Die 12 HĂ€user in der Astrologie — Symbolik und UrsprĂŒnge

Die astrologische Unterteilung des Himmels in sechs Regionen ĂŒber und sechs Regionen unter dem Horizont, ging mit der Berechnung des Aszendenten einher und fand erstmals im hellenistischen Griechenland statt. Dort finden sich folglich auch die Wurzeln der Bedeutungen dieser zwölf Regionen bzw. Orte und HĂ€user, wie sie genannt werden. Doch wie genau kam es zur Entstehung der HĂ€user und ihrer Symbolik? Darum geht es in diesem Artikel.

Ausgangspunkt astronomische Beobachtungen

Die Aufteilung des Himmels in zwölf Regionen basiert auf der Bewegung der Erde um ihre eigene Achse, derer zur Folge die Planeten tĂ€glich scheinbar im Osten auf- und im Westen untergehen. Dies zeigt sich am deutlichsten durch die Bewegung der Sonne und das damit verbundene Wechselspiel von Tag und Nacht, welches teils Grundlage fĂŒr die Symbolik der HĂ€user ist.

In einer horoskopischen Zeichnung gibt es vier HĂ€user, die mit den astronomischen Begebenheiten, die zu Tag und Nacht fĂŒhren, einhergehen. Diese werden EckhĂ€user genannt. Am Beispiel der Sonne wird die Besonderheit dieser HĂ€user schnell sichtbar. Im 1. Haus steigt die Sonne ĂŒber den Horizont – es wird Tag. Im 10. Haus steht sie am höchsten am Himmel – es ist Mittag. Im 7. Haus sinkt sie unter den Horizont – es wird Nacht. Im 4. Haus erreicht sie schließlich ihren Tiefpunkt – es ist Mitternacht. Diese Beobachtung ist eine der Grundlagen der HĂ€userlehre.

Die Grafik unten veranschaulicht die tĂ€gliche scheinbare Bewegung der Sonne von ihrem Aufgang zu ihrer Kulmination ĂŒber ihren Untergang und letztlich dem Erreichen ihres Tiefpunktes. Ebenfalls in der Grafik eingezeichnet sind durch diese Begebenheiten ausgelösten Hauptassoziationen der EckhĂ€user.

Sonne in EckhÀusern
EckhĂ€user und tĂ€glicher scheinbarer Wandel der Sonne von ihrem Aufgang zu ihrer Kulmination ĂŒber ihren Untergang hin zu ihrem Tiefpunkt. In einer horoskopischen Zeichnung liegt Ost links und West rechts. Die Sonne steigt also in der Grafik links ĂŒber den Horizont.

Zu den Bedeutungen der einzelnen HĂ€user und deren Entstehung trugen neben den oben aufgefĂŒhrten astronomischen Begebenheiten noch andere Faktoren bei. Zu diesen kommen wir etwas spĂ€ter. Im nĂ€chsten Abschnitt soll erst einmal geklĂ€rt werden, was man denn ursprĂŒnglich mit dem Begriff “Haus” gemeint hat.

Terminologie — Tierkreiszeichen, Orte, HĂ€user und deren Herrscher

Mit HĂ€usern meint man in unserer Zeit generell die Aufteilung des Horoskops in zwölf Sektoren. Diese geben seit jeher Aufschluss ĂŒber die verschiedenen Lebensbereiche des Horoskopeigners. UrsprĂŒnglich sprach man von Orten (gr. topoi), wenn man die zwölf Sektoren des Horoskops meinte. Der Begriff Haus war dennoch in stetigem Gebrauch, wenn es um die zwölf Orte ging. Jedoch meinte man mit HĂ€user (gr. oikoi) die Tierkreiszeichen die den Planeten zugesprochen sind. Der Begriff Haus bezieht sich also auf die Herrschaft eines Planeten ĂŒber ein Zeichen. Die Tierkreiszeichen sind also die Domizile (das Zuhause) der Planeten. Wie kommt es nun zur Verwendung des Begriffs Haus wenn es um die Orte geht?

UrsprĂŒnglich war es vorgesehen, dass die Tierkreiszeichen mit den Orten ĂŒbereinstimmen und somit jedes Zeichen einen Lebensbereich auf seine Weise “fĂ€rbt” bzw. die BĂŒhne fĂŒr den besagten Lebensbereich darstellt. Das bedeutet: Tierkreiszeichen = Ort = Lebensbereich. Dies ist ein ganz entscheidender Punkt, denn fĂŒr die astrologische Deutung der zwölf Lebensbereiche sind die Herrscherplaneten der Zeichen, und somit Orte, von grosser Bedeutung. Diese werden nĂ€mlich zum individuellen Signifikator der Lebensthemen in einem Horoskop.

Nach traditionellem Modell werden also jedem der zwölf Sektoren im Horoskop eines der Tierkreiszeichen zugeordnet, oder anders gesagt: die Tierkreiszeichen selbst werden zu den zwölf HÀusern.

Wir haben es hier also mit dem GanzzeichenhĂ€usersystem bzw. kurz GanzzeichenhĂ€usern (GZH) zu tun. Dieses HĂ€usersystem ist das Älteste und unterscheidet sich wesentlich von anderen Unterteilungen. Zum Vergleich: In anderen HĂ€usersystemen, wie z.B. Koch oder Placidus, kann sich ein “Haus” ĂŒber mehrere Tierkreiszeichen strecken oder aber es fallen mehrere “HĂ€user” in ein und dasselbe Zeichen. Hier hat der Begriff Haus jedoch nichts mit der ursprĂŒnglichen Bedeutung des Ortes als Domizil eines Planeten zu tun.

Wie funktioniert nun die Bestimmung der HĂ€user im GanzzeichenhĂ€usersystem? Im GZH bestimmt der Aszendent das Zeichen des ersten Hauses, ist aber nicht “Spitze” desselbigen. FĂ€llt der Aszendent z.B. auf 14° Fische, bildet dieses Zeichen mit all seinen 30° das erste Haus. Das zweite Haus wĂ€re dann Widder, das dritte Stier usw. Die unten stehende Grafik gibt dieses Beispiel visuell wieder. UrsprĂŒnglich wurde der Aszendent Stundenschauer (gr. horoskopos) genannt. Der Stundenschauer ist traditionell der wichtigste Punkt im Horoskop, auch gerade weil er Grundlage fĂŒr die Zeichenverteilung der zwölf Orte ist.

Grafik: GZH mit ASZ Fische
Beispiel der HÀuserverteilung im GanzzeichenhÀusersystem mit Stundenschauer/Aszendent 4° Fische. Der Stundenschauer markiert das Zeichen des ersten Ortes. Die folgenden Orte werden jeweils den nachstehenden Tierkreiszeichen des ersten Ortes zugeordnet. Im GZH-System ist ein Zeichen gleich ein Ort bzw. Haus.

In der Antike wurden neben den GanzzeichenhĂ€usern zusĂ€tzlich das Ă€quale HĂ€usersystem, nach dem sich alle Spitzen der zwölf Orte nach dem Grad des Aszendenten richten, und die heutzutage unter dem Namen Porphyrius-HĂ€user bekannte Unterteilung, verwendet. Letztere war ĂŒbrigens keine Erfindung des gleichnamigen Astrologen, sondern wurde schon von Vettius Valens in seinem Werk Anthologie (Buch 3, Kapitel 2) vorgestellt. Diese beiden HĂ€usersysteme dienten vorrangig zum Ermitteln der WirkungsstĂ€rke der Planeten. FĂŒr das Untersuchen der Lebensbereiche wurden aber immer die GanzzeichenhĂ€user verwendet.

Als Herrscher der Tierkreiszeichen, und somit der zwölf Orte bzw. HĂ€user, dienen die sieben traditionellen Planeten. Die Zuordnung dieser zu den Tierkreiszeichen sieht wiefolgt aus: SchĂŒtze und Fische sind die HĂ€user/Domizile des Jupiter, Widder und Skorpion die des Mars, Steinbock und Wassermann sind die HĂ€user des Saturn, Zwillinge und Jungfrau die des Merkur, Stier und Waage sind die Domizile der Venus. Schließlich ist Krebs das Haus des Mondes und Löwe das der Sonne. Die nachstehende Grafik zeigt die traditionellen Herrscher der Tierkreiszeichen in ihren HĂ€usern (Domizilen).

Grafik: Planetenherrscher in ihren Domizilen
Die sieben traditionellen Planeten als Herrscher der Tierkreiszeichen. Die zwölf Zeichen sind gleichfalls die HÀuser/Domizile der Planeten.

Anmerkung: Ich verwende in diesem Artikel die Begriffe Haus und Ort teils synonym, um eine bessere Lesbarkeit zu erlangen. An einigen Stellen habe ich mich jedoch bewusst fĂŒr den einen oder anderen Begriff entschieden um die ursprĂŒngliche Bedeutung hervorzuheben.

Grundbausteine der Symbolik der Orte

Zur Zeit der Antike gab man den zwölf Orten zusÀtzlich zu der gebrÀuchlichen Verwendung von Numeralien (erster Ort, zweiter Ort usw.) symbolische Namen. Die Bezeichnungen und Bedeutungen dieser leiten sich von verschiedenen Faktoren ab. Im Allgemeinen kann man jedoch drei Grundbausteine identifizieren. Zu diesen kommen wir jetzt.

Wie oben bereits erwĂ€hnt, liegt eine der Grundlagen der HĂ€usersymbolik in der Bewegung der Erde um ihre eigene Achse und des dadurch scheinbaren tĂ€glichen Wandels der Planeten von Aufgang zu Kulmination ĂŒber Untergang hin zu Tiefpunkt. Die vier sog. EckhĂ€user, also die HĂ€user 1, 10, 7 und 4, die symbolisch mit diesen astronomischen Begebenheiten einhergehen, werden auch kardinale HĂ€user genannt (von lat. cardo = Dreh-, Wende-, Angelpunkt). Die Bezeichnung Eckhaus grĂŒndet sich vermutlich auf PtolemĂ€us, der als Synonym fĂŒr den sonst ĂŒblich gebrĂ€uchlichen griechischen Begriff kentron, den ebenfalls griechischen Begriff gonia verwendet. Dieser bedeutet soviel wie “Ecke” oder “Winkel”.

In den antiken griechischen Schriften werden die EckhĂ€user also als kentra bezeichnet, was soviel wie “Zentren”, “Stacheln” oder “Drehpunkte” bedeutet. Diese Übersetzungen geben Aufschluß ĂŒber wesentliche inhaltliche Bedeutungen des Urbegriffs. Zum einen werden Planeten in den EckhĂ€usern bildlich gesprochen zum aktiven Handeln “angestachelt”. Gleichzeitig bilden die EckhĂ€user die Mitte, also das Zentrum, einer Ecktriade. Eine Ecktriade besteht aus einem Eckhaus, dem ihm vorangehenden (fallenden) und nachstehenden (folgenden) Haus. Insgesamt gibt es vier Ecktriaden.

Die Unterteilung der Orte in kardinale, fallende und folgende Orte trÀgt nun ebenfalls zur Entstehung der Symbolik der HÀuser bei. So werden zum Beispiel alle fallenden Orte (3, 6, 9, 12) mit dem Thema Reisen in Verbindung gebracht, da sich Planeten in diesen von den Ecken weg bewegen.

Grafik: Ecktriaden
Die vier Ecktriaden, die sich jeweils aus kardinalem, folgendem und fallendem Ort zusammensetzen. Mit TĂŒrkis ist die Ecktriade bestehend aus Ort 2, 1 und 12 gekennzeichnet. Rot kennzeichnet die Ecktriade bestehend aus Ort 11, 10 und 9. Die Ecktriade der Orte 8, 7 und 6 ist mit Blau markiert. Schließlich kennzeichnet die Farbe Braun die Ecktriade der Orte 5, 4 und 3.

Desweiteren spielt die Beziehung der einzelnen Orte zum Aszendeten bzw. ersten Ort eine Rolle. Orte, die das erste Haus durch einen der fĂŒnf Hauptaspekte (Konjunktion, Sextil, Trigon, Quadrat, Opposition) aspektieren, tragen positive Bedeutungen. Orte, die in keinem der Hauptaspekte zum Aszendenten stehen, werden im Allgemeinen mit negativen Themen in Verbindung gebracht, denn Planeten in ihnen können den Aszendenten (der fĂŒr den Horoskopeigner selbst steht) durch den fehlenden Aspekt nicht positiv unterstĂŒtzen.

Es gibt vier HĂ€user, die das erste Haus mit dem Aszendenten traditonell nicht aspektieren. Dies sind die HĂ€user 2, 6, 8 und 12, welche als “ungĂŒnstige” oder “böse” Orte bezeichnet werden. Hier sei gesagt, dass Planeten in diesen Orten durch weitere Faktoren durchaus positiv wirken können, die Themen aber, die diese HĂ€user spiegeln, generell einen negativen Anklang haben. Das zweite Haus nimmt eine gewisse Sonderstellung ein. Neben der negativen Symbolik, die durch seine Bezeichnung als “Tor des Hades” ausgedrĂŒckt wird, werden mit dem zweiten Haus auch positive Themen assoziiert, so z.B. WohltĂ€tigkeit. Hier wirkt die Tatsache, dass das zweite Haus zu den folgenden HĂ€usern gehört, sowie durch ein Trigon zum zehnten Haus, welches fĂŒr das öffentliche Leben steht, konfiguriert ist. Man sieht also an diesem Beispiel, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wesentlich zur Entstehung der Bedeutung der HĂ€user beigetragen hat.

Grafik: Hauptaspekte
Die fĂŒnf Hauptaspekte in Bezug zum ersten Ort, der durch den Aszendenten markiert wird. Die in der Grafik braun gekennzeichneten Orte werden “ungĂŒnstige” oder “böse” Orte genannt, da sie in keinem traditionellen Aspekt zum ersten Ort und Aszendenten stehen – Planeten in ihnen den Aszendenten also nicht “sehen” können.

Weiterhin wichtig fĂŒr die Entstehung der Symbolik der HĂ€user sind die sogenannten Freuden der Planeten. So zum Beispiel hat die Venus ihre Freude im fĂŒnften Haus, worauf dieses Haus mit Wohltaten und körperlichen Freuden assoziiert wird. Das Konzept der Freuden ist sehr umfangreich und es ist hier nicht möglich, dieses ausfĂŒhrlich zu schildern. Trotzdem möchte ich kurz Aufmerksamkeit auf die Verteilung der Planeten in Bezug auf die zwei HemisphĂ€ren, lenken. Es ist nĂ€mlich erwĂ€hnenswert, dass sich im Schema der Freuden die Nachtplaneten Venus und Mars zusammen mit ihrem Herrscher, dem Mond, in der unteren, die Tagplaneten Saturn und Jupiter, angeleitet von der Sonne, aber in der oberen HemisphĂ€re befinden. Da die Sonne mit dem Geist und der Mond mit dem Körper assoziiert werden, werden die HĂ€user unter dem Horizont im Allgemeinen mit Materiellem und eher Konkretem in Verbindung gebracht, wobei die HĂ€user ĂŒber dem Horizont generell eher fĂŒr mentale Dinge stehen.

Merkur, der in der Mythologie Zugang sowohl in himmlische SphĂ€ren als auch zur Unterwelt hat, hat seine Freude im ersten Haus – das Haus in welchem die Sonne aufsteigt, welches also die Grenze (Horizont, Aszendent) von Tag und Nacht sowie “Oben” und “Unten” innehĂ€lt. So findet sich also die Symbolik des Merkur als Botschafter zwischen den Welten auch in seiner Freude im ersten Haus wieder, denn Merkur kann im ersten Ganzzeichenhaus sowohl ĂŒber als auch unter dem Horizont plaziert sein.

Grafik: Freuden der Planeten
Die Freuden der Planeten. Die Tagplaneten Jupiter und Saturn haben ihre Freude zusammen mit der Sonne in der oberen HemisphÀre (TaghÀlfte). Die Nachtplaneten Venus und Mars haben ihre Freude zusammen mit dem Mond in der unteren HemisphÀre (NachthÀlfte).

Synthese der Grundbausteine – Namen und Bedeutungen der zwölf Orte

Die oben dargestellten drei Grundbausteine (Konzept der Ecktriaden, Aspektierung zum ersten Ort und Aszendenten, Freuden der Planeten) tragen nun gemeinsam zur Entstehung der Bezeichnungen als auch Bedeutungen der zwölf Orte bei. In der folgenden Grafik sind die symbolischen Namen der zwölf Orte aufgefĂŒhrt, die man damals zusĂ€tzlich zur numeralischen Benennung verwendete. Ebenfalls in der Grafik angegeben sind die griechischen Namen der Orte (Ă€ußerer Ring).

Der erste Ort hatte ursprĂŒnglich mehrere Namen. So sprach man von ihm, neben dem in der Grafik aufgefĂŒhrten und meist gebrĂ€uchlichen Sinnbild des Steuerruders (gr. oiax), auch von Stunde (gr. hƍra), Erhebung (gr. anaphora), Aufgang (gr. anatole) und Aszendent (gr. anatellon). Der Begriff Stundenschauer (gr. horoskopos) meinte im Allgemeinen ebenfalls den gesamten ersten Ort.

Grafik: Bezeichnungen der zwölf Orte
Symbolische Bezeichnungen der zwölf Orte. Im Ă€ußeren Ring sind die griechischen Benennungen angegeben.

Die Grundbedeutungen der zwölf Orte sind in der folgenden Grafik wiederzufinden. Diese sind aus dem Werk Anthologie (Buch 4, Kapitel 12) von Vettius Valens entnommen. Valens ist eine der wichtigsten Quellen fĂŒr die Rekonstruktion und das Studium der Astrologie. Einen kurzen Einblick ĂŒber die Person Vettius Valens erhĂ€lst du ĂŒber folgenden Link zum Verzeichnis der hellenistischen Astrologen auf der Webseite von Chris Brennan: http://www.hellenisticastrology.com/astrologers/vettius-valens/.

Ich habe mich bei der Angabe der Bedeutungen der zwölf Orte, bzw. Übersetzung dieser an die AuffĂŒhrung in Chris Brennans Buch ‘Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune‘ (2017) gehalten. Die Grafik gibt nur die wesentlichsten Bedeutungen wieder. Weitere Assoziationen finden sich u.a. im oben angegebenen Kapitel von Valens’ Anthologie. Eine vollstĂ€ndige Übersetzung dieses Werkes steht in Deutsch (BlĂŒtenstrĂ€uße, Schönberger & Knobloch, 2004) sowie in Englisch z.B. Riley (2010), zu VerfĂŒgung. Mehr Infos hierzu finden sich in den Quellenangaben am Ende dieses Artikels.

Grafik: Symbolische Bedeutungen der Orte
Symbolische Bedeutungen der zwölf Orte. In der Grafik ebenfalls eingezeichnet sind die Freuden der Planeten. Im Ring außen die Bezeichnungen der Orte in Griechisch.

Mehrere Bedeutungen – verschiedene Verwendungsbereiche

Die Bedeutungen der zwölf Orte sind durch die Synthese der Grundbausteine mitunter sehr vielschichtig. Daher mag die Zusammenstellung der Signifikationen eines einzelnen Ortes auf den ersten Blick nicht immer logisch erscheinen. Es ist zu bedenken, dass die Astrologie seit jeher sehr komplex ist und ihre Anwendung weitaus ĂŒber die heute oft einzigst bekannte Geburtsastrologie hinaus geht. Somit finden einige Signifikationen der zwölf Orte eher in anderen Zweigen der Astrologie, als in der Analyse eines Geburtshoroskopes, Verwendung.

Die den Orten zugeteilten Bedeutungen geben desweiteren Aufschluß ĂŒber das Weltbild und die Kultur der Antike. So z.B. die Assoziation des dritten und neunten Ortes mit König und Königin, welche ihren Platz mit der Signifikation von Gott und Göttin sowie Weissagung und Mystik teilen. Gleichzeitig haben die beiden Lichter Sonne und Mond ihre Freuden in diesen HĂ€usern. Diese sind die sichtbarsten Himmelskörper und jene, nach denen wir uns z.B. zeitlich ausrichten. So gibt die Sonne uns das Maß fĂŒr ein Jahr und der Mond fĂŒr einen Monat. Die damaligen Herrscher wurden als unsterbliche Gottheiten gesehen, deren Aufgabe das Regeln irdischen Lebens ist. Staatliche Herrschaft und Religion gingen Hand in Hand. In unserer Zeit sind die Wirkungsbereiche von Kirche und Staat voneinander getrennt, weshalb heute in der Mundanastrologie die Kirche dem neunten und der Staat dem zehnten Ort zugeteilt wird.

Transfer in die heutige Zeit

Nicht alle der ursprĂŒnglichen Bedeutungen der zwölf Orte mögen uns in der heutigen Zeit in der westlichen Welt als relevant erscheinen, wie z.B. die Assoziation des sechsten Ortes mit Sklaven (auch wenn Sklavenhandel leider immer noch in einigen Teilen der Welt ein Thema ist).

Es geht also darum, ein VerstĂ€ndnis fĂŒr die Grundsymbolik der zwölf Orte zu entwickeln, die dann hilft die Thematik dieser in unsere Zeit umzusetzen. Im Falle des sechsten Ortes und unserem vorangegangenen Beispiel könnte dies u.a. die Signifikation von Untergestellten, etwa in Bezug auf ein ArbeitsverhĂ€ltnis, sein. Das Wissen und VerstĂ€ndnis um die Wurzeln der Bedeutungen der Orte ist weiterhin von Nutzen, wenn es um die Zuordnung von neuzeitlichen Themen geht.

Schlussgedanken

Die Entstehung der Symbolik der zwölf HĂ€user in der Astrologie ist, wie in diesem Artikel aufgezeigt, Ă€ußerst komplex. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die neuzeitliche Erfindung des “Zwölf-Buchstaben-Alphabets” (Dane Rudhyar, Zipporah Dobyns), reichlich Interesse fand, ist es doch in seiner Lehre bestechend einfach, denn es setzt Tierkreiszeichen, HĂ€user und Planeten gleich.

Nach dem Zwölf-Buchstaben-Alphabet ist also das 1. Haus = Widder = Mars, das 2. Haus = Stier = Venus usw. Dies ist jedoch, wie erwĂ€hnt, ein neuzeitlicher Gedanke, der die entscheidenden GrundsĂ€tze, die einst zur Entstehung der Bedeutungen der HĂ€user fĂŒhrten, völlig außer Acht lĂ€ĂŸt. Bei Anwendung des Zwölf-Buchstaben-Alphabets geht folglich eine Menge an Symbolik und VerstĂ€ndnis der Bedeutungen der HĂ€user verloren.

Grundgedanke fĂŒr diesen Beitrag war, einen zusammenfassenden Einblick in einen der vier Grundbausteine der Astrologie zu geben. Es ist erstaunlich, wie viel es auf dem Gebiet der Astrologie, und speziell ihrer Wurzeln, zu entdecken gibt. Die im Anschluß aufgefĂŒhrten BĂŒcher und Artikel sollen weitere Hilfen auf dem Weg zu den UrsprĂŒngen der HĂ€userlehre, sowie der Astrologie im Allgemeinen, sein.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Brennan, Chris. The Planetary Joys and the Origins of the Significations of the Houses and Triplicities. https://www.hellenisticastrology.com/the-planetary-joys.pdf.

Brennan, Chris. The Astrology Podcast. The Rationale for the Significations of the Houses. http://theastrologypodcast.com/2014/06/10/rationale-significations-houses/.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Crane, Joseph. Die Knoten des Zwölf-Buchstaben-Alphabets entwirren. https://www.astro.com/astrologie/in_twelveletter_g.htm. Zuletzt aufgerufen: 18.3.2019.

Erik van Slooten. Traditionelle Horoskopdeutung. Ein Lehrgang zum Selbststudium. Chiron Verlag, 2014.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Houlding, Deborah. The Houses: Temples of the Sky. The Wessex Astrologer Ltd. 2006.

Watson, Patrick. Why Aries ≠ the 1st House. https://patrickwatsonastrology.com/why-aries-%E2%89%A0-the-1st-house/. Zuletzt aufgerufen: 18.3.2019.

Übersetzungen von Vettius Valens’ Anthologie

Valens, Vettius. BlĂŒtenstrĂ€uße. Übersetzt von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch. (Subsidia Classica, Bd 7) St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2004.

Valens, Vettius. Anthologies. Übersetzt von Mark Riley, 2010. https://www.csus.edu/indiv/r/rileymt/vettius%20valens%20entire.pdf.

Links zu weiterfĂŒhrenden Artikeln in meinem Blog

Zum Thema Bewegung der Planeten und horoskopische Darstellung: Die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten am Himmel — Bedeutung in der Astrologie und Darstellung im Horoskop.

Zum Thema Aspektlehre: Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie.

Zum Thema Geschichte: Die Geschichte der Astrologie.

Titelbild: Author

Die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten am Himmel — Bedeutung in der Astrologie und Darstellung im Horoskop

In diesem Artikel erfĂ€hrst du, welche Beziehung der Verlauf der Gestirne am Himmel mit der Astrologie und ganz speziell in Bezug auf die Darstellung eines Horoskops hat. Ob du nun schon lĂ€nger mit der Astrologie vertraut bist oder aber ohne Vorkenntnisse und gerade zufĂ€llig ĂŒber diesen Artikel gestolpert bist – ich hoffe, dass dieser Beitrag vor allem ein Staunen ĂŒber die wundersamen und vielfachen ZusammenhĂ€nge der Schöpfung weckt.

Zwei Bewegungen

In der Astrologie, der immer die Wahrnehmung aus der Perspektive der Erde und somit des Menschen zugrunde liegt (geozentrisches Weltbild), spielen zwei Richtungen eine wesentliche Rolle. Das ist zum einen der Verlauf von Sonne, Mond und Planeten entlang der Ekliptik durch die Sternbilder und zum anderen die tĂ€gliche Bewegung der Planeten und Lichter von ihrem Aufgang zu ihrem Untergang und wieder zu ihrem erneuten Aufgang. Zu den Planeten in der Astrologie zĂ€hlen traditionell Merkur, Venus, Mars, Jupiter, und Saturn. Diese sind mit bloßem Auge sichtbar. Neu hinzu gekommen sind die in der Neuzeit entdeckten sog. Ă€ußeren Planeten Uranus, Neptun und Pluto. In der Astrologie meint man gewöhnlich auch Sonne und Mond, wenn man von den Planeten spricht.

Dass die Planeten, von der Erde aus wahrgenommen, tÀglich im Osten auf- und im Westen untergehen, liegt an der Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse. Das scheinbare Wandern der Planeten entlang der Ekliptik mit den Sternbildern wiederum basiert auf der Bewegung der Erde um die Sonne. Letzteres geben jeweils die Grafik und die Animation unten wieder.

Bewegung der Erde um die Sonne. Projektion der Sonne auf den Sternenhintergrund und somit die Sternbilder der Ekliptik. Quelle Grafik: Tauʻolunga, Ecliptic path, CC BY-SA 3.0, Quelle Animation: Tfr000, Ecliptic with earth and sun animation, CC BY-SA 3.0.

Zwei Richtungen

Die tÀgliche Bewegung der Wandelsterne am Himmel erfolgt von der Nordhalbkugel der Erde aus betrachtet in Uhrzeigerrichtung, also von links nach rechts. Die Bewegung durch den Tierkreis erfolgt jedoch entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn, also von rechts nach links. Die Planeten und Lichter brauchen unterschiedlich lang um eine volle Runde um die Ekliptik und somit den Tierkreis, zu machen. Aufgang und Untergang erleben jedoch alle Wandelsterne tÀglich.

Die folgende Animation zeigt den Verlauf der Sonne entlang der Ekliptik durch die Sternbilder ĂŒber eine Zeitspanne von ca. 3 Monaten, beobachtet von der Nordhalbkugel. Quelle: Patrick Watson.

Animation Sonne entlang Ekliptik

Die unten stehende Animation zeigt das Auf- und Untergehen der Sonne, Planeten und Sterne in einem Zeitraum von 24 Stunden am gleichen Standort wie in der Animation oben. Quelle: Patrick Watson.

Planeten Auf- und Untergang

Kleiner Exkurs – Sternbilder und Tierkreiszeichen

UrsprĂŒnglich lag der FrĂŒhlingspunkt zu Beginn des Sternbildes Widder (daher auch Widderpunkt genannt). Durch die PrĂ€zession (Taumelbewegung) der Erdachse ist dieser Punkt im Laufe der Jahrhunderte in das Sternbild Fische gerĂŒckt.

Im MĂ€rz (um den 20. Tag herum) liegt jedoch im sog. tropischen Tierkreis (abgeleitet von griech. tropoi = Wendepunkte), weiterhin der Beginn der Zeit des Widders. Das liegt daran, dass die Einteilung der Ekliptik in 12 Abschnitte und die Benennung dieser, die astronomischen Begebenheiten der Äquinoktien, also FrĂŒhlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche, sowie den Sonnenwenden und das Zusammentreffen dieser zu antiker Zeit mit den Sternbildern Widder, Waage, Krebs und Steinbock zugrunde liegt. In der Antike traf also der FrĂŒhlingspunkt auf den Beginn des Sternbildes Widder, der Herbstpunkt hingegen traf zu dieser Zeit auf den Beginn des Sternbildes Waage, die Sommersonnenwende lag zu Beginn des Sternbildes Krebs und die Wintersonnenwende war der Beginn des Sternbildes Steinbock. Der Beginn dieser vier Sternbilder, Widder, Krebs, Waage und Steinbock, ging also mit den Wendepunkten der Jahreszeiten einher.

Grafik Äquinoktien und Sonnenwenden
Die Äquinoktien und Sonnenwenden. Ein Äquinoktium ist der Mo­ment, in dem die Son­ne bei ih­rer schein­ba­ren Ja­hres­be­we­gung auf der Ek­lip­tik den Him­mels­Àqua­tor ĂŒber­schrei­tet (siehe 21.3. und 23.9. in der Grafik). Die Schnitt­punk­te von Ek­lip­tik und Äqua­tor wer­den FrĂŒh­lings- und Herbst- bzw. Widder- und Waage­punkt bezeichnet. Die Sommersonnenwende ist in der Zeichnung mit dem 21.6. und die Wintersonnenwende mit dem 21.12. gekennzeichnet. Quelle: S.fonsi, Ecliptic, CC BY-SA 3.0

Das astrologische Jahr begann, und beginnt noch immer, mit der FrĂŒhlings-Tagundnachtgleiche. Diese ging in der Hellenistischen Epoche, in der die Wurzeln der westlichen Astrologie liegen, wie bereits erwĂ€hnt gleichzeitig mit dem Beginn des Sternbildes Widder einher. Auf diese Begebenheit aufbauend unterteilte man die Ekliptik in 12 gleichgroße Teile zu jeweils 30° die man nach den Sternbildern benannte. Die Sternbilder selbst sind von unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe. Noch immer tragen diese Abschnitte der Ekliptik in der westlichen Astrologie dieselben Namen. Es geht also um die Bezeichnung bestimmter Zeitabschnitte im Jahr. Die 12 Tierkreiszeichen, die nach den Sternbildern benannt sind, sind also nicht zu verwechseln mit den Sternbildern am Himmel selbst.

Die Zeichen des Tierkreises sind Symbolbilder in der Astrologie, deren Bedeutung auf die Jahreszeiten aufbaut und deren Bezeichnungen einst von den Sternbildern geliehen wurde. Es wÀre also korrekter zu sagen, man ist beispielsweise in der ZEIT (nicht im Zeichen) der Jungfrau geboren.

Die westliche Astrologie begrĂŒndet sich also immer noch auf jĂ€hrliche astronomische Begebenheiten, nĂ€mlich den Jahreszeiten, so wie es einst der Fall in der Antike war. Von diesen Begebenheiten leitete man vorrangig die Bedeutungen der Tierkreiszeichen ab, so z.Bsp. die QualitĂ€ten (kardinal, fix, verĂ€nderlich). Die vier Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock werden als kardinal bezeichnet, denn ihre Sternbilder gingen jeweils mit dem Beginn einer neuen Jahreszeit einher. Sie waren also der Wendepunkt von Jahreszeit zu Jahreszeit, was auch, wie bereits weiter oben erwĂ€hnt, aus dem Wort ”tropischer Tierkreis” (von gr. tropoi = Wendepunkte) hervorgeht. Die Zeichen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann dagegen fallen im tropischen Tierkreis jeweils in die Mitte einer Jahreszeit. Letztlich beenden Zwillinge, Jungfrau, SchĂŒtze und Fische die jeweilige Jahreszeit und sind somit gleichfalls der Übergang von einer zur nĂ€chsten Jahreszeit, daher werden sie verĂ€nderliche Zeichen genannt.

Kollektive und individuelle Bedeutungen

Sowohl der Verlauf von Sonne, Mond und Planeten durch den Tierkreis, als auch ihre tĂ€gliche Bewegung von ihrem Aufgang zu ihrem Untergang sind Quelle fĂŒr grundsĂ€tzliche astrologische Bedeutungen.

Die Bewegung der Lichter und Planeten durch den Tierkreis gibt in gewisser Weise den Zyklus von Werden-Sein-Sterben wieder. Vor allem die Sonne spiegelt uns symbolisch den Lebenszyklus, denn ihr Wandern entlang der Ekliptik durch die Tierkreiszeichen ist hier auf der Erde mit dem Wahrnehmen der Jahreszeiten verbunden. Im FrĂŒhling erleben wir das Erwachen der Natur, im Sommer steht sie in ihrer vollen BlĂŒte, im Herbst kommt sie zur Ruhe und im Winter schlummert die Natur wartend auf ein neues Erwachen.

Die Auswirkungen der Jahreszeiten wiederum kann man am Verhalten der Menschen erkennen. So beobachtet man in der Sommerzeit mehr Offenheit und ein Aufeinanderzugehen. Das ist die Zeit der Grillfeste, Festivals und anderer großer Feiern. Im Winter hingegen verhalten wir uns zurĂŒckhaltender und verbringen unsere Zeit in kleineren Kreisen, mehr in Stille und Bedachtheit. Es handelt sich hierbei um kollektiv wahrnehmbare Begebenheiten. Es ist daher interessant, dass die Tierkreiszeichen als Symbole der Archetypen (oder Urprinzipien) gelten. Vor allem C.G. Jung wird mit der Auffassung der Archetypen in unserer Zeit in Verbindung gebracht. Die Idee selbst ist jedoch um einiges Ă€lter und war schon in der Antike (siehe Plato) bekannt.

Grafik C.G. Jung Zitat ĂŒber Sternenhimmel und Archetypen

Eine weitaus persönlichere Deutung ergibt sich aus der tĂ€glichen Bewegung von Sonne, Mond und Planeten ĂŒber den Himmel. Grundlage fĂŒr die Erstellung eines Horoskops ist neben dem Datum und Ort die genaue Zeit des Ereignisses, im Falle eines Geburtshoroskops also die Geburtszeit. Diese nĂ€mlich ist Voraussetzung zur Ermittlung des genauen Grades des am östlichen Horizont aufsteigenden Abschnittes der Ekliptik und des mit ihm assoziierten Tierkreiszeichens. Dieser Grad wird Aszendent oder Stundenschauer genannt. Traditionell bezeichnet man auch das gesamte Tierkreiszeichen in den der Grad des Aszendenten fĂ€llt, als Aszendent oder eben Stundenschauer. Das Wort Horoskop stammt ĂŒbrigens aus dem Altgriechischen und setzt sich wiefolgt zusammen: ᜄρα, hora = Stunde; σÎșÎżÏ€Î”áż–Îœ, skopĂ©in = beobachten; auf Deutsch also “die Stunde schauen”.

Das Tierkreiszeichen des Aszendenten bildet nach ursprĂŒnglichem Modell vom ersten bis zum letzten Grad den ersten Ort (bzw. das erste Feld oder das erste “Haus”) im Horoskop. Das zweite Tierkreiszeichen bildet den zweiten Ort, das dritte Zeichen den Dritten usw. bis zum zwölften Tierkreiszeichen vom Aszendenten, welches den zwölften Ort markiert. Dabei zĂ€hlen wir in Tierkreisrichtung, also entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn. Dieses Modell der sogenannten HĂ€usersysteme kennen wir heute unter dem Begriff “GanzzeichenhĂ€user” (GZH). Es ist das ursprĂŒngliche HĂ€usersystem der Antike und der westlichen Astrologie, auf welches sich verschiedene astrologische Techniken aufbauen (z.Bsp. die Profektionen), die zwar ĂŒber die Jahrhunderte verloren, in den letzten zwanzig-dreißig Jahren jedoch durch Übersetzungen antiker Schriften wiederentdeckt wurden und immer noch werden.

Was die Sache mit den Orten persönlich macht, ist dass diese fĂŒr bestimmte Themen und Lebensinhalte stehen. Die Tierkreiszeichen, welche im GZH-System die Orte markieren, geben in gewisser Weise den Hintergrund oder die “BĂŒhne” wieder, auf der sich die Lebensbereiche abspielen. Durch den Aszendenten werden also die Tierkreiszeichen der Orte bestimmt.

Noch persönlicher wird es natĂŒrlich durch die Gestirne in den Orten und deren Beziehungen (Aspekte) untereinander. Ganz besonders wichtig ist hier der Herrscherplanet der jeweiligen Tierkreiszeichen bzw. Orte und dessen Stellung im Horoskop. Zu den Grundlagen der Deutung der Aspekte kannst du mehr in diesem Artikel erfahren: Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie.

Allgemeine Darstellung der Richtungen im Horoskop

Stellt sich nun die Frage, wie gibt man diese dreidimensionalen Begebenheiten zweidimensional, z.Bsp. auf einem Blatt Papier, wieder? Oder anders gefragt, wie spiegeln sich die Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten in Bezug zur Erde im Horoskop? Letztere Fragestellung beinhaltet schon einen wesentlichen Sachverhalt, nÀmlich dass das Horoskop ein Abbild des Himmels zu einem Gewissen Zeitpunkt ist, z.Bsp. zur Geburt eines Kindes.

Man kann sich das Horoskop als Schnappschuss des Himmels vorstellen, der die Stellung der Gestirne zu einem bestimmten Zeitpunkt festhÀlt.

ZunĂ€chst einmal eine allgemeine Grafik, die beide RichtungsverlĂ€ufe in einer Horoskopzeichnung veranschaulicht. Der rote Kreis zeigt den Verlauf der Gestirne entlang der Ekliptik. Die Ekliptik selbst ist mit ihren zwölf Abschnitten der Tierkreiszeichen im Ă€ußeren Kreis wiederzufinden. Der blaue Pfeil weist auf die tĂ€gliche Bewegung der Gestirne hin, also ihr Auf- und Untergehen, welches im Bezug zum Horizont, der hier als braune Linie eingezeichnet ist, steht. Der Osthorizont und somit der Punkt an dem die Lichter und Planeten aufsteigen, liegt im Horoskop immer auf der linken Seite.

Grafik Bewegungsrichtungen im Horoskop
Darstellung der RichtungsverlÀufe von Sonne, Mond und Planeten in einer Horoskopzeichnung. Der rote Kreis zeigt den Verlauf der Gestirne entlang der Ekliptik. Der blaue Pfeil weist auf die tÀgliche Bewegung der Gestirne, also ihr Auf- und Untergehen, hin.

Die Horizontlinie teilt das Horoskop in eine Tag- und eine NachthĂ€lfte. Planeten ĂŒber der Horizontlinie befinden sich in der TaghĂ€lfte, Planeten unter der Horizontlinie befinden sich in der NachthĂ€lfte. Die Platzierung der Sonne zeigt an, ob es sich um ein Tag- oder Nachthoroskop handelt. Dies wiederum war in Hellenistischer Zeit der Ausgangspunkt aller astrologischer Deutung. Die Unterteilung in Tag- und Nachthoroskop sowie die dazugehörigen GrundsĂ€tze der astrologischen Deutung nennt man das Konzept der “Sektion”. Sektion meint kurz gesagt die Aufteilung der Planeten in zwei Gruppierungen, Tag- und Nachtsektion. Dabei ist die Sonne Herrscher der Tagsektion und der Mond Herrscher der Nachtsektion. Die Sektion gibt u. a. Auskunft darĂŒber, wie stark ein Planet im Horoskop gestellt ist. Es macht also einen Unterschied, ob der Horoskopeigner am Tag oder in der Nacht geboren ist.

Die projizierte Sonne in der Horoskopzeichnung

Nun zur Darstellung der Bewegung der Sonne durch den Tierkreis, welche entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn erfolgt. Grundlage ist, wie bereits weiter oben erwĂ€hnt, die Bewegung der Erde um die Sonne und die daraus resultierende Projektion der Sonne auf die Ekliptik. In einem Horoskop sind natĂŒrlich nicht die Sonne in der Mitte und die Erde eingezeichnet, sondern nur die projizierte Sonne, bzw. ihr Symbol. Des Weiteren sind in einem Horoskop u. a. der Mond und die Planeten mit ihren Symbolen eingezeichnet.

Die Ekliptik mit den Tierkreiszeichen, die scheinbare Bahn der Sonne um die Erde, ist in der Grafik unten der Ă€ußere Kreis. Die Tierkreiszeichen sind hier, wie ĂŒblich in einem Horoskop, mit ihren Symbolen eingezeichnet. Die Grafik gibt den anscheinenden Verlauf der Sonne vom Zeichen Widder ♈ ĂŒber das Zeichen Stier ♉ zum Zeichen Zwillinge ♊ an.

zodiak ohne innenkreis
Darstellung der Projektion der Sonne auf den Tierkreis im Horoskop. Grundlage ist die Bewegung der Erde um die Sonne.

Die Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse und die Richtung der 12 Orte im Horoskop

Jetzt zur persönlicheren Dimension des Horoskops, nĂ€mlich den Orten bzw. HĂ€usern. Die Orte gehen ursprĂŒnglich mit den Zeichen des Tierkreises einher; das bedeutet ein Zeichen = ein Ort. Ausgangspunkt fĂŒr die Bestimmung der Zugehörigkeit der Tierkreiszeichen zu den Orten ist der Aszendent. In der Grafik unten liegt der Grad des Aszendenten in der Mitte des Zeichens Widder, also um die 15Âș. Widder wird also zum Zeichen des ersten Ortes. Dabei ist es gleich, in welchen Grad der Aszendent fĂ€llt. Das Tierkreiszeichen des Aszendentengrades wird im GanzzeichenhĂ€usersystem immer zum ersten Ort, von seinem ersten bis letzten Grad. Der Aszendent ist ausschlaggebend fĂŒr das ganze Horoskop und er ist ein wesentlicher Faktor im ersten Ort, nicht aber die Spitze desselbigen, wie es z.Bsp. bei den Koch- oder Placidus-HĂ€usersystemen der Fall ist.

Die Nummerierung der Orte erfolgt in Tierkreiszeichenordnung, also entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn. Diese Nummerierung ist gleichzeitig auch die Reihenfolge des “Aufstieges” der Orte und den in ihnen platzierten Planeten. Der blaue Pfeil in der unten stehenden Grafik zeigt dies an. Das in Uhrzeigerrichtung stattfindende Aufsteigen der Planeten und der Orte in denen sie sich befinden, wird also auch im Horoskop deutlich.

nummerierung-der-12-orte-drehung-erde-um-eigene-achse-1.jpg
Nummerierung der Orte bzw. “HĂ€user” und Veranschaulichung des Aufstieges dieser und der Gestirne in ihnen. Die Sonne befindet sich im ersten Ort unter der Horizontlinie. Durch die Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse (durch blauen Kreis in der Mitte dargestellt) wird dieser bald vollstĂ€ndig ĂŒber der Horizontlinie gelegen sein. Die Sonne wird also in KĂŒrze ĂŒber dem Horizont aufgehen — es wird Tag.

Kurzes Deutungsbeispiel zur obigen Grafik

Wie wir bereits wissen, geben die Tierkreiszeichen den Orten und ihren Bedeutungen eine gewisse “FĂ€rbung”. In der Grafik oben liegt der Aszendent im Zeichen Widder. Auch die Sonne findet sich in diesem Zeichen wieder, und zwar kurz vor ihrem Aufstieg ĂŒber den Horizont. Dies ist einer der stĂ€rksten Stellungen fĂŒr einen Planeten im Horoskop. Der Aszendent und der gesamte erste Ort geben betrĂ€chtlichen Aufschluss ĂŒber die Erscheinung des Horoskopeigners. In der Antike nannte man den ersten Ort auch “Ruder” oder “Steuer” (nach einer Metapher der Seefahrt), welches mit dem Horoskopeigner selbst und seinem Leben gleichgesetzt wurde. Folglich ist der erste Ort der wichtigste unter allen zwölf Orten im Horoskop.

Die Sonne steht fĂŒr den Kern unseres Selbst, unsere IdentitĂ€t und auch in gewissem Maße fĂŒr unserer “Rolle” auf der BĂŒhne des Lebens. Widder ist ein kardinales Feuerzeichen. Es ist das erste Zeichen des Tierkreises und steht somit u. a. fĂŒr Neuanfang, Aufbruch und Tatendrang. Sein Herrscher ist der Planet Mars. Abgesehen von den anderen Horoskopfaktoren, welche die gegebenen Platzierungen entweder verstĂ€rken oder abschwĂ€chen können (vor allem hier der Herrscherplanet Mars), lassen allein diese Faktoren auf einen Menschen schließen, dem es von Natur aus leicht fĂ€llt sich anderen mitzuteilen, bzw. sich durchzusetzen was, wie alle Konstellationen im Horoskop, positiv als auch weniger positiv ausgelebt werden kann.

Anmerkung: Es ist hier nicht möglich weiter auf die Bedeutungen der einzelnen Orte einzugehen. Diese ergeben sich nĂ€mlich neben der hier aufgefĂŒhrten scheinbaren Bewegungsrichtung der Gestirne von ihrem Aufgang zu ihrem Untergang, ausgelöst von der Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse, auch aus den sogenannten “Freuden der Planeten“. Diese sind aber Thema fĂŒr einen weiteren Artikel. Wer sich jedoch schon jetzt ĂŒber die Freuden informieren will, dem empfehle ich besonders Chris Brennans AusfĂŒhrung “The Planetary Joys and the Origins of the Significations of the Houses and Triplicities“.

Bonus

Zum Abschluss gebe ich der Maus das Wort.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Stenudd, Stefan. Zodiac Archetypes – Twelve Fundamental Types in the Horoscope. https://www.completehoroscope.org/astrology/zodiac-archetypes.htm. Gelesen 17.1.2019.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Erik van Slooten. Traditionelle Horoskopdeutung. Ein Lehrgang zum Selbststudium. Chiron Verlag, 2014.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Romankiewicz, Brigitte. Spielfeld der Götter – C.G. Jungs Archetypenlehre und die Astrologie. Deutsche Erstausgabe. Chiron Verlag, 2002.

 

Titelbild: ESO/B. Tafreshi (twanight.org), Star Trails over Atacama Desert Cacti, CC BY 4.0

 

Zuletzt bearbeitet: 27.2.2019

Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie

Einer der vier Grundbausteine der Astrologie sind neben den Planeten, den Tierkreiszeichen und den Orten (auch Felder oder HĂ€user genannt) die Aspekte. In diesem Artikel geht es um die Wurzeln und die GrundsĂ€tze der Aspektlehre. FĂŒr das VerstĂ€ndnis dieses Artikels sind gewisse Grundkenntnisse in der Astrologie erforderlich. Man sollte wenigstens mit den Glyphen und dem Aufbau eines Horoskops vertraut sein.

Was sind Aspekte?

Bei den Aspekten geht es um die Beziehungen der Planeten und anderen Punkten im Horoskop zueinander. Oft wird auch von Winkeln gesprochen. Das hat seine Wurzeln im Ursprung der Aspektlehre, der u.a. Optik und Geometrie zugrunde liegt.

Ursprung der Aspektlehre

Die Wurzeln der Aspektlehre liegen in der Hellenistischen Epoche in Griechenland. Zu jener Zeit nahm die Astrologie ihre eigentliche Form mit ihren vier Grundbausteinen, wie sie oben erwĂ€hnt sind, an. Der ursprĂŒngliche Begriff in Bezug auf das Konzept der Aspekte, der in hellenistischen Schriften vorzufinden ist, ist ’epimarturia’ (griech.). Dieser bedeutet soviel wie ”bezeugen”, ”ein Zeugnis abgeben”. Die Wortwahl fĂŒr die Beschreibung der Aspekte in den Quelltexten (hauptsĂ€chlich in den Überlieferungen der Eisagogika des Antiochus von Athen) hat visuellen Unterton. Das heißt, es wird durch diese zum Ausdruck gebracht, ob und in welcher Weise sich die Planeten ”sehen können”. Somit befinden sich im Vokabular der uns ĂŒberlieferten Texte neben dem erwĂ€hnten ”bezeugen” z.Bsp. auch ”beobachten” und ”mustern”. Es geht nach dem traditionellen Modell der Aspektlehre sozusagen um ”sehen und gesehen werden”.

Das Wort ’Aspekt’ stammt aus dem Lateinischen ’aspectus’, was soviel wie ”Hinsehen”, ”Blick” oder ”Gesichtspunkt” bedeutet. In Bezug auf den Ursprung der Aspektlehre trifft dieses Wort den Kern der Sache ziemlich gut. Behalten wir also seine ursprĂŒngliche Bedeutung im Auge.

Fundament der Aspektlehre – QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen

Zur ursprĂŒnglichen Aspektlehre gehört die Unterteilung der Aspekte in solche, die auf den Tierkreiszeichen beruhen, und denen welche auf Graden beruhen (zeichenbasierende/gradbasierende Aspekte). Ausgangspunkt fĂŒr die Aspektdeutung ist nach hellenistischem Modell in erster Linie die Beziehung der Planeten zueinander aufgrund der Tierkreiszeichen in denen sie sich befinden. Dabei ist es zunĂ€chst einmal gleich, in welchem Grad die Planeten stehen. Das Fundament fĂŒr die zeichenbasierenden Aspekte liegt in den QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen. Zu diesen gehören die drei ModalitĂ€ten (kardinal, fix, verĂ€nderlich), die vier Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser), sowie die Unterteilung in feminine und maskuline Zeichen.

Elemente, ModalitÀten und PolaritÀt im Tierkreis
Die QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen: Elemente, ModalitĂ€ten und PolaritĂ€t. Rot unterlegt Feuerzeichen, braun unterlegt Erdzeichen, tĂŒrkis unterlegt Luftzeichen und blau unterlegt Wasserzeichen.

Die Figuren – Symmetrie und Gleichheit im Tierkreis

Die Grundlage eines Aspektes ist eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den Tierkreiszeichen. Das bedeutet, dass Zeichen, die traditionell gesehen im Aspekt zueinander stehen. sich mindestens in einer QualitĂ€t gleich sind. Folglich ergeben sich fĂŒnf Aspekte. Drei dieser Aspekte (Sextil, Trigon, Quadrat) formen, wenn in den Tierkreis eingezeichnet, jeweils eine geometrische Figur, genauer gesagt, ein regelmĂ€ĂŸiges Polygon. In unserem Fall sind das Hexagon, Tetragon und Trigon. Die Aspekte Sextil, Trigon und Quadrat sind also jeweils eine Seite eines Polygons. Daraus ergeben sich die Winkel fĂŒr diese Aspekte. FĂŒr das Sextil sind das 60°, fĂŒr das Quadrat 90° und fĂŒr das Trigon 120°.

Plygone im Tierkreis
Astrologische Aspekte als Polygone.

Zeichen im Sextil zueinander teilen die gleiche PolaritÀt. Im Bild oben sind alle Zeichen, in die eine Spitze des Sechsecks fÀllt, feminine Zeichen (Krebs, Jungfrau, Skorpion, Steinbock, Fische, Stier). Zeichen im Quadrat zueinander teilen die gleiche ModalitÀt. So sind die Zeichen die oben im Bild im Quadrat zueinander stehen alle kardinal (Krebs, Waage, Steinbock, Widder). Zeichen im Trigon zueinander teilen sowohl PolaritÀt als auch Element. Krebs, Skorpion und Fische sind alle feminine Zeichen und gehören dem Element Wasser an.

Opposition und Konjunktion ergeben keine geometrischen Figuren. Die Opposition teilt jedoch den Tierkreis in zwei HĂ€lften und lĂ€sst die Planeten in den jeweiligen Tierkreiszeichen in GegenĂŒberstellung treten. Der Winkel fĂŒr die Opposition ist also 180°. Tierkreiszeichen in Opposition haben die gleiche PolaritĂ€t und ModalitĂ€t. So sind Krebs und Steinbock beides feminine und kardinale Zeichen. Die Konjunktion wiederum wurde ursprĂŒnglich nicht als Aspekt gezĂ€hlt. Planeten in Konjunktion wurden als ihre Eigenschaften untereinander vermischend gedeutet. Es wurde ihnen also keine fĂŒr die anderen Aspekte typische gegenseitige ”Wechselwirkung” angesehen. Hellenistische Astrologen zĂ€hlten jedoch spĂ€ter die Konjunktion zusammen mit den anderen vier Aspekten auf. Diese werden heute oft als die fĂŒnf ptolemĂ€ischen Aspekte bezeichnet, wenngleich PtolemĂ€us nicht Erfinder dieser war, sondern lediglich eine AusfĂŒhrung dieser Aspekte in seinem Werk Tetrabiblos wiedergibt. Des Weiteren spricht man auch von den Hauptaspekten oder den traditionellen/klassischen Aspekten.

Hauptaspekte
Links: Hauptaspekte als Polygone im Tierkreis vom Ausgangspunkt Krebs gesehen. Rechts: Winkel der fĂŒnf klassischen Aspekte.

Unaspektierte Zeichen – Verschiedenheit

In der Zeichnung unten sind nun vom Ausgangspunkt Krebs die klassischen Aspekte mit Pfeilen in den Tierkreis eingezeichnet. Das Zeichen Krebs steht also im Sextil zu Jungfrau und Stier, im Quadrat zu Waage und Widder, im Trigon zu Skorpion und Fische, sowie in Opposition zum Steinbock. Nach dem traditionellen Modell aspektiert also jedes Tierkreiszeichen sieben der anderen Zeichen, jeweils zwei per Sextil, Quadrat und Trigon sowie ein Zeichen in der Opposition. Verbleiben also 4 Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden. Diese sind in der Zeichnung grau unterlegt. Vom Ausgangspunkt Krebs gesehen sind das Löwe, SchĂŒtze, Wassermann und Zwillinge. Wie bereits oben erwĂ€hnt, basieren die klassischen Aspekte auf Gemeinsamkeiten. Die Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden, haben also keinerlei Gleichheit mit dem Ausgangszeichen.

Zu der Beispielzeichnung: Krebs ist ein Wasserzeichen. Keines der Zeichen Löwe, SchĂŒtze, Wassermann und Zwillinge teilt dieses Element. Löwe und SchĂŒtze sind Feuerzeichen, Wassermann und Zwillinge sind Luftzeichen. Des Weiteren ist das Zeichen Krebs kardinal. Auch hier findet sich keine Gemeinsamkeit. Löwe und Wassermann sind fixe, SchĂŒtze und Zwillinge verĂ€nderliche Zeichen. Letztlich ist der Krebs ein feminines Zeichen. Alle der vier unaspektierten Zeichen sind mĂ€nnlich.

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Aspektierte und unaspektierte Tierkreiszeichen vom Zeichen Krebs gesehen. Jedes Tierkreiszeichen aspektiert jeweils sieben der anderen Zeichen. Vier Zeichen bleiben unaspektiert.

Planeten, die vom Ausgangspunkt aus gesehen in einem unaspektierten Feld stehen, haben somit keine Gemeinsamkeit, sind fremd und dem Ausgangspunkt abgeneigt. Die Basis dieser Felder ist also die Unverbundenheit zum Ausgangszeichen. Angenommen in unserer Beispielzeichnung wĂ€re Merkur im Zeichen Krebs und Jupiter im Zeichen SchĂŒtze, dann wĂŒrde Jupiter nicht in der Lage sein, dem Merkur Beistand und UnterstĂŒtzung leisten zu können, denn Jupiter ”kann Merkur nicht sehen”. Planeten in unaspektierten Feldern stehen also nicht im Blickwinkel zum Ausgangszeichen.

Diese Sichtweise basiert neben den QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen auch auf optische Theorien der Antike. Diese besagen, dass ein Objekt entweder etwas von sich aussendet, durch was es dann vom Auge des Betrachters möglich ist gesehen zu werden (Extramission), oder dass vom Auge des Beobachters etwas ausgesendet wird, was das Objekt dann fĂŒr ihn sichtbar macht (Intramission). Weitere Theorien begrĂŒndeten sich auf eine Verbindung dieser beiden, oder stĂŒtzten sich gĂ€nzlich auf andere Sichtweisen, wie z.B. die Gemeinsamkeit oder Sympathie zwischen Beobachter und Objekt (“Gleiches sieht Gleiches”). In der Theorie der Extramission wurde angenommen, dass ein geometrischer Strahl vom Auge ausgeht, der die Dinge sichtbar macht auf die er fĂ€llt. GegenstĂ€nde, die nicht in den Bereich dieses Strahles fallen, sind unsichtbar.

Auge Strahl.jpg
Sehstrahltheorie vereinfacht dargestellt.

Chris Brennan erwĂ€hnt in seinem Buch Hellenistic Astrology – The Study of Fate and Fortune (Kapitel 9), dass Porphyrios in seiner EinfĂŒhrung zur Tetrabiblos von PtolemĂ€us erwĂ€hnt, dass die Planeten jeweils sieben Strahlen aussenden. Dies ist eine weitere BegrĂŒndung fĂŒr die sieben aspektierten, also im Blickwinkel stehenden, und die vier unaspektierten, und somit außerhalb des Blickwinkels stehenden, Zeichen. Man könnte bei den vier unaspektierten Zeichen wohl auch gut von ”toten Winkeln” sprechen. In der modernen Astrologie haben diese Winkel die Namen Semisextil (30°) und Quinkunx (150°). Die Idee der sieben Strahlen gibt weiterhin die Grundlage fĂŒr die gradbasierenden Aspekte.

Aspekte nach Grad

Basis ist hier, wie bereits oben erwĂ€hnt, die von jedem Planeten ausgesendeten sieben Strahlen, ausgehend von dem Grad in dem sich der Planet befindet, zu dem gleichen exakten Grad in den anderen sieben aspektierten Zeichen. Wenn Merkur in unserem Beispiel im 21. Grad im Zeichen Krebs stehen wĂŒrde, wĂŒrde er also den 21. Grad von den Zeichen Jungfrau, Waage, Skorpion, Steinbock, Fische, Widder und Stier genau aspektieren. Ein Aspekt zwischen zwei Planeten im selben Grad wurde in hellenistischer Zeit als ”perfekter” oder ”kompletter” Aspekt angesehen.

Merkur sieben Strahlen
Merkur und die von ihm ausgehenden sieben Strahlen.

In Anbetracht auf die Unterteilung der Aspekte in tierkreisbezogene und gradbezogene Aspekte kann also Folgendes festgestellt werden: ein Planet tritt in Beziehung zu einem anderen Planeten sobald er in ein Tierkreiszeichen eintritt, dass im Aspekt zu dem Tierkreiszeichen steht, in dem sich der andere Planet befindet. Die Beziehung der beiden Planeten wird umso intensiver, je nĂ€her sie im exakten Grad zueinander stehen. Hellenistische Astrologen benutzten fĂŒr zeichenbasierende Aspekte das Wort ”bezeugen”, fĂŒr gradbezogene Aspekte wiederum ”mustern”. Diese Wortwahl bringt die unterschiedliche IntensitĂ€t der zwei Aspektgrundlagen zum Vorschein. UrsprĂŒnglich setzt die Aspektlehre also bei den Tierkreiszeichen an und nicht erst bei den Graden.

Applikative (sich nÀhernde) und separative (sich auflösende) Aspekte

Planetenwinkel, die sich auf einen exakten Aspekt hinzubewegen, sind applikative Aspekte. Planetenwinkel, die einen exakten Aspekt schon erreicht haben und sich von diesem entfernen, heißen separative Aspekte. Der stĂ€rkste Wirkungsbereich eines Aspektes liegt in der Applikation unter 3°. Die Wortwahl fĂŒr eine Konjunktion im Gegensatz zu den anderen Aspekten unter 3° unterschied sich in der Antike. Bei einer Konjunktion sprachen die hellenistischen Astrologen von einer ”Verschmelzung”, bei den anderen Aspekten von einer ”Verbindung”. Manchmal wurde fĂŒr die Konjunktion ein zusĂ€tzlicher Spielraum von ĂŒber 3°, jedoch unter 15° eingerĂ€umt. In diesem Fall sprach man von ”Zusammenkunft”. Der Mond nahm eine Sonderstellung ein. Ihm sprach man 13° fĂŒr alle Aspekte zu.

Hier soll noch kurz der Begriff ‘Void-of-course-Mond‘ oder ‘Mond im Leerlauf’ erwĂ€hnt werden. Nach traditioneller Ansicht handelt es sich dabei um einen Mond, der keinen exakten Hauptaspekt zu den klassischen Planeten innerhalb der nĂ€chsten dreißig Grad macht, sich sozusagen im ”Leerlauf” befindet. Zeichengrenzen spielen dabei traditionell keine Rolle. Diese Begebenheit ist Ă€ußert selten.

Charaktere der Aspekte

Sextil und Trigon werden als positive oder “leichte” Aspekte angesehen, wobei das Trigon in seiner Wirkung als stĂ€rker bewertet wird. Nach hellenistischer Tradition wirken Planeten im Sextil und Trigon, vor allem die WohltĂ€ter Venus und Jupiter, Ă€ußerst positiv, wogegen die ÜbeltĂ€ter Mars und Saturn nicht in der Lage sind durch Sextil oder Trigon negativ auf andere Planeten zu wirken. Opposition und Quadrat sieht man im Allgemeinen als herausfordernd oder negativ an. Die Opposition wird oft als zwiespĂ€ltig oder kontrovers eingestuft. Mit Mars und Saturn ist sie schwierig oder gar ”schĂ€digend”, in Verbindung mit Venus und Jupiter sind deren wohltuende Eigenschaften gehemmt. Das Quadrat wird in seiner Wirkung als hart oder schroff angesehen. ÜbeltĂ€ter sind besonders schwierig in diesem Aspekt, wobei die WohltĂ€ter entweder problematisch wirken oder aber unter bestimmten UmstĂ€nden durchaus sehr positiv wirken können. Das Quadrat und die Opposition sind die Aspekte mit der stĂ€rksten Wirkung. Die Konjunktion wird generell als neutral eingestuft. Sie nimmt jedoch positiven Charakter an, wenn WohltĂ€ter involviert sind und wirkt negativ, wenn ÜbeltĂ€ter in Verbindung mit ihr stehen.

Herleitung der Eigenschaften der Aspekte

Die Charaktere der Aspekte ist teils von den Beziehungen der Planeten in ihren Domizilen zu den beiden Lichtern Sonne und Mond abgeleitet. Grundlage ist hier das Thema Mundi, die hypothetische Geburtskarte der Welt. Ausgangspunkt sind also der Mond im Krebs und die Sonne im Löwen. Die anderen Himmelskörper werden den Tierkreiszeichen wie folgt zugeordnet: Merkur den Zwillingen und der Jungfrau, Venus dem Stier und der Waage, Mars dem Widder und Skorpion, Jupiter den Fischen und dem SchĂŒtzen, Saturn dem Wassermann und dem Steinbock. Dies sind also die traditionellen Herrscher der Tierkreiszeichen. Nun werden Verbindungen von den beiden Lichtern aus zu den Planeten in ihren Domizilen gezeichnet. Daraus ergibt sich auf beiden Seiten der Lichter jeweils ein Sextil zur Venus, ein Quadrat zum Mars, ein Trigon zum Jupiter und eine Opposition zum Saturn. Auf dieser Grundlage basiert die Assoziation des Sextils und des Trigons mit PositivitĂ€t, da sie in diesem Schema durch die WohltĂ€ter Venus und Jupiter gekennzeichnet sind. Mars und Saturn hingegen geben die Assoziation mit Herausforderung an, da sie in Verbindung mit dem Quadrat und der Opposition stehen.

zodiak-domizile-aspekte-blog.jpg
Herleitung der Eigenschaften der Aspekte nach den Domizilen der Planeten und ihren Beziehungen zu Sonne und Mond, aufbauend auf das Thema Mundi.

Rechte und linke Aspekte

Eine weiterhin wichtige Unterscheidung in der QualitĂ€t der Aspekte liegt in der Lage dieser, ausgehend vom aspektierten Planeten. Aspekte, die ”rechter Hand” eines Planeten liegen, sind jene welche von ihm aus gesehen frĂŒher in Tierkreisrichtung liegen. Aspekte, ”linker Hand”, sind spĂ€ter im Tierkreis gelegen. Dies kann man sich ganz einfach visualisieren, in dem man sich die Planeten mit dem ”Kopf” zur Tierkreismitte und die ”FĂŒĂŸe” zum Rand gerichtet denkt. Wenn man sich nun vorstellt, dass die Planeten mit zur Seite ausgestreckten Armen im Horoskop liegen, lĂ€sst sich einfach die Richtung der Aspekte an diesen ablesen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung der Aspektrichtung wĂ€re, sich vorzustellen, selbst in der Mitte des Tierkreises zu stehen mit Blick auf den jeweils in Frage kommenden Planeten. Alle Planeten, die sich nun auf der rechten Seite von einem selbst gesehen befinden, sind im rechten Aspekt zu diesem Planeten. Alle Planeten, die links von einem selbst liegen, sind links im Aspekt zum Planeten in der Ausgangsposition. Dies wĂŒrde also die Wahrnehmung auf die Planeten und deren Aspekte untereinander von der Erde aus gesehen wiedergeben. Dies ist wohl die ursprĂŒngliche Methode zur Bestimmung der Aspektrichtung. In der Beispielzeichnung unten steht Mars rechts im Quadrat zu Merkur. Merkur befindet sich also “linker Hand” im Quadrat zu Mars. Ein Betrachter in Tierkreismitte wĂŒrde ebenfalls Merkur als links gelegen von Mars wahrnehmen.

Merkurius Mars Mond
Mars im rechten Aspekt (“rechter Hand”) zu Merkur. Merkur im linken Aspekt (“linker Hand”) zu Mars. Mond im im linken Aspekt zu Merkur und Merkur im rechten Aspekt zu Mond. Mars und Mond formen traditionell keinen Aspekt, da Mars vom Mond gesehen im 6. Feld und Mond vom Mars gesehen im 8. Feld steht. Sie können sich also nicht “sehen”, da die Zeichen in denen sie stehen, Jungfrau und Wassermann, keinerlei Gemeinsamkeit haben.

Bedeutung der Aspektrichtung

Ein rechter Aspekt hat dominierenden Charakter. BegrĂŒndung hierfĂŒr ist die Tatsache, dass sich der Planet in frĂŒheren Zeichen auf den in spĂ€teren Zeichen zubewegt, ihn also vor Augen hat und ihm “auf der Spur ist”. In der Beispielzeichnung hat Mars sozusagen die ”Oberhand” ĂŒber Merkur. Die Beziehung zwischen diesen beiden wird also von Mars bestimmt. Merkur hat sich dem Mars zu fĂŒgen. Im Allgemeinen hat ein Aspekt positiveren Charakter, wenn der Planet in der dominanten Position ein WohltĂ€ter ist. Ein ÜbeltĂ€ter mit der Oberhand wirkt eher herausfordernd.

Mars im Zehnten von Merkur
Mars ist im rechten Quadrat zu Merkur und daher in der dominierenden Rolle. Merkur hat sich dem Mars zu fĂŒgen. Mars ist gleichzeitig “Im Zehnten” von Merkur. Ein Planet im zehnten Zeichen vom Ausgangsplanet (in Tierkreiszeichenfolge) wird als Ă€ußerst dominierend angesehen. Dieser Aspekt ist als stĂ€rkster unter allen angesehen.

Die Interpretation der Aspektrichtungen gilt fĂŒr das Sextil, das Quadrat und das Trigon. Opposition und Konjunktion haben logischerweise keine ”Richtungen” und erhalten daher keine zusĂ€tzliche Interpretation durch diese. Der Aspekt mit der stĂ€rksten Wirkung ist das Quadrat rechter Hand, fĂŒr das in hellenistischer Zeit ein eigener Begriff geschaffen wurde – ”Im Zehnten” (engl. ”Upon the Tenth”, griech. epidekateia). Dies bedeutet, dass der Planet im zehnten Feld vom Tierkreiszeichen des Ausgangsplaneten gesehen, in der dominanten Position ist. Es ist also dasselbe wie das Quadrat rechter Seits. In der Beispielzeichnung oben ist Mars also ”Im Zehnten” von Merkur, und somit in der herrschenden Rolle. Die Bestimmung des Zehnten basiert immer auf den Tierkreiszeichen in denen sich die Planeten befinden.

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Schlussbemerkung: Dies war eine Darstellung der Grundprinzipien der Aspektlehre, so wie sie in ihren UrsprĂŒngen in Gebrauch war. Weitere auf diese Grundlagen aufbauende Methoden sind durchaus bekannt. Obwohl die Aspektlehre traditionell auf “nur” fĂŒnf Aspekten beruht, ist sie doch sehr umfangreich. Dabei ist zu beachten, dass einige Betrachtungen ĂŒber die Jahrhunderte einst verloren gegangen waren, wie zum Beispiel die grundsĂ€tzliche Interpretation der Aspekte nach Zeichen. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch immer mehr Material der Astrologen aus antiker Zeit durchgearbeitet, Übersetzungen erstellt und die ursprĂŒnglichen Lehren der Astrologie wieder neuentdeckt. Ich denke, dass u.a. das Vertiefen in die Wurzeln der Aspektlehre ein fruchtbares Fundament fĂŒr eine astrologische Analyse schafft. Nicht zuletzt wird durch diese auch der Umgang mit Nebenaspekten mehr Einsicht und Tiefe erhalten.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris: The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Brennan, Chris. Void of Course Moon: Three Different Definitions. 27.9.2017. https://www.youtube.com/watch?v=7qMV_JcrsQ0. Gesehen 15.10.2018.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Erik van Slooten. Traditionelle Horoskopdeutung. Ein Lehrgang zum Selbststudium. Chiron Verlag, 2014.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Zu meinem Artikel ĂŒber die Geschichte der Astrologie geht es hier.

Über die Bedeutungen der Planeten in der traditionellen Astrologie, kannst du hier lesen.

Titelbild: Pixabay

Grundskizze ‘Tierkreis’ fĂŒr Grafiken: File:Thema Mundi.svg by Meredith Garstin derivative work Achillu, Zodiac wheel, CC BY-SA 3.0

Grafiken: Autorin

Aktualisiert: 22.1.2019

Ein Jahr im Wandel des Mondes

Wie wĂ€re es, wenn du in einem Jahr alle Bereiche deines Lebens aufpolieren könntest? Wie wĂŒrde sich ein Bewusstmachen deiner Talente, individuellen Eigenschaften und WĂŒnsche auf deinen Alltag auswirken? Im folgenden Text stelle ich dir ein inspirierendes und durchaus praktisches Werkzeug der Selbstreflexion und bewussten Lebensgestaltung vor.

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Vor einem Jahr geriet mir das Buch ‘Moonology: Working with the Magic of Lunar Cycles’ der Britin Yasmin Boland in die HĂ€nde. Grundlage der in diesem Buch beschriebenen Methode ist die Kombination der Mondphasen mit den Lebensbereichen wie sie in der Astrologie bekannt sind und individuell in deinem Geburtshoroskop vorkommen. Hauptgedanke ist, dass jeden Monat mit der Geburt des Neumondes ein Bereich in deinem Leben besonders in Erscheinung tritt und dadurch das Arbeiten an Themen, die mit diesem Bereich assoziiert werden, sehr gĂŒnstig ist. FĂŒr den Start mit dieser Methode brauchst du drei Dinge: 1. deinen Aszendenten, 2. einen Kreis mit zwölf Feldern und den Tierkreiszeichen, und 3. die Information, in welches Tierkreiszeichen der Neumond fĂ€llt.

Kurz zur ErklĂ€rung – was ist ein Aszendent? Mit Aszendent ist das Tierkreiszeichen gemeint, das im Moment der Geburt am östlichen Horizont aufgeht. Der Aszendent (lat. fĂŒr ‘aufsteigend’) markiert also im Horoskop den Schnittpunkt zwischen Osthorizont und der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik). Er wird mit dem genauen Grad und der Minute des Tierkreiszeichens in das er fĂ€llt, angegeben. Dieser Punkt befindet sich in einer horoskopischen Zeichnung immer auf der linken Seite ungefĂ€hr mittig der Grafik. Ihm gegenĂŒber liegt der Deszendent (lat. fĂŒr ‘absteigend’). Aszendent und Deszendent geben im Horoskop die Horizontlinie an.

Nun kannst du dir natĂŒrlich dein komplettes Horoskop online berechnen und ausdrucken lassen und mit diesem arbeiten. FĂŒr unsere Zwecke allerdings reicht es, wenn du weisst in welches Zeichen dein Aszendent fĂ€llt. Die anderen Punkte und Planetenstellungen in deinem Horoskop sind also nicht von vorrangiger Bedeutung in dieser Methode; wenngleich diese natĂŒrlich Aufschluss ĂŒber die einzelnen Bereiche im Besonderen geben und Fundament einer astrologischen Analyse sind. Das jedoch ist nicht Zweck dieser Methode, da es hier in erster Linie um die Visualisierung der einzelnen Lebensbereiche gehen soll. Es wird also fĂŒr den, der mit Astrologie weinger vertraut ist unkomplizierter sein, sich den Punkt des Aszendenten in eine blanko Tierkreiszeichengrafik zu markieren und diese zu verwenden. Zur Berechnung deines Aszendenten hier zwei Internetseiten, wo dies schnell und einfach möglich ist. FĂŒr die Kalkulation brauchst du Tag, Ort und die möglichst genaue Uhrzeit deiner Geburt.

Nun kommt der Kreis mit den zwölf Feldern und Tierkreiszeichen zum Einsatz. Eine Vorlage zum Ausdrucken in PDF-Format stelle ich dir hier zur VerfĂŒgung: Vorlage Tierkreis. Den Aszendenten markierst du nun im entsprechenden Feld des Tierkreiszeichens. Die gebrĂ€uchlichen AbkĂŒrzungen sind ASZ und AS. Aus dem Englischen ‘Ascendant’, sind ebenfalls in Gebrauch ASC und AC.

Vorlage Tierkreis
Vorlage Tierkreis. © Copyright Living in Cycles.

Nun zur Markierung der Felder. In der Astrologie werden die Lebensbereiche in zwölf Abschnitte eingeteilt. Diese werden auch HĂ€user oder Orte genannt. Jedes Haus wird mit unterschiedlichen Lebensinhalten, Personen und Lebensphasen assoziiert. Das dritte Haus steht z.B. fĂŒr Geschwister, Kommunikation und Lernen; das zehnte Haus fĂŒr die Karriere und unseren Platz bzw. unsere Aufgabe in der Gesellschaft. Nun gibt es verschiedene Verfahren die HĂ€user in einem Horoskop zu berechnen. FĂŒr unsere Zwecke ist jedoch ausschliesslich das ‘GanzzeichenhĂ€usersystem’ zu wĂ€hlen. Dies ist zugleich auch das simpelste und bedarf keiner eigentlichen mathematischen Berechnung, denn ein Haus ist gleich ein Tierkreiszeichen. Angefangen wird mit dem Aszendenten. Das Zeichen in das der Aszendent fĂ€llt, ist im GanzzeichenhĂ€usersystem gleichzeitig das gesamte erste Haus, es gilt also Tierkreiszeichen = Haus.

Du legst also den Kreis mit dem Zeichen deines Aszendenten links plaziert vor dich hin. Das erste Haus ist genau dieses Feld in dem der Aszendent liegt. Die Gradzahl des Aszendenten spielt in dieser Methode keine ausschlaggebende Rolle. Somit reicht es also, nur den Aszendenten in das entsprechende Feld des Tierkreiszeichen einzutragen. Nun setzt du die Markierung entgegen dem Uhrzeigersinn fort. Das Feld unterhalb des ersten Hauses ist also das zweite Haus, das Haus neben diesem das dritte usw.

Hier ein Beispiel: Bei einer Geburt am 5.5.1955 um 5:55 Uhr in FĂŒnfhaus, Wien, liegt der Aszendent im Zeichen Zwillinge. Die HĂ€userverteilung zu den Tierkreiszeichen ist in der untenstehenden Grafik angezeigt.

Beispiel ASZ Zwillinge
Beispiel Verteilung GanzzeichenhÀuser bei Aszendent Zwillinge. © Copyright Living in Cycles.

Kommen wir zur Bedeutung der einzelnen Felder. In der Grafik A sind die Signifikationen der astrologischen HĂ€user kurz und knapp dargestellt, so wie sie auch im Buch von Yasmin Boland vorkommen. Weitere Informationen ĂŒber die Bedeutungen der HĂ€user finden sich reichlich sowohl in der gedruckten Literatur als auch online.

Bedeutung HĂ€user
Grafik A: Bedeutungen der astrologischen Felder. © Copyright Living in Cycles.

Damit zur Anwendung der Methode. Du weisst also nun, welcher Lebensbereich (welches Haus) in welchem Zeichen zur Zeit deiner Geburt stand. Jetzt geht es daran, ausfindig zu machen welcher Bereich deines Lebens als nĂ€chstes aktuell wird. Dazu musst du wissen, in welchem Tierkreiszeichen sich der kommende Neumond befinden wird. DafĂŒr schaust du entweder in deinem Kalender nach (falls dieser die Mondphasen mit den Tierkreiszeichen anzeigt), oder du siehst dir die Information in einem speziellen Mondkalender ab. Diese werden auch online angeboten. Zu beachten ist, dass der Tag und die Uhrzeit des Neumondes vom Standpunkt des Betrachters abhĂ€ngig ist. Einen passenden Mondkalender fĂŒr 2018 in mitteleuropĂ€ischer Zeitzone (MEZ) findest du z.B. auf der Webseite von Norbert Giesow unter folgendem Link: http://www.giesow.de/mondkalender-2018. Der Neumond wird ĂŒbrigens gewöhnlich durch einen schwarz ausgefĂŒllten Kreis markiert.

Wieder zu unserem Beispiel: Der Neumond im Juli 2018 fĂ€llt in das Zeichen Krebs. In der Karte unserer Beispielperson, die ja den Aszendenten, und somit das erste Haus, im Zeichen Zwillinge hat, fĂ€llt dieser Mond also in das zweite Haus. Dies bedeutet, dass in der Zeit ab dem Neumond im Juli bis zum nĂ€chsten Neumond im August, die Resourcen und der materielle Besitz (auch der Körper mit seinen Sinnen) in besondere Erscheinung tritt. Vielleicht wird sich unsere Person in diesem Monat der Erstellung eines dringend nötigen Finanzplans widmen, oder sie trennt sich von schon lĂ€ngst ausgedienten Kleidern und Hausrat. Möglicherweise fĂ€llt ihr auf, dass sie sich schon lange keine Auszeit mehr gegönnt hat und entscheidet sich, ein paar Tage frei zu nehmen und diese fern von alltĂ€glichen Verpflichtungen im Schoss der Natur zu verbringen. Unsere Beispielperson hat also mit dem Neumond im Juni 2018 einen neuen 12-Monate-Zyklus angefangen. Dieser wird im Mai 2019 mit dem Neumond im Stier, welcher bei besagtem Beispiel in das 12. Haus fĂ€llt, zu seinem Ende kommen. Das wĂ€re dann die gegebene Zeit um sich ein StĂŒck zurĂŒckzuziehen und ResĂŒmee ĂŒber das vergangene Jahr zu ziehen.

Zum Inhalt des Buches: In ‘Moonology’ gibt Yasmin Boland RatschlĂ€ge und Anleitungen fĂŒr Meditationen und die Anwendung Ă€therischer Öle, die zu den jeweiligen Themen passen. Desweiteren finden sich in ihrem Buch u.a. Angaben zur numerologischen Symbolik der Monate und Chakrenzugehörigkeit. Das Buch ist in seiner Herangehensweise praktisch, jedoch meditativ ausgerichtet und zu mehr Bewusstsein und Selbstbestimmung anregend. Es finden sich Informationen sowohl zum Neumond als auch Vollmond in jedem Haus und in jedem Zeichen. Im letzten Teil des Buches gibt die Autorin RatschlĂ€ge fĂŒr das Arbeiten mit dem Mond auf tĂ€glicher Basis, auch hier sowohl fĂŒr jedes Zeichen als auch Haus.

Was diese Methode ist: Sie kann dir eine gute Hilfe zur Visualisierung der verschiednen Lebensbereiche sein. In einem Jahr haben alle Bereiche deines Lebens besondere Aufmerksamkeit bekommen und du hast dich intensiv mit deiner Alltagsgestaltung und deinen Lebenszielen auseinandergesetzt. Wenn du das GefĂŒhl hast, dass sich etwas in deinem Leben Ă€ndern mĂŒsse oder dein Alltag drist wirkt, du aber nicht weisst, wo und wie du mit VerĂ€nderung beginnen sollst, kann dir diese Methode neue Einsicht und Inspiration geben.

Was diese Methode nicht ist: Diese Methode gibt keine Prognosen ĂŒber die QualitĂ€t der Zeit oder Geschehnisse in deinem Leben. Sie ist lediglich ein Werzeug, mit dem du dir die verschiedenen Bereiche deines Lebens bewusst machen kannst. Wie du jeden einzelnen Lebensbereich gestaltest, hĂ€ngt ganz von dir ab. Die Tipps und Aregungen im Buch ‘Moonology’ dienen dabei als Hilfestellung, sind aber nicht Vorraussetzung fĂŒr ein gelungenes “Jahr im Wandel des Mondes”.

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Schlussbemerkungen: An dieser Methode wird deutlich, dass jeder Mensch seinen individuellen Lebenszyklus lebt. Nicht alle Bereiche des Lebens sind immer gleich stark aktiv. Ein Wissen um die sensitiven Phasen in Bezug auf die verschiedenen Lebensbereiche kann helfen, die anstehende Zeit optimal zu nutzen. Die hier beschriebene Methode geht jedoch nicht nĂ€her auf die weiteren Konstellationen des Geburtshoroskopes ein. Wer diese aus eigenem Können oder durch die Hilfe eines Astrologen in das Arbeiten mit dem Mond einbezieht, wird natĂŒrlich zusĂ€tzliche Einsichten in sein Leben erhalten und umfangreicheren Nutzen ziehen.

Weitere Methoden, die individuellen Phasen seines Lebens zu erkennen, sind durchaus bekannt. Unter ihnen zum Beispiel die aus der traditionellen Astrologie stammenden ‘JĂ€hrlichen Profektionen’, die das Thema fĂŒr ein ganzes Jahr, basierend auf dem individuellen Geburtshoroskop, wiederspiegeln. Dazu aber in einem anderen Artikel.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Boland, Yasmin. Moonology: Working with the Magic of Lunar Cycles. London: Hay House Uk Ltd, 2016.

Webseite von Yasmin Boland: https://www.moonology.com/.

Kostenfreie Horoskopzeichnungen und Informationen zur Astrologie findest du hier: Astrodienst https://www.astro.com/horoskop. Astroseek https://www.astro-seek.com/.

Umfangreiche Informationen zu Zeitzonen, Mondphasen, Sichtbarkeit der Planeten u.v.m. findest du hier (in Englisch): https://www.timeanddate.com/.

Titelbild: Autorin

 

Letzte Bearbeitung: 29.12.2018

Die Geschichte der Astrologie

Der nachstehende Text schildert die Entstehung und Entwicklung der Astrologie von ihren frĂŒhen AnfĂ€ngen bis in die heutige Zeit.

Wo liegen die AnfÀnge der Astrologie?

Man könnte meinen, die Astrologie sei so alt wie der Himmel und die Erschaffung des Menschen. Sicherlich ist der Wandel des Mondes in seinen Phasen ein PhĂ€nomen, dem der Mensch von Urzeiten her seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Die Gezeiten – Ebbe und Flut – sind ein Beispiel an dem die Wirkung des Mondes sichtbar deutlich wird. Desweiteren lĂ€sst sich auch einen Einfluss auf die Pflanzenwelt erkennen, und vor noch nicht allzu langer Zeit war das Beobachten der Mondphasen fester Bestandteil bei der Planung der Gartenarbeit. Obwohl dieses Wissen fast in Vergessenheit geraten wĂ€re, ist seit ein paar Jahren eine Wiederentdeckung dieser alten Weisheiten zu erkennen. Doch die Deutung des Mondstandes allein ist noch keine Astrologie. Was meint man also mit Astrologie?

Wenn wir heute von Astrologie sprechen, dann meinen wir ein vierteiliges System, welches die Planeten (1), die Zeichen des Tierkreises (2), das Konzept der Aspekte (3) und die zwölf HĂ€user (4) beinhaltet. Die Erscheinung dieses Systems in seiner vollen Form ist erstmals in das erste Jahrhundert vor Christus und in das Gebiet des Römischen Reiches zurĂŒckzufĂŒhren. Doch bis es zur Synthese dieses vierteiligen Systems kam, war es ein langer Weg der sich ĂŒber LĂ€nder-, Sprach- und Kulturgrenzen zog.

Mesopotamien

Der Ursprung der westlichen Astrologie kann bis ins Jahr 2000 v. Chr. nach Mesopotamien (heutiges Irak) zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Zu dieser Zeit begann man Aufzeichnungen ĂŒber Parallelen zwischen irdischen und himmlischen Ereignissen zu machen. Diese Aufzeichnungen wurden in Keilschrift auf Tontafeln in Form von Omen verfasst und betrafen in grossem Maße Mondfinsternisse. Die Ausdrucksform folgte der Formel “wenn x, dann y”. Ein hypothetisches Omen hĂ€tte also lauten können: “Wenn es eine Finsternis gibt, dann wird der König sterben.” Die Astrologen dieser Zeit hielten diese Omen eher fĂŒr Zeichen der Götter, als Schlussfolgerungen von direkten Verbindungen zwischen Himmelskörpern und irdischen Begebenheiten. FĂŒr sie waren die Sterne mehr eine Art “göttliche Handschrift“, eine Art Sprache, durch die die Götter mit der Menschheit kommunizierten. SpĂ€ter entstanden Omensammlungen. Die kekannteste unter ihnen ist die Enuma Anu Enlil.

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Tontafeln mit Omen in Keilschrift ĂŒber Finsternisse, Assyrien. Quelle: Ancient Origins: Reconstructing the Story of Humanity’s Past.

Astronomie und Astrologie gehörten zu dieser Zeit fest zusammen. Astrologen beobachteten die Sterne und interpretierten sie auch. Sie waren meist Gelehrte, die oft im Dienste der Könige standen. SpĂ€ter im 8. Jh. v. Chr. begann man in Mesopotamien genaue Aufzeichnungen der tĂ€glichen Planetenpositionen zu machen. Bei Anbruch des 5. Jh. v. Chr. war der Tierkreis in zwölf gleich große Teile zu je 30° eingeteilt. Zu dieser Zeit kam auch die Geburtsastrologie auf. Bis dahin hatte sich die Astrologie auf die Belange von einzelnen Staaten und deren Interaktionen bezogen. Nach dem fĂŒnften Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Astrologie weiter und man entdeckt neue Techniken. So begann man z.Bsp. zwischen “WohltĂ€tern” (benefics) und “ÜbeltĂ€tern” (malefics) zu unterscheiden. Desweiteren teilte man nun die zwölf Zeichen des Tierkreises in vier Gruppen von jeweils drei Zeichen ein.

Ägypten

In Ägypten wiederum war ein Kalender von zwölf Monaten in Gebrauch der dreißig Tage fĂŒr jeden Monat vorsah, sowie fĂŒnf zusĂ€tzliche Tage die am Ende des Jahres angehangen wurden. Jeder Monat war in Drittel eingeteilt und jede Phase von zehn Tagen stand mit einem bestimmten Fixstern (oder BĂŒndel von Fixsternen) in Verbindung. Diese Gruppierungen von Fixsternen wurden spĂ€ter als “Dekane” (griech. deka = zehn) bezeichnet. Insgesammt gab es 36 Dekane von denen jeder einen eigenen Namen trug und mit einer bestimmten Gottheit assoziiert wurde. Ein mystischer Text, die sog. Salmeschiniaka, beinhaltet wichtige Information ĂŒber die Anwendung von Dekanen und die Art der AusĂŒbung von Astrologie in Ägypten. Bildliche Darstellungen von Dekanen fand man zuerst an Deckeln von SĂ€rgen, die in die Zeit um 2100 v. Chr. zurĂŒckzufĂŒhren sind.

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Tierkreis von Dendera, Ägyptischer Tempel ca. 1. Jh. v. Chr. Quelle: Pinterest, Urheber unbekannt.

Die Ägypter interessierten sich vor allem fĂŒr den Lauf der Fixsterne in Verbindung mit den Dekanen. Dieser Fokus am tĂ€glichen Aufsteigen, Kulminieren und Untergehen der Fixsterne wird als Hinweis gesehen, daß der Gebrauch der Dekane bei den Ägyptern als VorlĂ€ufer der spĂ€teren hellenistischen Lehre der zwölf “Orte” (“HĂ€user” in der mod. Astrologie) diente.

Synthese und Weiterentwicklung

Im Verlaufe der Zeit wurden Teile der mesopotamischen Astrologie nach Ägypten ĂŒberliefert. Um 500 v. Chr. zum Beispiel wurde ein Text mit Omen aus Mesopotamien in die Ă€gyptische Sprache ĂŒbersetzt und um das 3. Jh. v. Chr. war der Tierkreis mit den zwölf Zeichen nach Ägypten ĂŒberliefert. Die Ägypter nutzen nun Tierkreis und Dekane Seite an Seite.

Geschichtlich von vielfacher Bedeutung ist der Beginn der hellenistischen Epoche, der mit dem Tode König Alexander des Großen von Makedonien im Jahre 323 v. Chr. angegeben wird. Die Zeitspanne des hellenistischen Zeitalters verlĂ€uft sich ĂŒber ca. dreihundert Jahre und endete mit dem Tode Kleopatras VII und des Anschlusses von Ägypten an Rom im Jahre 30 v. Christus.

WĂ€hrend der hellenistischen Epoche fand eine Verbreitung griechischer Kultur, Philosophie und Wissenschaft statt. Desweiteren ist eine Mischung der griechischen mit anderen Kulturen zu verzeichnen. Griechisch wurde die Hauptsprache der damaligen Welt. Eine der bedeutensten Errungenschaften in hellenistischer Zeit ist die GrĂŒndung der Stadt Alexandria in Ägypten von Alexander dem Großen. Alexandria war wichtige Kultur- und Handelsstadt deren Bevölkerung aus hauptsĂ€chlich Griechen, Ägyptern und Juden bestand. Die Bibliothek Alexandrias wuchs zur grĂ¶ĂŸten und bedeutensten der antiken Welt. FĂŒr die Entwicklung und das AusĂŒben der Astrologie wurde gerade Alexandria die Hauptmetropole.

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Karte von Alexandria gegen Ende der Regierung Kleopatras. Quelle: Igor Merit Santos, Alexandria Map teste, CC BY-SA 4.0.

Es sind Schriften bekannt, die in die Zeit der hellenistischen Epoche fallen, in denen erstmals eine Synthese von Ă€lteren astrologischen Überlieferungen aus Mesopotamien und Ägypten vorzufinden sind. Desweiteren finden sich eine Vielzahl neuer Techniken in diesen Aufzeichnungen. Es ist gerade wĂ€hrend dieser Zeit, daß das vierteilige System von Planeten, Tierkreiszeichen, Aspekten und HĂ€usern in seiner vollen Form eingefĂŒhrt wurde. Dieses System ist heute unter der Bezeichnung der Hellenistischen bzw. traditionellen/klassischen Astrologie bekannt.

Hin und wieder trifft man auf die Bezeichnung “Griechische Astrologie”. Dies ist auf Grund der vielen uns ĂŒberlieferten Schriften aus dieser Zeit in griechischer Sprache nachvollziebar, jedoch nicht ganz korrekt, da diese Bezeichnung die vielfĂ€ltigen kulturellen HindergrĂŒnde der Astrologen die an der Entwicklung der Astrologie zu dieser Zeit aktiv beteiligt waren, außer Acht lĂ€ĂŸt. Chris Brennan (2017) schreibt ĂŒber die Kennzeichnung der Hellenistischen Astrologie wie folgt: “…eine Tradition griechisch-römischer horoskopischer Astrologie, die im Mittelmeerraum vom 1. Jh. vor bis 7. Jh. n. Chr. ausgeĂŒbt wurde.”

Einige der wichtigsten uns ĂŒberlieferten Texte zur Astrologie in hellenistischer Zeit sind von folgenden Autoren, bzw. unter folgenden Pseudepigraphien erschienen: Hermes Trismegistos, Asklepios, Nechepso und Petosiris, Thrasyllos, Antiochos von Athen, Dorotheus von Sidon, Claudius PtolemĂ€us. Besonders zu erwĂ€hnen ist hier Vettius Valens, der eine neunbĂ€ndige EinfĂŒhrung in die Astrologie der Hellenistischen Tradition verfasste, welche unter dem Namen Anthologie bekannt ist.

Hellenistische Astrologie – BlĂŒtezeit und Höhepunkt

Der Zeitraum in der hellenistische Astrologie praktiziert wurde, wird von 1. Jh. v. Chr. bis in das 7. Jh. n. Chr. angegeben. Der Gipfel des Römischen Reiches ist gleichzeitig auch der Höhepunkt der Hellenistischen Astrologie. Ihr Hauptfokus lag in der Geburtsastrologie. Die uns ĂŒberlieferten Horoskope dieser Zeit sind auf Papyrus geschrieben und beinhalten Listen von Planetenpositionen, jedoch keine genauen Interpretationen derer. Ein typisch hellenistisches Horoskop listete das Datum, die Stunde der Geburt, die Zeichen in denen die Planeten standen, sowie die Plazierung des Aszendenten und geg. den GlĂŒckspunkt auf. Das Fehlen schriftlicher Schilderungen in diesen Horoskopen lĂ€sst auf eine hauptsĂ€chlich mĂŒndliche Auslegung schließen.

Die Auflistung der Planetenpositionen war die Grundvoraussetzung fĂŒr eine astrologische Konsultation. FĂŒr diese wurden Tafeln (pinax) aus Holz (Elfenbein, oder sogar Gold) genutzt, in welche der Tierkreis mit seinen zwölf Zeichen sowie manchmal zusĂ€tzlich die Dekane oder andere Unterteilungen des Tierkreises eingraviert waren. Steine dienten als Symbole fĂŒr die Planeten mit denen ihre Plazierungen, die in den Listen des schriftlichen Horoskopes abzulesen waren, visuell dargestellt wurden. Es finden sich auch Hinweise auf die Nutzung von Sand, in den der Tierkreis gezeichnet wurde. Anhand dieser visuellen Darstellung fand dann die eigentliche Interpretation durch den Astrologen statt.

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Teile einer astrologischen Tafel mit dem Tierkreiszeichen Krebs, entdeckt bei Ausgrabungen in Kroatien, veröffentlicht Ende 2011 von Staso Forenbaher und Alexander Jones. Quelle: ISAW, New York University.

Da Hellenistische Astrologie den Aszendenten und die von ihm abgeleiteten HĂ€user erstmals mit einbezieht, ist sie gleichfalls die erste Überlieferung der sog. horoskopischen Astrologie (Aszendent und erstes Haus = griech. horoskopos “Stundenschauer”). Das AusĂŒben dieser Astrologie fand ĂŒber mehrere Jahrhunderte in der Mittelmeerregion statt und geht weitgehend mit dem Auf- und Untergang des Römischen Reiches einher. Viele Elemente der hellenistischen Astrologie blieben jedoch noch bis in die SpĂ€tantike und in das zeitige Mittelalter in Gebrauch.

Niedergang

Der Zerfall des Römischen Reiches und die damit verbundenen intellektuellen, sozialen und religiösen VerĂ€nderungen durch das Aufkommen des Christentums, hatten ihre Auswirkungen auch auf das Praktizieren der Astrologie. Obwohl im Neuen Testament die Astrologie u.a. durch die ErzĂ€hlung der drei Weisen aus dem Morgenland (griech. Ausgangstext ΜάγοÎč, Magoi, wörtlich „Magier“), die den Stern von Bethlehem als Zeichen der Geburt Jesus interpretieren zu wussten, aufzufinden ist, stellte sich das Christentum hauptsĂ€chlich feindlich gegenĂŒber der Astrologie. Reibepunkt war die Ansicht der Astrologen, daß das Leben der Menschen in gewissem Grade vorbestimmt sei. Christliche Denker assoziierten daraufhin Fatalismus mit der Astrologie und es entstanden vielerlei schriftliche Angriffe gegen die Astrologie und ihre Vertreter. SchĂ€rfere Erlasse folgten in den Jahren 357, 409 und 425 n. Chr., welche Astrologen aufforderten ihre BĂŒcher zu verbrennen oder sich mit dem Exil abzufinden. SpĂ€ter verbannte man die Astrologie und ihre Gelehrten gĂ€nzlich.

Die Trennung des Römischen Reiches in West- und Ostreich hatte ebenfalls ihre Auswirkungen auf den RĂŒckgang der Astrologie. Das Weströmische Reich erlebte einen steilen Zerfall. Die Stadt Rom wurde im Jahre 410 von germanischen Westgoten geplĂŒndert und im Jahre 476 wurde der letzte weströmische Kaiser, Romulus Augustus, entthront. Dies war der Auftakt des Mittelalters in Europa.

Das Oströmische Reich (o.a. Byzantinisches Reich) hingegen blĂŒhte und gedeihte weiterhin. Es hatte die Kontrolle ĂŒber Ägypten bis zum frĂŒhen siebten Jh. n. Chr. inne. Dies ist bedeutend, da Ägypten das Hauptaugenmerk der Hellenistischen Astrologie von ihrem Beginn an war. Dies verhinderte zwar das gĂ€nzliche Verschwinden der Astrologie, nicht aber ihre VerdrĂ€ngung. Im Jahre 642 n. Chr. eroberte das schnell wachsende Islamische Imperium Alexandria und gewann so die Herrschaft ĂŒber Ägypten. Dies war zugleich das Ende von siebenhundert Jahren römischer Macht ĂŒber Ägypten. Von nun an hatte eine neue Kultur, Religion und Sprache die Kontrolle ĂŒber das Land welches einst das Heimatland der Hellenistischen Astrologie war. Folglich war dies das Ende der Hellenistischen astrologischen Tradition.

Überlieferung in andere Kulturen

GlĂŒcklicherweise wurden Texte der Hellenistischen Astrologie ab dem 2. Jh. n. Chr. Kulturen außerhalb des Römischen Reiches ĂŒberliefert. Die wichtigsten Überlieferungen fanden nach Indien, Persien und schließlich in das mittelalterliche Islamische Imperium statt.

Im 2. Jh. n. Chr. wurde ein Text vom Griechischen in Sanskrit mit dem Titel Yavanajataka (“Horoskopie der Griechen”), ĂŒbersetzt. Dieser spielte eine wesentliche Rolle fĂŒr die Entwicklung der Astrologie in Indien in den nĂ€chsten zweitausend Jahren. Die nach Indien ĂŒberlieferte Astrologie mischte sich mit derer, welche sich bis zu diesem Zeitpunkt vor Ort entwickelt hatte. Diese beinhaltete u.a. die Verwendung der 27 (oder manchmal auch 28) Nakshatra (“MondhĂ€user”). Durch die griechische Überlieferung und das bestĂ€ndige FortwĂ€hren der Tradition, die im Laufe der Zeit nur mit geringen Änderungen einher ging, ist die heutige Indische Astrologie der Hellenistischen Astrologie weitaus nĂ€her als es die heutige moderne westliche Astrologie ist.

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Astrolabium mit MondhÀusern, von Abd al-Karim, 1227/8. Quelle: Museum of the History of Science, Oxford, UK.

Im 3. Jh. n. Chr. bildete sich in Persien ein neues Imperium, das Sassanidenreich. Dieses wurde von den Königen Ardashir I und seinem Sohn Shapur I in den Jahren 222 bis 267 n. Chr. regiert. Nach dem Bibliographen Ibn al-Nadim, sendete das Sassanidenreich Boten nach Indien, China und Rom um wissenschaftliche Texte zu sammeln. Zu dieser Zeit wurden das Werk ĂŒber Hellenistische Astrologie von Dorotheus von Sidon, sowie Teile der Anthologie des Vettius Valens’ ĂŒberliefert. Die Übersetzung fand vom Griechischen in die mittelpersische Sprache Pahlavi, statt. Diese, und einige andere Texte formten die Basis der Astrologie in Persien.

Zur Zeit der Dynastie der Abbasiden, begann um Mitte 800 n. Chr. die Astrologie im Islamischen Imperium zu blĂŒhen. Mit der BegrĂŒndung Bagdads als Hauptstadt des Islamischen Imperiums begann eine rege Zeit der Übersetzung wissenschaftlicher Texte aus anderen Kulturen. Einige der frĂŒhesten Übersetzungen ins Arabische, waren astrologische Texte. Dorotheus von Sidon und Vettius Valens wurden beide ĂŒbersetzt, jedoch aus dem Pahlavi und nicht aus der ursprĂŒnglichen griechischen Sprache. Weiter wurden u.a. Rhetorius‘ Werk Compedium sowie PtolemĂ€us‘ Werk Tetrabiblos ĂŒbersetzt. Somit wurde Arabisch die vorherrschende Sprache der meisten astrologischen Texte zu dieser Zeit.

Wiederentdeckung und erneuter RĂŒckgang

Der zweite Kreuzzug im 12. Jh. n. Chr. hatte als Nebeneffekt die Wiederentdeckung der Astrologie. Dies geschah durch die Entdeckung grosser StĂ€nde wissenschaftlicher arabischer Texte wĂ€hrend der Eroberung muslimischer Gebiete durch nordeuropĂ€ische Kreuzritter in Spanien. Dies hatte zur Folge, daß sich Gelehrte aus Europa in Scharen nach Spanien begaben um dort arabische Texte in Latein zu ĂŒbersetzen. Zum Ende des 12. Jh. war das Wissen und die Praxis der Astrologie völlig wiederhergestellt. Diese Astrologie war eine Form der Tradition des achten und neunten Jahrhundert, welche eine Mischung aus frĂŒheren hellenistischen Elementen und persischen sowie indischen Praktiken war. Dies ging mit einer allgemeinen Erweckung der Wissenschaften in Europa einher. Dieser zur Folge entstanden UniversitĂ€ten an denen man u.a. auch Astrologie lehrte. Zu diesem Zeitpunkt war die Astrologie stark in die Medizin eingebunden und wurde von Ärzten als diagnostisches Werkzeug angewendet.

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Zuordnung der Tierkreiszeichen zu Körperteilen, Homo signorum, 15. Jh. n. Chr. Quelle: Luminarium: Encyclopedia Project.

Die Erfindung des Buchdrucks sowie der Fall Konstantinoples an das Osmanische Reich im Jahre 1453 hatte die Verbreitung astrologischer Texte, sowie den wachsenden Zugang vieler bisher unbekannter griechischer Texte durch Gelehrte die aus dem Byzantinischen Reich nach Europa flĂŒchteten, zur Folge.

Im 17. Jh. begann die Astrologie jedoch an Einfluss abzunehmen. Grund dafĂŒr war eine Widerlegung von Lehren des PtolemĂ€us durch die relativ schnellen, neuen astronomischen Entdeckungen durch Copernicus, Kepler und Galileo. Die letzte BlĂŒhtezeit der Astrologie war in England und ging mit William Lilly einher, der im Jahre 1647 das erste englischsprachige Buch ĂŒber Astrologie veröffentlichte. Dies konnte jedoch die Astrologie nicht vor dem Verfall retten.

Moderne Astrologie

Eine Belebung der Astrologie fand erneut im spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jh. statt. Dies waren die AnfĂ€nge der heutigen, modernen Astrologie. Der EnglĂ€nder Alan Leo, der Anfang des 20. Jh. wirkte, war erfolgreich sowie in der Populisierung als auch in der Vereinfachung astrologischer Techniken. Durch sein Mitwirken in der Theosophical Society wurde die Astrologie mit dem Aufkommen der New-Age-Bewegung assoziiert. Ab 1930 bildete sich der Trend heraus, Astrologie durch Tiefenpsychologie neu zu konzipieren (daher oft auch als “psychologische Astrologie” bezeichnet). Vor allem Dane Rudhyar wirkte als Pionier in dieser Sache. Durch den Erfolg dieser Synthese gelang die Astrologie zu neuer Beliebtheit, vor allem in der Zeit ab 1960 bis in die 1980er Jahre. Von da an fokusierte sich die westliche Astrologie auf Charakteranalyse und Selbstwahrnehmung. Zur Folge wurden viele neue Techniken und Himmelskörper in die Astrologie eingefĂŒhrt, jedoch einige frĂŒhere Techniken der Ă€lteren Traditionen verworfen.

In seinem Buch Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune (S. 138/139), macht Chris Brennan darauf aufmerksam, daß die moderne Astrologie nicht zwangslĂ€ufig das Ergebnis einer stetigen Entwicklung sei, sondern eher das Resultat einiger einflussreicher Astrologen, die ein neues System basierend auf einigen wenigen BruchstĂŒcken der astrologischen Tradition und ihren eigenen religiösen, ethischen und theoretischen Spekulationen erstellten.

Traditionelle Astrologie im 21. Jh.

Im vergangenen Jahrhundert fand eine Neubearbeitung und -Herausgabe vieler antiker astrologischer Texte durch Akademiker verschiedener Ausrichtungen statt. Nennenswert ist das Catalogus Codicum Astrologorum Graecorum (CCAG), welches in einer Zeitspanne von ĂŒber fĂŒnfzig Jahren, von 1898 bis 1953, unter ursprĂŒnglicher Leitung von Franz Cumont, alle in europĂ€ischen Bibliotheken auffindbaren, in Griechisch verfassten Manuskripte zur Astrologie in hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit, auflistet. Desweiteren beinhaltet das CCAG sog. “kritische Übersetzungen” von hunderten von AuszĂŒgen verschiedener vorgefundener Texte. In den letzten zwanzig, dreißig Jahren ist gleichfalls in Astrologenkreisen ein wachsendes Interesse an der Neubelebung der Hellenistischen Astrologie zu verzeichnen.

Die in zunehmendem Maße bewußtwerdende Diskrepanz zwischen moderner und traditioneller Astrologie veranlasste einige Astrologen ab 1980, Schriften der Ă€lteren Traditionen zu erforschen und eigene Arbeiten auf Basis dieser zu veröffentlichen. Unter ihnen ist zu nennen: Robert Zoller, George Noonan und James Herschel Holden, der als erster die Feststellung machte, daß das ursprĂŒngliche HĂ€usersystem in der Hellenistischen Tradition die GanzzeichenhĂ€user waren. Desweiteren entdeckte man William Lilly’s Werk Christian Astrology wieder und veranlasste eine Neuveröffentlichung. Im Jahr 1992 fand unter Robert Schmidt, Robert Hand und Robert Zoller die GrĂŒndung von Project Hindsight statt. Eine Übersetzung von reichlich dreißig astrologischen Texten der Hellenistischen Zeit und des Mittelalters in englischer Sprache war die Folge. Im Jahre 2004 erschien von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch eine deutsche Übersetzung der neunbĂ€ndigen Anthologie von Vettius Valens mit dem Titel  BlĂŒtenstrĂ€uße. Diese war zugleich die erste vollstĂ€ndige Übersetzung des Werkes Valens’ ĂŒberhaupt. Im Jahr 2010 veröffentlichte Mark Riley online eine vollstĂ€ndige englische Übersetzung der Anthologie. Auch in anderen Sprachen gibt es mittlerweile Übersetzungen hellenistischer Texte, so z.Bsp. die Arbeiten Guiseppe Bezz‘s, der ins Italienische ĂŒbersetzte.

Ein Meilenstein in der Wiederbelebung der traditionellen Astrologie war Demetra George’s Kurs am Kepler College in Washington, USA im Jahr 2002, den sie basierend auf Übersetzungen Hellenistischer Texte durch Schmidt hielt. Dies war seit Jahrhunderten das erste Mal, das Astrologen in der Praxis der Hellenistischen Astrologie, fundierend auf einiger der frĂŒhesten Überlieferungen, unterrichtet wurden. Ebenfalls besonders nennenswert ist das weiter oben bereits erwĂ€hnte Werk Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune von Chris Brennan, welches im Jahr 2017 nach zehnjĂ€hriger intensiver Arbeit, veröffentlicht wurde. Es ist eines der wenigen BĂŒcher, welche einen umfangreichen Überblick ĂŒber die Lehren der traditionellen Astrologie und somit Aufschluß ĂŒber die Wurzeln der westlichen Astrologie bieten und sogleich Hauptquelle dieses Artikels.

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Eigene Gedanken: Wie im obigen Text deutlich wurde, hat die Astrologie so manche Höhen und Tiefen durchlebt und wurde stetig von der vorherrschenden soziokulturellen und vor allem auch der religiösen AtmosphĂ€re beeinflußt. Durch die Übersetzungen der antiken Schriften, die uns heute in neuen Überarbeitungen und in immer grĂ¶ĂŸerer Vielzahl zur VerfĂŒgung stehen, gibt sich uns nun die Möglichkeit ein prĂ€ziseres Bild denn je ĂŒber die Wurzeln und die Techniken der Astrologie in ihrer ursprĂŒnglichen Form zu erhalten. Das Verstehen des zur damaligen Zeit vorherrschenden Weltbildes in seinen Wandlungen und derer Auswirkungen auf die Entwicklung und das AusĂŒben der Astrologie ĂŒber die Jahrhunderte, wird eine entscheidende Rolle fĂŒr das Gelingen der Wiederbelebung der Tradition und die erfolgreiche, ethisch tragbare sowie schließich der Menschheit und dem Einzelnen dienliche Integrierung in unsere Zeit einnehmen.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Website. http://www.hellenisticastrology.com, 29.5.2018.

Brennan, Chris: The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user, Tag- und Nachthoroskope. TĂŒbingen: Chiron Verlag, deutsche Erstausgabe 2007.

“Heilige Drei Könige”. https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige, 26.5.2018.

Valens, Vettius. BlĂŒtenstrĂ€uße. Übersetzt von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch. (Subsidia Classica, Bd 7) St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2004.

Valens, Vettius. Anthologies. Übersetzt von Mark Riley. http://www.csus.edu/indiv/r/rileymt/vettius%20valens%20entire.pdf, 2010.

 

Letzte Bearbeitung: 15.3.2019