extramission wurde angenommen, dass ein geometrischer Strahl vom Auge ausgeht, der die Dinge sichtbar macht auf die er fĂ€llt. GegenstĂ€nde, die nicht in den Bereich dieses Strahles fallen, sind unsichtbar.

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Sehstrahltheorie vereinfacht dargestellt.

Chris Brennan erwĂ€hnt in seinem Buch Hellenistic Astrology – The Study of Fate and Fortune (Kapitel 9), dass Porphyrios in seiner EinfĂŒhrung zur Tetrabiblos von PtolemĂ€us erwĂ€hnt, dass die Planeten jeweils sieben Strahlen aussenden. Dies ist eine weitere BegrĂŒndung fĂŒr die sieben aspektierten, also im Blickwinkel stehenden, und die vier unaspektierten, und somit außerhalb des Blickwinkels stehenden, Zeichen. Man könnte bei den vier unaspektierten Zeichen wohl auch gut von ”toten Winkeln” sprechen. In der modernen Astrologie haben diese Winkel die Namen Semisextil (30°) und Quinkunx (150°). Die Idee der sieben Strahlen gibt weiterhin die Grundlage fĂŒr die gradbasierenden Aspekte.

Aspekte nach Grad

Basis ist hier, wie bereits oben erwĂ€hnt, die von jedem Planeten ausgesendeten sieben Strahlen, ausgehend von dem Grad in dem sich der Planet befindet, zu dem gleichen exakten Grad in den anderen sieben aspektierten Zeichen. Wenn Merkur in unserem Beispiel im 21. Grad im Zeichen Krebs stehen wĂŒrde, wĂŒrde er also den 21. Grad von den Zeichen Jungfrau, Waage, Skorpion, Steinbock, Fische, Widder und Stier genau aspektieren. Ein Aspekt zwischen zwei Planeten im selben Grad wurde in hellenistischer Zeit als ”perfekter” oder ”kompletter” Aspekt angesehen.

Merkur sieben Strahlen
Merkur und die von ihm ausgehenden sieben Strahlen.

In Anbetracht auf die Unterteilung der Aspekte in tierkreisbezogene und gradbezogene Aspekte kann also Folgendes festgestellt werden: ein Planet tritt in Beziehung zu einem anderen Planeten sobald er in ein Tierkreiszeichen eintritt, dass im Aspekt zu dem Tierkreiszeichen steht, in dem sich der andere Planet befindet. Die Beziehung der beiden Planeten wird umso intensiver, je nĂ€her sie im exakten Grad zueinander stehen. Hellenistische Astrologen benutzten fĂŒr zeichenbasierende Aspekte das Wort ”bezeugen”, fĂŒr gradbezogene Aspekte wiederum ”mustern”. Diese Wortwahl bringt die unterschiedliche IntensitĂ€t der zwei Aspektgrundlagen zum Vorschein. UrsprĂŒnglich setzt die Aspektlehre also bei den Tierkreiszeichen an und nicht erst bei den Graden.

Applikative (sich nÀhernde) und separative (sich auflösende) Aspekte

Planeten, die sich auf einen exakten Aspekt hinzubewegen, sind applikative Aspekte. Planeten, die einen exakten Aspekt schon erreicht haben und sich von diesem entfernen, heißen separative Aspekte. Der stĂ€rkste Wirkungsbereich eines Aspektes liegt in der Applikation unter 3°. Die Wortwahl fĂŒr eine Konjunktion im Gegensatz zu den anderen Aspekten unter 3° unterschied sich in der Antike. Bei einer Konjunktion sprachen die hellenistischen Astrologen von einer ”Verschmelzung”, bei den anderen Aspekten von einer ”Verbindung”. Manchmal wurde fĂŒr die Konjunktion ein zusĂ€tzlicher Spielraum von ĂŒber 3°, jedoch unter 15° eingerĂ€umt. In diesem Fall sprach man von ”Zusammenkunft”. Der Mond nahm eine Sonderstellung ein. Ihm sprach man 13° fĂŒr alle Aspekte zu.

Hier soll noch kurz der Begriff ‘Void-of-course-Mond‘ oder ‘Mond im Leerlauf’ erwĂ€hnt werden. Nach traditioneller Ansicht handelt es sich dabei um einen Mond, der keinen exakten Hauptaspekt zu den klassischen Planeten innerhalb der nĂ€chsten dreißig Grad macht, sich sozusagen im ”Leerlauf” befindet. Zeichengrenzen spielen dabei traditionell keine Rolle. Diese Begebenheit ist Ă€ußert selten.

Charaktere der Aspekte

Sextil und Trigon werden als positive oder “leichte” Aspekte angesehen, wobei das Trigon in seiner Wirkung als stĂ€rker bewertet wird. Nach hellenistischer Tradition wirken Planeten im Sextil und Trigon, vor allem die WohltĂ€ter Venus und Jupiter, Ă€ußerst positiv, wogegen die ÜbeltĂ€ter Mars und Saturn nicht in der Lage sind durch Sextil oder Trigon negativ auf andere Planeten zu wirken. Opposition und Quadrat sieht man im Allgemeinen als herausfordernd oder negativ an. Die Opposition wird oft als zwiespĂ€ltig oder kontrovers eingestuft. Mit Mars und Saturn ist sie schwierig oder gar ”schĂ€digend”, in Verbindung mit Venus und Jupiter sind deren wohltuende Eigenschaften gehemmt. Das Quadrat wird in seiner Wirkung als hart oder schroff angesehen. ÜbeltĂ€ter sind besonders schwierig in diesem Aspekt, wobei die WohltĂ€ter entweder problematisch wirken oder aber unter bestimmten UmstĂ€nden durchaus sehr positiv wirken können. Das Quadrat und die Opposition sind die Aspekte mit der stĂ€rksten Wirkung. Die Konjunktion wird generell als neutral eingestuft. Sie nimmt jedoch positiven Charakter an, wenn WohltĂ€ter involviert sind und wirkt negativ, wenn ÜbeltĂ€ter in Verbindung mit ihr stehen.

Herleitung der Eigenschaften der Aspekte

Die Charaktere der Aspekte ist teils von den Beziehungen der Planeten in ihren Domizilen zu den beiden Lichtern Sonne und Mond abgeleitet. Grundlage ist hier das Thema Mundi, die hypothetische Geburtskarte der Welt. Ausgangspunkt sind also der Mond im Krebs und die Sonne im Löwen. Die anderen Himmelskörper werden den Tierkreiszeichen wie folgt zugeordnet: Merkur den Zwillingen und der Jungfrau, Venus dem Stier und der Waage, Mars dem Widder und Skorpion, Jupiter den Fischen und dem SchĂŒtzen, Saturn dem Wassermann und dem Steinbock. Dies sind also die traditionellen Herrscher der Tierkreiszeichen. Nun werden Verbindungen von den beiden Lichtern aus zu den Planeten in ihren Domizilen gezeichnet. Daraus ergibt sich auf beiden Seiten der Lichter jeweils ein Sextil zur Venus, ein Quadrat zum Mars, ein Trigon zum Jupiter und eine Opposition zum Saturn. Auf dieser Grundlage basiert die Assoziation des Sextils und des Trigons mit PositivitĂ€t, da sie in diesem Schema durch die WohltĂ€ter Venus und Jupiter gekennzeichnet sind. Mars und Saturn hingegen geben die Assoziation mit Herausforderung an, da sie in Verbindung mit dem Quadrat und der Opposition stehen.

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Herleitung der Eigenschaften der Aspekte nach den Domizilen der Planeten und ihren Beziehungen zu Sonne und Mond, aufbauend auf das Thema Mundi.

Rechte und linke Aspekte

Eine weiterhin wichtige Unterscheidung in der QualitĂ€t der Aspekte liegt in der Lage dieser, ausgehend vom aspektierten Planeten. Aspekte, die ”rechter Hand” eines Planeten liegen, sind jene welche von ihm aus gesehen frĂŒher in Tierkreisrichtung liegen. Aspekte, ”linker Hand”, sind spĂ€ter im Tierkreis gelegen. Dies kann man sich ganz einfach visualisieren, in dem man sich die Planeten mit dem ”Kopf” zur Tierkreismitte und die ”FĂŒĂŸe” zum Rand gerichtet denkt. Wenn man sich nun vorstellt, dass die Planeten mit zur Seite ausgestreckten Armen im Horoskop liegen, lĂ€sst sich einfach die Richtung der Aspekte an diesen ablesen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung der Aspektrichtung wĂ€re, sich vorzustellen, selbst in der Mitte des Tierkreises zu stehen mit Blick auf den jeweils in Frage kommenden Planeten. Alle Planeten, die sich nun auf der rechten Seite von einem selbst gesehen befinden, sind im rechten Aspekt zu diesem Planeten. Alle Planeten, die links von einem selbst liegen, sind links im Aspekt zum Planeten in der Ausgangsposition. Dies wĂŒrde also die Wahrnehmung auf die Planeten und deren Aspekte untereinander von der Erde aus gesehen wiedergeben. Dies ist wohl die ursprĂŒngliche Methode zur Bestimmung der Aspektrichtung. In der Beispielzeichnung unten steht Mars rechts im Quadrat zu Merkur. Merkur befindet sich also “linker Hand” im Quadrat zu Mars. Ein Betrachter in Tierkreismitte wĂŒrde ebenfalls Merkur als links gelegen von Mars wahrnehmen.

Merkurius Mars Mond
Mars im rechten Aspekt (“rechter Hand”) zu Merkur. Merkur im linken Aspekt (“linker Hand”) zu Mars. Mond im im linken Aspekt zu Merkur und Merkur im rechten Aspekt zu Mond. Mars und Mond formen traditionell keinen Aspekt, da Mars vom Mond gesehen im 6. Feld und Mond vom Mars gesehen im 8. Feld steht. Sie können sich also nicht “sehen”, da die Zeichen in denen sie stehen, Jungfrau und Wassermann, keinerlei Gemeinsamkeit haben.

Bedeutung der Aspektrichtung

Ein rechter Aspekt hat dominierenden Charakter. BegrĂŒndung hierfĂŒr ist die Tatsache, dass sich der Planet in frĂŒheren Zeichen auf den in spĂ€teren Zeichen zubewegt, ihn also vor Augen hat und ihm “auf der Spur ist”. In der Beispielzeichnung hat Mars sozusagen die ”Oberhand” ĂŒber Merkur. Die Beziehung zwischen diesen beiden wird also von Mars bestimmt. Merkur hat sich dem Mars zu fĂŒgen. Im Allgemeinen hat ein Aspekt positiveren Charakter, wenn der Planet in der dominanten Position ein WohltĂ€ter ist. Ein ÜbeltĂ€ter mit der Oberhand wirkt eher herausfordernd.

Mars im Zehnten von Merkur
Mars ist im rechten Quadrat zu Merkur und daher in der dominierenden Rolle. Merkur hat sich dem Mars zu fĂŒgen. Mars ist gleichzeitig “Im Zehnten” von Merkur. Ein Planet im zehnten Zeichen vom Ausgangsplanet (in Tierkreiszeichenfolge) wird als Ă€ußerst dominierend angesehen. Dieser Aspekt ist als stĂ€rkster unter allen angesehen.

Die Interpretation der Aspektrichtungen gilt fĂŒr das Sextil, das Quadrat und das Trigon. Opposition und Konjunktion haben logischerweise keine ”Richtungen” und erhalten daher keine zusĂ€tzliche Interpretation durch diese. Der Aspekt mit der stĂ€rksten Wirkung ist das Quadrat rechter Hand, fĂŒr das in hellenistischer Zeit ein eigener Begriff geschaffen wurde – ”Im Zehnten” (engl. ”Upon the Tenth”, griech. epidekateia). Dies bedeutet, dass der Planet im zehnten Feld vom Tierkreiszeichen des Ausgangsplaneten gesehen, in der dominanten Position ist. Es ist also dasselbe wie das Quadrat rechter Seits. In der Beispielzeichnung oben ist Mars also ”Im Zehnten” von Merkur, und somit in der herrschenden Rolle. Die Bestimmung des Zehnten basiert immer auf den Tierkreiszeichen in denen sich die Planeten befinden.

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Schlussbemerkung: Dies war eine Darstellung der Grundprinzipien der Aspektlehre, so wie sie in ihren UrsprĂŒngen in Gebrauch war. Weitere auf diese Grundlagen aufbauende Methoden sind durchaus bekannt. Obwohl die Aspektlehre traditionell auf “nur” fĂŒnf Aspekten beruht, ist sie doch sehr umfangreich. Dabei ist zu beachten, dass einige Betrachtungen ĂŒber die Jahrhunderte einst verloren gegangen waren, wie zum Beispiel die grundsĂ€tzliche Interpretation der Aspekte nach Zeichen. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch immer mehr Material der Astrologen aus antiker Zeit durchgearbeitet, Übersetzungen erstellt und die ursprĂŒnglichen Lehren der Astrologie wieder neuentdeckt. Ich denke, dass u.a. das Vertiefen in die Wurzeln der Aspektlehre ein fruchtbares Fundament fĂŒr eine astrologische Analyse schafft. Nicht zuletzt wird durch diese auch der Umgang mit Nebenaspekten mehr Einsicht und Tiefe erhalten.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris: The Hellenistic Astrology Course.
https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Brennan, Chris. Void of Course Moon: Three Different Definitions. 27.9.2017. https://www.youtube.com/watch?v=7qMV_JcrsQ0. Gesehen 15.10.2018.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Zu meinem Artikel ĂŒber die Geschichte der Astrologie geht es hier.

Über die Bedeutungen der Planeten in der traditionellen Astrologie, kannst du hier lesen.

Titelbild: Pixabay

Grundskizze ‘Tierkreis’ fĂŒr Grafiken: File:Thema Mundi.svg by Meredith Garstin derivative work Achillu, Zodiac wheel, CC BY-SA 3.0

Bedeutungen der Planeten in der traditionellen Astrologie

Seit einiger Zeit beschĂ€ftige ich mich mit der traditionellen Astrologie. Beim Studium der Signifikationen der Planeten fand ich es sinnvoll eine Tabelle zu erstellen, die englische, deutsche und finnische Übersetzungen der Bedeutungen der sieben traditionellen Planeten nach dem Astrologen Vettius Valens, der im 2. Jh. lebte, beinhaltet. Da ich denke, dass diese Tabelle dem einen oder anderen hilfreich sein kann, habe ich mich entschlossen sie hier in meinem Blog frei zur VerfĂŒgung zu stellen. Wer Vettius Valens war, erfĂ€hrst du ĂŒber zwei Links in den Quellenangaben am Ende dieses Beitrages. Zu meinem Artikel ĂŒber die Entstehung und Entwicklung der Astrologie geht es hier.

Ziel und Zweck der Tabelle

Sinn der Tabelle ist es, mehrere Übersetzungen nebeneinander vor sich zu haben, so dass ein Vergleich dieser problemlos möglich ist. Dies wiederum ermöglicht es, die eigentliche Bedeutung des Urtextes leichter zu ergreifen. Ich möchte hier anmerken, dass ich mit der Erstellung und ZurverfĂŒgungstellung dieser Tabelle ursprĂŒnglich meine finnischen Leser in Gedanken hatte. Ich denke jedoch, dass die Tabelle aufgrund der beinhaltenden englischen und deutschen Übersetzungen auch Lesern, denen Finnisch fremd ist, von Nutzen sein wird.

Tabelleninhalt

Manche Stellen des Ausgangstextes können auf unterschiedliche Weise ĂŒbersetzt werden. Dies ist der Grund, weshalb ich zwei englische Übersetzungen in die Tabelle aufgenommen habe. Die erste ist von Chris Brennan, der in seinem Buch Hellenistic Astrology: The study of Fate and Fortune (2017), eine Übersetzung von Valens’ Schreiben ĂŒber die sieben traditionellen Planeten, gibt. Die zweite englische Übersetzung kommt von Mark Riley, der im Jahr 2010 eine komplette Übersetzung der Anthologie von Vettius Valens als freie Internet-Publikation zu VerfĂŒgung stellte. Zugang zu dieser findest du hier. Die deutsche Übersetzung stammt von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch, die im Jahre 2004 eine komplette Übersetzung der Anthologie unter dem Titel ”BlĂŒtenstrĂ€usse” veröffentlichten. Sie waren die ersten, die dieses Werk Valens’ in eine moderne Sprache ĂŒbersetzten. Derzeit (August 2018) sind mir keine weiteren deutschen kompletten Übersetzungen des Werkes Valens’ bekannt.

Vettius Valens Anthologiae
Von links nach rechts: Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune, Chris Brennan (2017); BlĂŒtenstrĂ€usse, Schönberger und Knobloch (2004); Mark Riley’s Übersetzung der Anthologie von Vettius Valens in gedruckter Form (2010). Bild: Autorin.

Ausgangstexte der Übersetzungen

Sowohl der englischen als auch der deutschen Übersetzung liegt der original altgriechische Ausgangstext zu Grunde. Derzeit gibt es keine offizielle Übersetzung des Urtextes von Valens ins Finnische. Dies wird auch in der Zukunft eher unwahrscheinlich bleiben. Der von mir zur VerfĂŒgung gestellte Text basiert sowohl auf den englischen Übersetzungen von Brennan und Riley als auch auf der deutschen Überseztung von Schönberger/Knobloch. Unterschiede zwischen diesen habe ich im finnischen Text in Klammern angegeben.

Ich bin keine professionelle Übersetzerin, spreche jedoch seit 2004 nach intensivem Sprachstudium Finnisch auf tĂ€glicher Basis. Finnisch ist somit seit nunmehr 14 Jahren meine Hauptsprache. VorschlĂ€ge fĂŒr alternative Übersetzungen sind dennoch stets willkommen. Auch wenn mir drei Übersetzungen in modernen Sprachen zur VerfĂŒgung standen, hat mich das Erstellen des finnischen Textes doch einige Zeit gekostet. Ich kann nur annĂ€hernd erahnen, wie schwierig es gewesen sein muss das Original zu ĂŒbersetzen; zumal Altgriechisch nirgendwo mehr gesprochen wird.

Tipp zu guter Letzt

FĂŒr den, der sich genauer mit den Signifikationen der Planeten nach Valens beschĂ€ftigen will, dem sei ein Blick in die Fussnoten in Chris Brennans Übersetzung im siebten Kapitel seines Buches, empfohlen. Im Falle, dass die Hellenistische Astrologie mehr Interesse geweckt hat, sei das komplette Werk Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune (2017) wĂ€rmstens ans Herz gelegt. Weitere Literaturempfehlungen zur traditionellen Astrologie finden sich am Ende dieses Beitrages.

Link zur Tabelle

Zur Tabelle (PDF) mit den Signifikationen der sieben traditionellen Planeten nach Vettius Valens in englischer, deutscher und finnischer Übersetzung geht es hier, oder ĂŒber einen Mausklick auf das untenstehende Bild.

Bedeutungen der Planeten
– Bild anklicken um Datei zu öffnen –

Jetzt wĂŒnsche ich aufschlussreiche Momente mit der LektĂŒre!

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Quellen der Übersetzungen von Valens’ Signifikationen der Planeten, die in der Tabelle aufgefĂŒhrt sind (diese sind ebenfalls am Ende der PDF-Datei vermerkt):

Englisch 1: Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Englisch 2: Valens, Vettius. Anthologies. Übersetzt von Mark Riley. Freie Online-Publikation: https://www.csus.edu/indiv/r/rileymt/vettius%20valens%20entire.pdf. 2010.

Deutsch: Valens, Vettius. BlĂŒtenstrĂ€usse. Übersetzt von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch. (Subsidia Classica, Bd 7) St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2004.

Finnisch: Übersetzung basierend auf den Übersetzungen von Brennan, Riley, Schönberger/Knobloch. Livingincycles.blog. 2018.

Über Vettius Valens und sein Werk:

Brennan, Chris. http://www.hellenisticastrology.com/astrologers/vettius-valens/. Abgerufen 9.8.2018.

Garcia, Maria; Usher, Joy. http://www.skyscript.co.uk/Valens_b.html. Abgerufen 9.8.2018.

Kurse in Hellenistischer Astrologie:

Seven Stars Astrology: Twelve Easy Lessons for Beginners. http://www.sevenstarsastrology.com/twelve-lessons-0-intro-history/.

Chris Brennan: The Hellenistic Astrology Course.
https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Weitere Literatur:

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

 

Titelbild: Pixabay

Geschichte der Astrologie

Der nachstehende Text soll die Entstehung und Entwicklung der Astrologie von ihren frĂŒhen AnfĂ€ngen bis in die heutige Zeit in zusammenfassender Form schildern.

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Wo liegen die AnfÀnge der Astrologie?

Man könnte meinen, die Astrologie sei so alt wie der Himmel und die Erschaffung des Menschen. Sicherlich ist der Wandel des Mondes in seinen Phasen ein PhĂ€nomen, dem der Mensch von Urzeiten her seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Die Gezeiten – Ebbe und Flut – sind ein Beispiel an dem die Wirkung des Mondes sichtbar deutlich wird. Desweiteren lĂ€sst sich auch einen Einfluss auf die Pflanzenwelt erkennen, und vor noch nicht allzu langer Zeit war das Beobachten der Mondphasen fester Bestandteil bei der Planung der Gartenarbeit. Obwohl dieses Wissen fast in Vergessenheit geraten wĂ€re, ist seit ein paar Jahren eine Wiederentdeckung dieser alten Weisheiten zu erkennen. Doch die Deutung des Mondstandes allein ist noch keine Astrologie. Was meint man also mit Astrologie?

Wenn wir heute von Astrologie sprechen, dann meinen wir ein vierteiliges System, welches die Planeten (1), die Zeichen des Tierkreises (2), das Konzept der Aspekte (3) und die zwölf HĂ€user (4) beinhaltet. Die Erscheinung dieses Systems in seiner vollen Form ist erstmals in das erste Jahrhundert vor Christus und in das Gebiet des Römischen Reiches zurĂŒckzufĂŒhren. Doch bis es zur Synthese dieses vierteiligen Systems kam, war es ein langer Weg der sich ĂŒber LĂ€nder-, Sprach- und Kulturgrenzen zog.

Mesopotamien

Der Ursprung der westlichen Astrologie kann bis ins Jahr 2000 v. Chr. nach Mesopotamien (heutiges Irak) zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Zu dieser Zeit begann man Aufzeichnungen ĂŒber Parallelen zwischen irdischen und himmlischen Ereignissen zu machen. Diese Aufzeichnungen wurden in Keilschrift auf Tontafeln in Form von Omen verfasst und betrafen in grossem Maße Mondfinsternisse. Die Ausdrucksform folgte der Formel “wenn x, dann y”. Ein hypothetisches Omen hĂ€tte also lauten können: “Wenn es eine Finsternis gibt, dann wird der König sterben.” Die Astrologen dieser Zeit hielten diese Omen eher fĂŒr Zeichen der Götter, als Schlussfolgerungen von direkten Verbindungen zwischen Himmelskörpern und irdischen Begebenheiten. FĂŒr sie waren die Sterne mehr eine Art “göttliche Handschrift“, eine Art Sprache, durch die die Götter mit der Menschheit kommunizierten. SpĂ€ter entstanden Omensammlungen. Die kekannteste unter ihnen ist die Enuma Anu Enlil.

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Tontafeln mit Omen in Keilschrift ĂŒber Finsternisse, Assyrien. Quelle: Ancient Origins: Reconstructing the Story of Humanity’s Past

Astronomie und Astrologie gehörten zu dieser Zeit fest zusammen. Astrologen beobachteten die Sterne und interpretierten sie auch. Sie waren meist Gelehrte, die oft im Dienste der Könige standen. SpĂ€ter im 8. Jh. v. Chr. begann man in Mesopotamien genaue Aufzeichnungen der tĂ€glichen Planetenpositionen zu machen. Bei Anbruch des 5. Jh. v. Chr. war der Tierkreis in zwölf gleich große Teile zu je 30° eingeteilt. Zu dieser Zeit kam auch die Geburtsastrologie auf. Bis dahin hatte sich die Astrologie auf die Belange von einzelnen Staaten und deren Interaktionen bezogen. Nach dem fĂŒnften Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Astrologie weiter und man entdeckt neue Techniken. So begann man z.Bsp. zwischen “WohltĂ€tern” (benefics) und “ÜbeltĂ€tern” (malefics) zu unterscheiden. Desweiteren teilte man nun die zwölf Zeichen des Tierkreises in vier Gruppen von jeweils drei Zeichen ein.

Ägypten

In Ägypten wiederum war ein Kalender von zwölf Monaten in Gebrauch der dreißig Tage fĂŒr jeden Monat vorsah, sowie fĂŒnf zusĂ€tzliche Tage die am Ende des Jahres angehangen wurden. Jeder Monat war in Drittel eingeteilt und jede Phase von zehn Tagen stand mit einem bestimmten Fixstern (oder BĂŒndel von Fixsternen) in Verbindung. Diese Gruppierungen von Fixsternen wurden spĂ€ter als “Dekane” (griech. deka = zehn) bezeichnet. Insgesammt gab es 36 Dekane von denen jeder einen eigenen Namen trug und mit einer bestimmten Gottheit assoziiert wurde. Ein mystischer Text, die sog. Salmeschiniaka, beinhaltet wichtige Information ĂŒber die Anwendung von Dekanen und die Art der AusĂŒbung von Astrologie in Ägypten. Bildliche Darstellungen von Dekanen fand man zuerst an Deckeln von SĂ€rgen, die in die Zeit um 2100 v. Chr. zurĂŒckzufĂŒhren sind.

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Tierkreis von Dendera, Ägyptischer Tempel ca. 1. Jh. v. Chr. Quelle: Pinterest, Urheber unbekannt

Die Ägypter interessierten sich vor allem fĂŒr den Lauf der Fixsterne in Verbindung mit den Dekanen. Dieser Fokus am tĂ€glichen Aufsteigen, Kulminieren und Untergehen der Fixsterne wird als Hinweis gesehen, daß der Gebrauch der Dekane bei den Ägyptern als VorlĂ€ufer der spĂ€teren hellenistischen Lehre der zwölf “Orte” (“HĂ€user” in der mod. Astrologie) diente.

Synthese und Weiterentwicklung

Im Verlaufe der Zeit wurden Teile der mesopotamischen Astrologie nach Ägypten ĂŒberliefert. Um 500 v. Chr. zum Beispiel wurde ein Text mit Omen aus Mesopotamien in die Ă€gyptische Sprache ĂŒbersetzt und um das 3. Jh. v. Chr. war der Tierkreis mit den zwölf Zeichen nach Ägypten ĂŒberliefert. Die Ägypter nutzen nun Tierkreis und Dekane Seite an Seite.

Geschichtlich von vielfacher Bedeutung ist der Beginn der hellenistischen Epoche, der mit dem Tode König Alexander des Großen von Makedonien im Jahre 323 v. Chr. angegeben wird. Die Zeitspanne des hellenistischen Zeitalters verlĂ€uft sich ĂŒber ca. dreihundert Jahre und endete mit dem Tode Kleopatras VII und des Anschlusses von Ägypten an Rom im Jahre 30 v. Christus.

WĂ€hrend der hellenistischen Epoche (griech. Helen = “Griechisch”), fand eine Verbreitung griechischer Kultur, Philosophie und Wissenschaft statt. Desweiteren ist eine Mischung der griechischen mit anderen Kulturen zu verzeichnen. Griechisch wurde die Hauptsprache der damaligen Welt. Eine der bedeutensten Errungenschaften in hellenistischer Zeit ist die GrĂŒndung der Stadt Alexandria in Ägypten von Alexander dem Großen. Alexandria war wichtige Kultur- und Handelsstadt deren Bevölkerung aus hauptsĂ€chlich Griechen, Ägyptern und Juden bestand. Die Bibliothek Alexandrias wuchs zur grĂ¶ĂŸten und bedeutensten der antiken Welt. FĂŒr die Entwicklung und das AusĂŒben der Astrologie wurde gerade Alexandria die Hauptmetropole.

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Karte von Alexandria gegen Ende der Regierung Kleopatras. Quelle: Igor Merit Santos, Alexandria Map teste, CC BY-SA 4.0

Es sind Schriften bekannt, die in die Zeit der hellenistischen Epoche fallen, in denen erstmals eine Synthese von Ă€lteren astrologischen Überlieferungen aus Mesopotamien und Ägypten vorzufinden sind. Desweiteren finden sich eine Vielzahl neuer Techniken in diesen Aufzeichnungen. Es ist gerade wĂ€hrend dieser Zeit, daß das vierteilige System von Planeten, Tierkreiszeichen, Aspekten und HĂ€usern in seiner vollen Form eingefĂŒhrt wurde. Dieses System ist heute unter der Bezeichnung der Hellenistischen (bzw. traditionellen/klassischen) Astrologie bekannt.

Hin und wieder trifft man auf die Bezeichnung “Griechische Astrologie”. Dies ist auf Grund der vielen uns ĂŒberlieferten Schriften aus dieser Zeit in griechischer Sprache nachvollziebar, jedoch nicht ganz korrekt, da diese Bezeichnung die vielfĂ€ltigen kulturellen HindergrĂŒnde der Astrologen die an der Entwicklung der Astrologie zu dieser Zeit aktiv beteiligt waren, außer Acht lĂ€ĂŸt. Chris Brennan (2017) schreibt ĂŒber die Kennzeichnung der Hellenistischen Astrologie wie folgt: “…eine Tradition griechisch-römischer horoskopischer Astrologie, die im Mittelmeerraum vom 1. Jh. vor bis 7. Jh. n. Chr. ausgeĂŒbt wurde.”

Einige der wichtigsten, uns ĂŒberlieferten Texte ĂŒber die Hellenistische Astrologie sind von folgenden Autoren, bzw. unter folgenden Pseudepigraphien erschienen: Hermes Trismegistos, Asklepios, Nechepso und Petosiris, Tharasyllus, Antiochos von Athen, Dorotheus von Sidon, Claudius PtolemĂ€us. Besonders zu erwĂ€nen ist hier Vettius Valens, der eine neunbĂ€ndige EinfĂŒhrung in die Astrologie der Hellenistischen Tradition verfasste.

Hellenistische Astrologie – BlĂŒtezeit und Höhepunkt

Der Zeitraum in der hellenistische Astrologie praktiziert wurde, wird von 1. Jh. v. Chr. bis in das 7. Jh. n. Chr. angegeben. Der Gipfel des Römischen Reiches ist gleichzeitig auch der Höhepunkt der Hellenistischen Astrologie. Ihr Hauptfokus lag in der Geburtsastrologie. Die uns ĂŒberlieferten Horoskope dieser Zeit sind auf Papyrus geschrieben und beinhalten Listen von Planetenpositionen, jedoch keine genauen Interpretationen derer. Ein typisch hellenistisches Horoskop listete das Datum, die Stunde der Geburt, die Zeichen in denen die Planeten standen, sowie die Plazierung des Aszendenten und geg. den GlĂŒckspunkt auf. Das Fehlen schriftlicher Schilderungen in diesen Horoskopen lĂ€sst auf eine hauptsĂ€chlich mĂŒndliche Auslegung schließen.

Die Auflistung der Planetenpositionen war die Grundvoraussetzung fĂŒr eine astrologische Konsultation. FĂŒr diese wurden Tafeln (pinax) aus Holz (Elfenbein, oder sogar Gold) genutzt, in welche der Tierkreis mit seinen zwölf Zeichen sowie manchmal zusĂ€tzlich die Dekane oder andere Unterteilungen des Tierkreises eingraviert waren. Steine dienten als Symbole fĂŒr die Planeten mit denen ihre Plazierungen, die in den Listen des schriftlichen Horoskopes abzulesen waren, visuell dargestellt wurden. Es finden sich auch Hinweise auf die Nutzung von Sand, in den der Tierkreis gezeichnet wurde. Anhand dieser visuellen Darstellung fand dann die eigentliche Interpretation durch den Astrologen statt.

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Teile einer astrologischen Tafel mit dem Tierkreiszeichen Krebs, entdeckt bei Ausgrabungen in Kroatien, veröffentlicht Ende 2011 von Staso Forenbaher und Alexander Jones. Quelle: ISAW, New York University

Da Hellenistische Astrologie den Aszendenten und die von ihm abgeleiteten HĂ€user erstmals mit einbezieht, ist sie gleichfalls die erste Überlieferung der sog. horoskopischen Astrologie (Aszendent und erstes Haus = griech. horoskopos “Stundenschauer”). Das AusĂŒben dieser Astrologie fand ĂŒber mehrere Jahrhunderte in der Mittelmeerregion statt und geht weitgehend mit dem Auf- und Untergang des Römischen Reiches einher. Viele Elemente der hellenistischen Astrologie blieben jedoch noch bis in die SpĂ€tantike und in das zeitige Mittelalter in Gebrauch.

Niedergang

Der Zerfall des Römischen Reiches und die damit verbundenen intellektuellen, sozialen und religiösen VerĂ€nderungen durch das Aufkommen des Christentums, hatten ihre Auswirkungen auch auf das Praktizieren der Astrologie. Obwohl im Neuen Testament die Astrologie u.a. durch die ErzĂ€hlung der drei Weisen aus dem Morgenland (griech. Ausgangstext ΜάγοÎč, Magoi, wörtlich „Magier“), die den Stern von Bethlehem als Zeichen der Geburt Jesus interpretieren zu wussten, aufzufinden ist, stellte sich das Christentum hauptsĂ€chlich feindlich gegenĂŒber der Astrologie. Reibepunkt war die Ansicht der Astrologen, daß das Leben der Menschen in gewissem Grade vorbestimmt sei. Christliche Denker assoziierten daraufhin Fatalismus mit der Astrologie und es entstanden vielerlei schriftliche Angriffe gegen die Astrologie und ihre Vertreter. SchĂ€rfere Erlasse folgten in den Jahren 357, 409 und 425 n. Chr., welche Astrologen aufforderten ihre BĂŒcher zu verbrennen oder sich mit dem Exil abzufinden. SpĂ€ter verbannte man die Astrologie und ihre Gelehrten gĂ€nzlich.

Die Trennung des Römischen Reiches in West- und Ostreich hatte ebenfalls ihre Auswirkungen auf den RĂŒckgang der Astrologie. Das Weströmische Reich erlebte einen steilen Zerfall. Die Stadt Rom wurde im Jahre 410 von germanischen Westgoten geplĂŒndert und im Jahre 476 wurde der letzte weströmische Kaiser, Romulus Augustus, entthront. Dies war der Auftakt des Mittelalters in Europa.

Das Oströmische Reich (o.a. Byzantinisches Reich) hingegen blĂŒhte und gedeihte weiterhin. Es hatte die Kontrolle ĂŒber Ägypten bis zum frĂŒhen siebten Jh. n. Chr. inne. Dies ist bedeutend, da Ägypten das Hauptaugenmerk der Hellenistischen Astrologie von ihrem Beginn an war. Dies verhinderte zwar das gĂ€nzliche Verschwinden der Astrologie, nicht aber ihre VerdrĂ€ngung. Im Jahre 642 n. Chr. eroberte das schnell wachsende Islamische Imperium Alexandria und gewann so die Herrschaft ĂŒber Ägypten. Dies war zugleich das Ende von siebenhundert Jahren römischer Macht ĂŒber Ägypten. Von nun an hatte eine neue Kultur, Religion und Sprache die Kontrolle ĂŒber das Land welches einst das Heimatland der Hellenistischen Astrologie war. Folglich war dies das Ende der Hellenistischen astrologischen Tradition.

Überlieferung in andere Kulturen

GlĂŒcklicherweise wurden Texte der Hellenistischen Astrologie ab dem 2. Jh. n. Chr. Kulturen außerhalb des Römischen Reiches ĂŒberliefert. Die wichtigsten Überlieferungen fanden nach Indien, Persien und schließlich in das mittelalterliche Islamische Imperium statt.

Im 2. Jh. n. Chr. wurde ein Text vom Griechischen in Sanskrit mit dem Titel Yavanajataka (“Horoskopie der Griechen”), ĂŒbersetzt. Dieser spielte eine wesentliche Rolle fĂŒr die Entwicklung der Astrologie in Indien in den nĂ€chsten zweitausend Jahren. Die nach Indien ĂŒberlieferte Astrologie mischte sich mit derer, welche sich bis zu diesem Zeitpunkt vor Ort entwickelt hatte. Diese beinhaltete u.a. die Verwendung der 27 (oder manchmal auch 28) Nakshatra (“MondhĂ€user”). Durch die griechische Überlieferung und das bestĂ€ndige FortwĂ€hren der Tradition, die im Laufe der Zeit nur mit geringen Änderungen einher ging, ist die heutige Indische Astrologie der Hellenistischen Astrologie weitaus nĂ€her als es die heutige moderne westliche Astrologie ist.

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Astrolabium mit MondhÀusern, von Abd al-Karim, 1227/8. Quelle: Museum of the History of Science, Oxford, UK

Im 3. Jh. n. Chr. bildete sich in Persien ein neues Imperium, das Sassanidenreich. Dieses wurde von den Königen Ardashir I und seinem Sohn Shapur I in den Jahren 222 bis 267 n. Chr. regiert. Nach dem Bibliographen Ibn al-Nadim, sendete das Sassanidenreich Boten nach Indien, China und Rom um wissenschaftliche Texte zu sammeln. Zu dieser Zeit wurden das Werk ĂŒber Hellenistische Astrologie von Dorotheus von Sidon, sowie Teile der Anthologie des Vettius Valens’ ĂŒberliefert. Die Übersetzung fand vom Griechischen in die mittelpersische Sprache Pahlavi, statt. Diese, und einige andere Texte formten die Basis der Astrologie in Persien.

Zur Zeit der Dynastie der Abbasiden, begann um Mitte 800 n. Chr. die Astrologie im Islamischen Imperium zu blĂŒhen. Mit der BegrĂŒndung Bagdads als Hauptstadt des Islamischen Imperiums begann eine rege Zeit der Übersetzung wissenschaftlicher Texte aus anderen Kulturen. Einige der frĂŒhesten Übersetzungen ins Arabische, waren astrologische Texte. Dorotheus von Sidon und Vettius Valens wurden beide ĂŒbersetzt, jedoch aus dem Pahlavi und nicht aus der ursprĂŒnglichen griechischen Sprache. Weiter wurden u.a. Rhetorius‘ Werk Compedium sowie PtolemĂ€us‘ Werk Tetrabiblos ĂŒbersetzt. Somit wurde Arabisch die vorherrschende Sprache der meisten astrologischen Texte zu dieser Zeit.

Wiederentdeckung und erneuter RĂŒckgang

Der zweite Kreuzzug im 12. Jh. n. Chr. hatte als Nebeneffekt die Wiederentdeckung der Astrologie. Dies geschah durch die Entdeckung grosser StĂ€nde wissenschaftlicher arabischer Texte wĂ€hrend der Eroberung muslimischer Gebiete durch nordeuropĂ€ische Kreuzritter in Spanien. Dies hatte zur Folge, daß sich Gelehrte aus Europa in Scharen nach Spanien begaben um dort arabische Texte in Latein zu ĂŒbersetzen. Zum Ende des 12. Jh. war das Wissen und die Praxis der Astrologie völlig wiederhergestellt. Diese Astrologie war eine Form der Tradition des achten und neunten Jahrhundert, welche eine Mischung aus frĂŒheren hellenistischen Elementen und persischen sowie indischen Praktiken war. Dies ging mit einer allgemeinen Erweckung der Wissenschaften in Europa einher. Dieser zur Folge entstanden UniversitĂ€ten an denen man u.a. auch Astrologie lehrte. Zu diesem Zeitpunkt war die Astrologie stark in die Medizin eingebunden und wurde von Ärzten als diagnostisches Werkzeug angewendet.

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Zuordnung der Tierkreiszeichen zu Körperteilen, Homo signorum, 15. Jh. n. Chr. Quelle: Luminarium: Encyclopedia Project

Die Erfindung des Buchdrucks sowie der Fall Konstantinoples an das Osmanische Reich im Jahre 1453 hatte die Verbreitung astrologischer Texte, sowie den wachsenden Zugang vieler bisher unbekannter griechischer Texte durch Gelehrte die aus dem Byzantinischen Reich nach Europa flĂŒchteten, zur Folge.

Im 17. Jh. begann die Astrologie jedoch an Einfluss abzunehmen. Grund dafĂŒr war eine Widerlegung von Lehren des PtolemĂ€us durch die relativ schnellen, neuen astronomischen Entdeckungen durch Copernicus, Kepler und Galileo. Die letzte BlĂŒhtezeit der Astrologie war in England und ging mit William Lilly einher, der im Jahre 1647 das erste englischsprachige Buch ĂŒber Astrologie veröffentlichte. Dies konnte jedoch die Astrologie nicht vor dem Verfall retten.

Moderne Astrologie

Eine Belebung der Astrologie fand erneut im spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jh. statt. Dies waren die AnfĂ€nge der heutigen, modernen Astrologie. Der EnglĂ€nder Alan Leo, der Anfang des 20. Jh. wirkte, war erfolgreich sowie in der Populisierung als auch in der Vereinfachung astrologischer Techniken. Durch sein Mitwirken in der Theosophical Society wurde die Astrologie mit dem Aufkommen der New-Age-Bewegung assoziiert. Ab 1930 bildete sich der Trend heraus, Astrologie durch Tiefenpsychologie neu zu konzipieren (daher oft auch als “psychologische Astrologie” bezeichnet). Vor allem Dane Rudhyar wirkte als Pionier in dieser Sache. Durch den Erfolg dieser Synthese gelang die Astrologie zu neuer Beliebtheit, vor allem in der Zeit ab 1960 bis in die 1980er Jahre. Von da an fokusierte sich die westliche Astrologie auf Charakteranalyse und Selbstwahrnehmung. Zur Folge wurden viele neue Techniken und Himmelskörper in die Astrologie eingefĂŒhrt, jedoch einige frĂŒhere Techniken der Ă€lteren Traditionen verworfen.

In seinem Buch Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune (S. 138/139), macht Chris Brennan darauf aufmerksam, daß die moderne Astrologie nicht zwangslĂ€ufig das Ergebnis einer stetigen Entwicklung sei, sondern eher das Resultat einiger einflussreicher Astrologen, die ein neues System basierend auf einigen wenigen BruchstĂŒcken der astrologischen Tradition und ihren eigenen religiösen, ethischen und theoretischen Spekulationen erstellten.

Traditionelle Astrologie im 21. Jh.

Im vergangenen Jahrhundert fand eine Neubearbeitung und -Herausgabe vieler antiker astrologischer Texte durch Akademiker verschiedener Ausrichtungen statt. Nennenswert ist das Catalogus Codicum Astrologorum Graecorum (CCAG), welches in einer Zeitspanne von ĂŒber fĂŒnfzig Jahren, von 1898 bis 1953, unter ursprĂŒnglicher Leitung von Franz Cumont, alle in europĂ€ischen Bibliotheken auffindbaren, in Griechisch verfassten Manuskripte zur Astrologie in hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit, auflistet. Desweiteren beinhaltet das CCAG sog. “kritische Übersetzungen” von hunderten von AuszĂŒgen verschiedener vorgefundener Texte. In den letzten zwanzig, dreißig Jahren ist gleichfalls in Astrologenkreisen ein wachsendes Interesse an der Neubelebung der Hellenistischen Astrologie zu verzeichnen.

Die in zunehmendem Maße bewußtwerdende Diskrepanz zwischen moderner und traditioneller Astrologie veranlasste einige Astrologen ab 1980, Schriften der Ă€lteren Traditionen zu erforschen und eigene Arbeiten auf Basis dieser zu veröffentlichen. Unter ihnen ist zu nennen: Robert Zoller, George Noonan und James Herschel Holden, der als erster die Feststellung machte, daß das ursprĂŒngliche HĂ€usersystem in der Hellenistischen Tradition die GanzzeichenhĂ€user waren. Desweiteren entdeckte man William Lilly’s Werk Christian Astrology wieder und veranlasste eine Neuveröffentlichung. Im Jahr 1992 fand unter Robert Schmidt, Robert Hand und Robert Zoller die GrĂŒndung von Project Hindsight statt. Eine Übersetzung von reichlich dreißig astrologischen Texten der Hellenistischen Zeit und des Mittelalters in englischer Sprache war die Folge. Im Jahre 2004 erschien von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch eine deutsche Übersetzung der neunbĂ€ndigen Anthologie von Vettius Valens mit dem Titel  BlĂŒtenstrĂ€uße. Diese war zugleich die erste vollstĂ€ndige Übersetzung des Werkes Valens’ ĂŒberhaupt. Im Jahr 2010 veröffentlichte Mark Riley online eine vollstĂ€ndige englische Übersetzung der Anthologie. Auch in anderen Sprachen gibt es mittlerweile Übersetzungen hellenistischer Texte, so z.Bsp. die Arbeiten Guiseppe Bezz‘s, der ins Italienische ĂŒbersetzte.

Ein Meilenstein in der Wiederbelebung der traditionellen Astrologie war Demetra George’s Kurs am Kepler College in Washington, USA im Jahr 2002, den sie basierend auf Übersetzungen Hellenistischer Texte durch Schmidt hielt. Dies war seit Jahrhunderten das erste Mal, das Astrologen in der Praxis der Hellenistischen Astrologie, fundierend auf einiger der frĂŒhesten Überlieferungen, unterrichtet wurden. Ebenfalls besonders nennenswert ist das weiter oben bereits erwĂ€hnte Werk Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune von Chris Brennan, welches im Jahr 2017 nach zehnjĂ€hriger intensiver Arbeit, veröffentlicht wurde. Es ist eines der wenigen BĂŒcher, welche einen umfangreichen Überblick ĂŒber die Lehren der traditionellen Astrologie und somit Aufschluß ĂŒber die Wurzeln der westlichen Astrologie bieten und sogleich Hauptquelle dieses Artikels.

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Eigene Gedanken: Wie im obigen Text deutlich wurde, hat die Astrologie so manche Höhen und Tiefen durchlebt und wurde stetig von der vorherrschenden soziokulturellen und vor allem auch der religiösen AtmosphĂ€re beeinflußt. Durch die Übersetzungen der antiken Schriften, die uns heute in neuen Überarbeitungen und in immer grĂ¶ĂŸerer Vielzahl zur VerfĂŒgung stehen, gibt sich uns nun die Möglichkeit ein prĂ€ziseres Bild denn je ĂŒber die Wurzeln und die Techniken der Astrologie in ihrer ursprĂŒnglichen Form zu erhalten. Das Verstehen des zur damaligen Zeit vorherrschenden Weltbildes in seinen Wandlungen und derer Auswirkungen auf die Entwicklung und das AusĂŒben der Astrologie ĂŒber die Jahrhunderte, wird eine entscheidende Rolle fĂŒr das Gelingen der Wiederbelebung der Tradition und die erfolgreiche, ethisch tragbare sowie schließich der Menschheit und dem Einzelnen dienliche Integrierung in unsere Zeit einnehmen.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Website. http://www.hellenisticastrology.com, 29.5.2018.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user, Tag- und Nachthoroskope. TĂŒbingen: Chiron Verlag, deutsche Erstausgabe 2007.

“Heilige Drei Könige”. https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige, 26.5.2018.

Valens, Vettius. BlĂŒtenstrĂ€usse. Übersetzt von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch. (Subsidia Classica, Bd 7) St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2004.

Valens, Vettius. Anthologies. Übersetzt von Mark Riley. http://www.csus.edu/indiv/r/rileymt/vettius%20valens%20entire.pdf, 2010.