Die 12 Häuser in der Astrologie — Symbolik und Ursprünge

Die astrologische Unterteilung des Himmels in sechs Regionen über und sechs Regionen unter dem Horizont, ging mit der Berechnung des Aszendenten einher und fand erstmals im hellenistischen Griechenland statt. Dort finden sich folglich auch die Wurzeln der Bedeutungen dieser zwölf Regionen bzw. Orte und Häuser, wie sie genannt werden. Doch wie genau kam es zur Entstehung der Häuser und ihrer Symbolik? Darum geht es in diesem Artikel.

Ausgangspunkt astronomische Beobachtungen

Die Aufteilung des Himmels in zwölf Regionen basiert auf der Bewegung der Erde um ihre eigene Achse, derer zur Folge die Planeten täglich scheinbar im Osten auf- und im Westen untergehen. Dies zeigt sich am deutlichsten durch die Bewegung der Sonne und das damit verbundene Wechselspiel von Tag und Nacht, welches teils Grundlage für die Symbolik der Häuser ist.

In einer horoskopischen Zeichnung gibt es vier Häuser, die mit den astronomischen Begebenheiten, die zu Tag und Nacht führen, einhergehen. Diese werden Eckhäuser genannt. Am Beispiel der Sonne wird die Besonderheit dieser Häuser schnell sichtbar. Im 1. Haus steigt die Sonne über den Horizont – es wird Tag. Im 10. Haus steht sie am höchsten am Himmel – es ist Mittag. Im 7. Haus sinkt sie unter den Horizont – es wird Nacht. Im 4. Haus erreicht sie schließlich ihren Tiefpunkt – es ist Mitternacht. Diese Beobachtung ist eine der Grundlagen der Häuserlehre.

Die Grafik unten veranschaulicht die tägliche scheinbare Bewegung der Sonne von ihrem Aufgang zu ihrer Kulmination über ihren Untergang und letztlich dem Erreichen ihres Tiefpunktes. Ebenfalls in der Grafik eingezeichnet sind die durch diese Begebenheiten ausgelösten Hauptassoziationen der Eckhäuser.

Sonne in Eckhäusern
Eckhäuser und täglicher scheinbarer Wandel der Sonne von ihrem Aufgang zu ihrer Kulmination über ihren Untergang hin zu ihrem Tiefpunkt. In einer horoskopischen Zeichnung liegt Ost links und West rechts. Die Sonne steigt also in der Grafik links über den Horizont.

Zu den Bedeutungen der einzelnen Häuser und deren Entstehung trugen neben den oben aufgeführten astronomischen Begebenheiten noch andere Faktoren bei. Zu diesen kommen wir etwas später. Im nächsten Abschnitt soll erst einmal geklärt werden, was man denn ursprünglich mit dem Begriff “Haus” gemeint hat.

Terminologie — Tierkreiszeichen, Orte, Häuser und deren Herrscher

Mit “Häuser” meint man in unserer Zeit generell die Aufteilung des Horoskops in zwölf Sektoren. Diese geben seit jeher Aufschluss über die verschiedenen Lebensbereiche des Horoskopeigners. Ursprünglich sprach man von Orten (gr. topoi), wenn man die zwölf Sektoren des Horoskops meinte. Der Begriff Haus war dennoch in stetigem Gebrauch, wenn es um die zwölf Orte ging. Jedoch meinte man mit Häuser (gr. oikoi) die Tierkreiszeichen die den Planeten zugesprochen sind. Der Begriff Haus bezieht sich also auf die Herrschaft eines Planeten über ein Zeichen. Die Tierkreiszeichen sind also die Domizile (das Zuhause) der Planeten. Wie kommt es nun zur Verwendung des Begriffs Haus wenn es um die Orte geht?

Ursprünglich war es vorgesehen, dass die Tierkreiszeichen mit den Orten übereinstimmen und somit jedes Zeichen einen Lebensbereich auf seine Weise “färbt” bzw. die Bühne für den besagten Lebensbereich darstellt. Das bedeutet: Tierkreiszeichen = Ort = Lebensbereich. Dies ist ein ganz entscheidender Punkt, denn für die astrologische Deutung der zwölf Lebensbereiche sind die Herrscherplaneten der Zeichen, und somit Orte, von grosser Bedeutung. Diese werden nämlich zum individuellen Signifikator der Lebensthemen in einem Horoskop.

Nach traditionellem Modell werden also jedem der zwölf Sektoren im Horoskop eines der Tierkreiszeichen zugeordnet, oder anders gesagt: die Tierkreiszeichen selbst werden zu den zwölf Häusern.

Wir haben es hier also mit dem Ganzzeichenhäusersystem bzw. kurz Ganzzeichenhäusern (GZH) zu tun. Dieses Häusersystem ist das Älteste und unterscheidet sich wesentlich von anderen Unterteilungen. Zum Vergleich: In anderen Häusersystemen, wie z.B. Koch oder Placidus, kann sich ein “Haus” über mehrere Tierkreiszeichen strecken oder aber es fallen mehrere “Häuser” in ein und dasselbe Zeichen. Hier hat der Begriff Haus jedoch nichts mit der ursprünglichen Bedeutung des Ortes als Domizil eines Planeten zu tun.

Wie funktioniert nun die Bestimmung der Häuser im Ganzzeichenhäusersystem? Im GZH bestimmt der Aszendent das Zeichen des ersten Hauses, ist aber nicht “Spitze” desselbigen. Fällt der Aszendent z.B. auf 14° Fische, bildet dieses Zeichen mit all seinen 30° das erste Haus. Das zweite Haus wäre dann Widder, das dritte Stier usw. Die unten stehende Grafik gibt dieses Beispiel visuell wieder. Ursprünglich wurde der Aszendent Stundenschauer (gr. horoskopos) genannt. Der Stundenschauer ist traditionell der wichtigste Punkt im Horoskop, auch gerade weil er Grundlage für die Zeichenverteilung der zwölf Orte ist.

Grafik: Ganzzeichenhäuser mit Aszendent Fische
Beispiel der Häuserverteilung im Ganzzeichenhäusersystem mit Stundenschauer/Aszendent 14° Fische. Der Stundenschauer markiert das Zeichen des ersten Ortes. Die folgenden Orte werden jeweils den nachstehenden Tierkreiszeichen des ersten Ortes zugeordnet. Im GZH-System ist ein Zeichen gleich ein Ort bzw. Haus.

In der Antike wurden neben den Ganzzeichenhäusern zusätzlich das äquale Häusersystem, nach dem sich alle Spitzen der zwölf Orte nach dem Grad des Aszendenten richten, und die heutzutage unter dem Namen Porphyrius-Häuser bekannte Unterteilung, verwendet. Letztere war übrigens keine Erfindung des gleichnamigen Astrologen, sondern wurde schon von Vettius Valens in seinem Werk Anthologie (Buch 3, Kapitel 2) vorgestellt. Diese beiden Häusersysteme dienten vorrangig zum Ermitteln der Wirkungsstärke der Planeten. Für das Untersuchen der Lebensbereiche wurden aber immer die Ganzzeichenhäuser verwendet.

Als Herrscher der Tierkreiszeichen, und somit der zwölf Orte bzw. Häuser, dienen die sieben traditionellen Planeten. Die Zuordnung dieser zu den Tierkreiszeichen sieht wiefolgt aus: Schütze und Fische sind die Häuser/Domizile des Jupiter, Widder und Skorpion die des Mars, Steinbock und Wassermann sind die Häuser des Saturn, Zwillinge und Jungfrau die des Merkur, Stier und Waage sind die Domizile der Venus. Schließlich ist Krebs das Haus des Mondes und Löwe das der Sonne. Die nachstehende Grafik zeigt die traditionellen Herrscher der Tierkreiszeichen in ihren Häusern (Domizilen).

Grafik: Traditionelle Herrscher in ihren Domizilen
Die sieben traditionellen Planeten als Herrscher der Tierkreiszeichen. Die zwölf Zeichen sind gleichfalls die Häuser/Domizile der Planeten.

Anmerkung: Ich verwende in diesem Artikel die Begriffe Haus und Ort teils synonym, um eine bessere Lesbarkeit zu erlangen. An einigen Stellen habe ich mich jedoch bewusst für den einen oder anderen Begriff entschieden um die ursprüngliche Bedeutung hervorzuheben.

Grundbausteine der Symbolik der Orte

Zur Zeit der Antike gab man den zwölf Orten zusätzlich zu der gebräuchlichen Verwendung von Numeralien (erster Ort, zweiter Ort usw.) symbolische Namen. Die Bezeichnungen und Bedeutungen dieser leiten sich von verschiedenen Faktoren ab. Im Allgemeinen kann man jedoch drei Grundbausteine identifizieren. Zu diesen kommen wir jetzt.

Wie oben bereits erwähnt, liegt eine der Grundlagen der Häusersymbolik in der Bewegung der Erde um ihre eigene Achse und des dadurch scheinbaren täglichen Wandels der Planeten von Aufgang zu Kulmination über Untergang hin zu Tiefpunkt. Die vier sog. Eckhäuser, also die Häuser 1, 10, 7 und 4, die symbolisch mit diesen astronomischen Begebenheiten einhergehen, werden auch kardinale Häuser genannt (von lat. cardo = Dreh-, Wende-, Angelpunkt). Die Bezeichnung Eckhaus gründet sich vermutlich auf Ptolemäus, der als Synonym für den sonst üblich gebräuchlichen griechischen Begriff kentron, den ebenfalls griechischen Begriff gonia verwendet. Dieser bedeutet soviel wie “Ecke” oder “Winkel”.

In den antiken griechischen Schriften werden die Eckhäuser also als kentra bezeichnet, was soviel wie “Zentren”, “Stacheln” oder “Drehpunkte” bedeutet. Diese Übersetzungen geben Aufschluß über wesentliche inhaltliche Bedeutungen des Urbegriffs. Zum einen werden Planeten in den Eckhäusern bildlich gesprochen zum aktiven Handeln “angestachelt”. Gleichzeitig bilden die Eckhäuser die Mitte, also das Zentrum, einer Ecktriade. Eine Ecktriade besteht aus einem Eckhaus, dem ihm vorangehenden (fallenden) und nachstehenden (folgenden) Haus. Insgesamt gibt es vier Ecktriaden.

Die Unterteilung der Orte in kardinale, fallende und folgende Orte trägt nun ebenfalls zur Entstehung der Symbolik der Häuser bei. So werden zum Beispiel alle fallenden Orte (3, 6, 9, 12) mit dem Thema Reisen in Verbindung gebracht, da sich Planeten in diesen von den Ecken weg bewegen.

Grafik: Ecktriaden
Die vier Ecktriaden, die sich jeweils aus kardinalem, folgendem und fallendem Ort zusammensetzen. Mit Türkis ist die Ecktriade bestehend aus Ort 2, 1 und 12 gekennzeichnet. Rot kennzeichnet die Ecktriade bestehend aus Ort 11, 10 und 9. Die Ecktriade der Orte 8, 7 und 6 ist mit Blau markiert. Schließlich kennzeichnet die Farbe Braun die Ecktriade der Orte 5, 4 und 3.

Desweiteren spielt die Beziehung der einzelnen Orte zum Aszendeten bzw. ersten Ort eine Rolle. Orte, die das erste Haus durch einen der fünf Hauptaspekte (Konjunktion, Sextil, Trigon, Quadrat, Opposition) aspektieren, tragen positive Bedeutungen. Orte, die in keinem der Hauptaspekte zum Aszendenten stehen, werden im Allgemeinen mit negativen Themen in Verbindung gebracht, denn Planeten in ihnen können den Aszendenten (der für den Horoskopeigner selbst steht) durch den fehlenden Aspekt nicht positiv unterstützen.

Es gibt vier Häuser, die das erste Haus mit dem Aszendenten traditonell nicht aspektieren. Dies sind die Häuser 2, 6, 8 und 12, welche als “ungünstige”, “böse” oder “dunkle” Orte bezeichnet werden. Hier sei gesagt, dass Planeten in diesen Orten durch weitere Faktoren durchaus positiv wirken können, die Themen aber, die diese Häuser spiegeln, generell einen negativen Anklang haben. Das zweite Haus nimmt eine gewisse Sonderstellung ein. Neben der negativen Symbolik, die durch seine Bezeichnung als “Tor des Hades” ausgedrückt wird, werden mit dem zweiten Haus auch positive Themen assoziiert, so z.B. Wohltätigkeit. Hier wirkt die Tatsache, dass das zweite Haus zu den folgenden Häusern gehört, sowie durch ein Trigon zum zehnten Haus, welches für das öffentliche Leben steht, konfiguriert ist. Man sieht also an diesem Beispiel, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wesentlich zur Entstehung der Bedeutung der Häuser beigetragen hat.

Grafik: Hauptaspekte
Die fünf Hauptaspekte in Bezug zum ersten Ort, der durch den Aszendenten markiert wird. Die in der Grafik braun gekennzeichneten Orte werden “ungünstige” oder “böse” Orte genannt, da sie in keinem traditionellen Aspekt zum ersten Ort und Aszendenten stehen – Planeten in ihnen den Aszendenten also nicht “sehen” können.

Weiterhin wichtig für die Entstehung der Symbolik der Häuser sind die sogenannten Freuden der Planeten. So zum Beispiel hat die Venus ihre Freude im fünften Haus, worauf dieses Haus mit Wohltaten und körperlichen Freuden assoziiert wird. Das Konzept der Freuden ist sehr umfangreich und es ist hier nicht möglich, dieses ausführlich zu schildern. Trotzdem möchte ich kurz Aufmerksamkeit auf die Verteilung der Planeten in Bezug auf die zwei Hemisphären, lenken. Es ist nämlich erwähnenswert, dass sich im Schema der Freuden die Nachtplaneten Venus und Mars zusammen mit ihrem Herrscher, dem Mond, in der unteren, die Tagplaneten Saturn und Jupiter, angeleitet von der Sonne, aber in der oberen Hemisphäre befinden. Da die Sonne mit dem Geist und der Mond mit dem Körper assoziiert werden, werden die Häuser unter dem Horizont im Allgemeinen mit Materiellem und eher Konkretem in Verbindung gebracht, wobei die Häuser über dem Horizont generell eher für mentale Dinge stehen.

Merkur, der in der Mythologie Zugang sowohl in himmlische Sphären als auch zur Unterwelt hat, hat seine Freude im ersten Haus – das Haus in welchem die Sonne aufsteigt, welches also die Grenze (Horizont, Aszendent) von Tag und Nacht sowie “Oben” und “Unten” innehält. So findet sich also die Symbolik des Merkur als Botschafter zwischen den Welten auch in seiner Freude im ersten Haus wieder, denn Merkur kann im ersten Ganzzeichenhaus sowohl über als auch unter dem Horizont plaziert sein.

Grafik: Freuden der Planeten
Die Freuden der Planeten. Die Tagplaneten Jupiter und Saturn haben ihre Freude zusammen mit der Sonne in der oberen Hemisphäre (Taghälfte). Die Nachtplaneten Venus und Mars haben ihre Freude zusammen mit dem Mond in der unteren Hemisphäre (Nachthälfte).

Synthese der Grundbausteine – Namen und Bedeutungen der zwölf Orte

Die oben dargestellten drei Grundbausteine (Konzept der Ecktriaden, Aspektierung zum ersten Ort und Aszendenten, Freuden der Planeten) tragen nun gemeinsam zur Entstehung der Bezeichnungen als auch Bedeutungen der zwölf Orte bei. In der folgenden Grafik sind die symbolischen Namen der zwölf Orte aufgeführt, die man damals zusätzlich zur numeralischen Benennung verwendete. Ebenfalls in der Grafik angegeben sind die griechischen Namen der Orte (äußerer Ring).

Der erste Ort hatte ursprünglich mehrere Namen. So sprach man von ihm, neben dem in der Grafik aufgeführten und meist gebräuchlichen Sinnbild des Steuerruders (gr. oiax), auch von Stunde (gr. hōra), Erhebung (gr. anaphora), Aufgang (gr. anatole) und Aszendent (gr. anatellon). Der Begriff Stundenschauer (gr. horoskopos) meinte im Allgemeinen ebenfalls den gesamten ersten Ort.

Grafik: Bezeichnungen der zwölf Orte
Symbolische Bezeichnungen der zwölf Orte. Im äußeren Ring sind die griechischen Benennungen angegeben.

Die Grundbedeutungen der zwölf Orte sind in der folgenden Grafik wiederzufinden. Diese sind aus dem Werk Anthologie (Buch 4, Kapitel 12) von Vettius Valens entnommen. Valens ist eine der wichtigsten Quellen für die Rekonstruktion und das Studium der Astrologie. Einen kurzen Einblick über die Person Vettius Valens erhälst du über folgenden Link zum Verzeichnis der hellenistischen Astrologen auf der Webseite von Chris Brennan: http://www.hellenisticastrology.com/astrologers/vettius-valens/.

Ich habe mich bei der Angabe der Bedeutungen der zwölf Orte, bzw. Übersetzung dieser an die Aufführung in Chris Brennans Buch ‘Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune‘ (2017) gehalten. Die Grafik gibt nur die wesentlichsten Bedeutungen wieder. Weitere Assoziationen finden sich u.a. im oben angegebenen Kapitel von Valens’ Anthologie. Eine vollständige Übersetzung dieses Werkes steht in Deutsch (Blütensträuße, Schönberger & Knobloch, 2004) sowie in Englisch z.B. Riley (2010), zu Verfügung. Mehr Infos hierzu finden sich in den Quellenangaben am Ende dieses Artikels.

Grafik: Symbolische Bedeutungen der Orte
Symbolische Bedeutungen der zwölf Orte. In der Grafik ebenfalls eingezeichnet sind die Freuden der Planeten. Im Ring außen die Bezeichnungen der Orte in Griechisch.

Mehrere Bedeutungen – verschiedene Verwendungsbereiche

Die Bedeutungen der zwölf Orte sind durch die Synthese der Grundbausteine mitunter sehr vielschichtig. Daher mag die Zusammenstellung der Signifikationen eines einzelnen Ortes auf den ersten Blick nicht immer logisch erscheinen. Es ist zu bedenken, dass die Astrologie seit jeher sehr komplex ist und ihre Anwendung weitaus über die heute oft einzigst bekannte Geburtsastrologie hinaus geht. Somit finden einige Signifikationen der zwölf Orte eher in anderen Zweigen der Astrologie, als in der Analyse eines Geburtshoroskopes, Verwendung.

Die den Orten zugeteilten Bedeutungen geben desweiteren Aufschluß über das Weltbild und die Kultur der Antike. So z.B. die Assoziation des dritten und neunten Ortes mit König und Königin, welche ihren Platz mit der Signifikation von Gott und Göttin sowie Weissagung und Mystik teilen. Gleichzeitig haben die beiden Lichter Sonne und Mond ihre Freuden in diesen Häusern. Diese sind die sichtbarsten Himmelskörper und jene, nach denen wir uns z.B. zeitlich ausrichten. So gibt die Sonne uns das Maß für ein Jahr und der Mond für einen Monat. Die damaligen Herrscher wurden als unsterbliche Gottheiten gesehen, deren Aufgabe das Regeln irdischen Lebens ist. Staatliche Herrschaft und Religion gingen Hand in Hand. In unserer Zeit sind die Wirkungsbereiche von Kirche und Staat voneinander getrennt, weshalb heute in der Mundanastrologie die Kirche dem neunten und der Staat dem zehnten Ort zugeteilt wird.

Transfer in die heutige Zeit

Nicht alle der ursprünglichen Bedeutungen der zwölf Orte mögen uns in der heutigen Zeit in der westlichen Welt als relevant erscheinen, wie z.B. die Assoziation des sechsten Ortes mit Sklaven (auch wenn Sklavenhandel leider immer noch in einigen Teilen der Welt ein Thema ist).

Es geht also darum, ein Verständnis für die Grundsymbolik der zwölf Orte zu entwickeln, die dann hilft die Thematik dieser in unsere Zeit umzusetzen. Im Falle des sechsten Ortes und unserem vorangegangenen Beispiel könnte dies u.a. die Signifikation von Untergestellten, etwa in Bezug auf ein Arbeitsverhältnis, sein. Das Wissen und Verständnis um die Wurzeln der Bedeutungen der Orte ist weiterhin von Nutzen, wenn es um die Zuordnung von neuzeitlichen Themen geht.

Schlussgedanken

Die Entstehung der Symbolik der zwölf Häuser in der Astrologie ist, wie in diesem Artikel aufgezeigt, äußerst komplex. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die neuzeitliche Erfindung des “Zwölf-Buchstaben-Alphabets” (Dane Rudhyar, Zipporah Dobyns), reichlich Interesse fand, ist es doch in seiner Lehre bestechend einfach, denn es setzt Tierkreiszeichen, Häuser und Planeten gleich.

Nach dem Zwölf-Buchstaben-Alphabet ist also das 1. Haus = Widder = Mars, das 2. Haus = Stier = Venus usw. Dies ist jedoch, wie erwähnt, ein neuzeitlicher Gedanke, der die entscheidenden Grundsätze, die einst zur Entstehung der Bedeutungen der Häuser führten, völlig außer Acht läßt. Bei Anwendung des Zwölf-Buchstaben-Alphabets geht folglich eine Menge an Symbolik und Verständnis der Bedeutungen der Häuser verloren.

Grundgedanke für diesen Beitrag war, einen zusammenfassenden Einblick in einen der vier Grundbausteine der Astrologie zu geben. Es ist erstaunlich, wie viel es auf dem Gebiet der Astrologie, und speziell ihrer Wurzeln, zu entdecken gibt. Die im Anschluß aufgeführten Bücher und Artikel sollen weitere Hilfen auf dem Weg zu den Ursprüngen der Häuserlehre, sowie der Astrologie im Allgemeinen, sein.

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Quellen und weiterführende Literatur

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Brennan, Chris. The Planetary Joys and the Origins of the Significations of the Houses and Triplicities. https://www.hellenisticastrology.com/the-planetary-joys.pdf.

Brennan, Chris. The Astrology Podcast. The Rationale for the Significations of the Houses. http://theastrologypodcast.com/2014/06/10/rationale-significations-houses/.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Crane, Joseph. Die Knoten des Zwölf-Buchstaben-Alphabets entwirren. https://www.astro.com/astrologie/in_twelveletter_g.htm. Zuletzt aufgerufen: 18.3.2019.

Erik van Slooten. Traditionelle Horoskopdeutung. Ein Lehrgang zum Selbststudium. Chiron Verlag, 2014.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: Ganzzeichenhäuser – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Houlding, Deborah. The Houses: Temples of the Sky. The Wessex Astrologer Ltd. 2006.

Watson, Patrick. Why Aries ≠ the 1st House. https://patrickwatsonastrology.com/why-aries-%E2%89%A0-the-1st-house/. Zuletzt aufgerufen: 18.3.2019.

Übersetzungen von Vettius Valens’ Anthologie

Valens, Vettius. Blütensträuße. Übersetzt von Otto Schönberger und Eberhard Knobloch. (Subsidia Classica, Bd 7) St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2004.

Valens, Vettius. Anthologies. Übersetzt von Mark Riley, 2010. https://www.csus.edu/indiv/r/rileymt/vettius%20valens%20entire.pdf.

Links zu weiterführenden Artikeln in meinem Blog

Zum Thema Bewegung der Planeten und horoskopische Darstellung: Die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten am Himmel — Bedeutung in der Astrologie und Darstellung im Horoskop.

Zum Thema Aspektlehre: Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie.

Zum Thema Geschichte: Die Geschichte der Astrologie.

Titelbild: Autorin

Zuletzt bearbeitet: 24.4.2019

Published by

Sindy

»Observing life with a critical mind, living it with a heart full of hope and understanding it through the symbolic language of astrology.«

2 thoughts on “Die 12 Häuser in der Astrologie — Symbolik und Ursprünge”

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