Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie

Einer der vier Grundbausteine der Astrologie sind neben den Planeten, den Tierkreiszeichen und den Orten (auch Felder oder Häuser genannt) die Aspekte. In diesem Artikel geht es um die Wurzeln und die Grundsätze der Aspektlehre. Für das Verständnis dieses Artikels sind gewisse Grundkenntnisse in der Astrologie erforderlich. Man sollte wenigstens mit den Glyphen und dem Aufbau eines Horoskops vertraut sein.

Was sind Aspekte?

Bei den Aspekten geht es um die Beziehungen der Planeten und anderen Punkten im Horoskop zueinander. Oft wird auch von Winkeln gesprochen. Das hat seine Wurzeln im Ursprung der Aspektlehre, der u.a. Optik und Geometrie zugrunde liegt.

Ursprung der Aspektlehre

Die Wurzeln der Aspektlehre liegen in der Hellenistischen Epoche in Griechenland. Zu jener Zeit nahm die Astrologie ihre eigentliche Form mit ihren vier Grundbausteinen, wie sie oben erwähnt sind, an. Der ursprüngliche Begriff in Bezug auf das Konzept der Aspekte, der in hellenistischen Schriften vorzufinden ist, ist ’epimarturia’ (griech.). Dieser bedeutet soviel wie ”bezeugen”, ”ein Zeugnis abgeben”. Die Wortwahl für die Beschreibung der Aspekte in den Quelltexten (hauptsächlich in den Überlieferungen der Eisagogika des Antiochus von Athen) hat visuellen Unterton. Das heißt, es wird durch diese zum Ausdruck gebracht, ob und in welcher Weise sich die Planeten ”sehen können”. Somit befinden sich im Vokabular der uns überlieferten Texte neben dem erwähnten ”bezeugen” z.Bsp. auch ”beobachten” und ”mustern”. Es geht nach dem traditionellen Modell der Aspektlehre sozusagen um ”sehen und gesehen werden”.

Das Wort ’Aspekt’ stammt aus dem Lateinischen ’aspectus’, was soviel wie ”Hinsehen”, ”Blick” oder ”Gesichtspunkt” bedeutet. In Bezug auf den Ursprung der Aspektlehre trifft dieses Wort den Kern der Sache ziemlich gut. Behalten wir also seine ursprüngliche Bedeutung im Auge.

Fundament der Aspektlehre – Qualitäten der Tierkreiszeichen

Zur ursprünglichen Aspektlehre gehört die Unterteilung der Aspekte in solche, die auf den Tierkreiszeichen beruhen, und denen welche auf Graden beruhen (zeichenbasierende/gradbasierende Aspekte). Ausgangspunkt für die Aspektdeutung ist nach hellenistischem Modell in erster Linie die Beziehung der Planeten zueinander aufgrund der Tierkreiszeichen in denen sie sich befinden. Dabei ist es zunächst einmal gleich, in welchem Grad die Planeten stehen. Das Fundament für die zeichenbasierenden Aspekte liegt in den Qualitäten der Tierkreiszeichen. Zu diesen gehören die drei Modalitäten (kardinal, fix, veränderlich), die vier Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser), sowie die Unterteilung in feminine und maskuline Zeichen.

Qualitäten Tierkreis
Die Qualitäten der Tierkreiszeichen: Elemente, Modalitäten und Polarität. Rot unterlegt Feuerzeichen, braun unterlegt Erdzeichen, türkis unterlegt Luftzeichen und blau unterlegt Wasserzeichen.

Die Figuren – Symmetrie und Gleichheit im Tierkreis

Die Grundlage eines Aspektes ist eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den Tierkreiszeichen. Das bedeutet, dass Zeichen, die traditionell gesehen im Aspekt zueinander stehen. sich mindestens in einer Qualität gleich sind. Folglich ergeben sich fünf Aspekte. Drei dieser Aspekte (Sextil, Trigon, Quadrat) formen, wenn in den Tierkreis eingezeichnet, jeweils eine geometrische Figur, genauer gesagt, ein regelmäßiges Polygon. In unserem Fall sind das Hexagon, Tetragon und Trigon. Die Aspekte Sextil, Trigon und Quadrat sind also jeweils eine Seite eines Polygons. Daraus ergeben sich die Winkel für diese Aspekte. Für das Sextil sind das 60°, für das Quadrat 90° und für das Trigon 120°.

Plygone im Tierkreis
Astrologische Aspekte als Polygone.

Zeichen im Sextil zueinander teilen die gleiche Polarität. Im Bild oben sind alle Zeichen, in die eine Spitze des Sechsecks fällt, feminine Zeichen (Krebs, Jungfrau, Skorpion, Steinbock, Fische, Stier). Zeichen im Quadrat zueinander teilen die gleiche Modalität. So sind die Zeichen die oben im Bild im Quadrat zueinander stehen alle kardinal (Krebs, Waage, Steinbock, Widder). Zeichen im Trigon zueinander teilen sowohl Polarität als auch Element. Krebs, Skorpion und Fische sind alle feminine Zeichen und gehören dem Element Wasser an.

Opposition und Konjunktion ergeben keine geometrischen Figuren. Die Opposition teilt jedoch den Tierkreis in zwei Hälften und lässt die Planeten in den jeweiligen Tierkreiszeichen in Gegenüberstellung treten. Der Winkel für die Opposition ist also 180°. Tierkreiszeichen in Opposition haben die gleiche Polarität und Modalität. So sind Krebs und Steinbock beides feminine und kardinale Zeichen. Die Konjunktion wiederum wurde ursprünglich nicht als Aspekt gezählt. Planeten in Konjunktion wurden als ihre Eigenschaften untereinander vermischend gedeutet. Es wurde ihnen also keine für die anderen Aspekte typische gegenseitige ”Wechselwirkung” angesehen. Hellenistische Astrologen zählten jedoch später die Konjunktion zusammen mit den anderen vier Aspekten auf. Diese werden heute oft als die fünf ptolemäischen Aspekte bezeichnet, wenngleich Ptolemäus nicht Erfinder dieser war, sondern lediglich eine Ausführung dieser Aspekte in seinem Werk Tetrabiblos wiedergibt. Des Weiteren spricht man auch von den Hauptaspekten oder den traditionellen/klassischen Aspekten.

Hauptaspekte
Links: Hauptaspekte als Polygone im Tierkreis vom Ausgangspunkt Krebs gesehen. Rechts: Winkel der fünf klassischen Aspekte.

Unaspektierte Zeichen – Verschiedenheit

In der Zeichnung unten sind nun vom Ausgangspunkt Krebs die klassischen Aspekte mit Pfeilen in den Tierkreis eingezeichnet. Das Zeichen Krebs steht also im Sextil zu Jungfrau und Stier, im Quadrat zu Waage und Widder, im Trigon zu Skorpion und Fische, sowie in Opposition zum Steinbock. Nach dem traditionellen Modell aspektiert also jedes Tierkreiszeichen sieben der anderen Zeichen, jeweils zwei per Sextil, Quadrat und Trigon sowie ein Zeichen in der Opposition. Verbleiben also 4 Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden. Diese sind in der Zeichnung grau unterlegt. Vom Ausgangspunkt Krebs gesehen sind das Löwe, Schütze, Wassermann und Zwillinge. Wie bereits oben erwähnt, basieren die klassischen Aspekte auf Gemeinsamkeiten. Die Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden, haben also keinerlei Gleichheit mit dem Ausgangszeichen.

Zu der Beispielzeichnung: Krebs ist ein Wasserzeichen. Keines der Zeichen Löwe, Schütze, Wassermann und Zwillinge teilt dieses Element. Löwe und Schütze sind Feuerzeichen, Wassermann und Zwillinge sind Luftzeichen. Des Weiteren ist das Zeichen Krebs kardinal. Auch hier findet sich keine Gemeinsamkeit. Löwe und Wassermann sind fixe, Schütze und Zwillinge veränderliche Zeichen. Letztlich ist der Krebs ein feminines Zeichen. Alle der vier unaspektierten Zeichen sind männlich.

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Aspektierte und unaspektierte Tierkreiszeichen vom Zeichen Krebs gesehen. Jedes Tierkreiszeichen aspektiert jeweils sieben der anderen Zeichen. Vier Zeichen bleiben unaspektiert.

Planeten, die vom Ausgangspunkt aus gesehen in einem unaspektierten Feld stehen, haben somit keine Gemeinsamkeit, sind fremd und dem Ausgangspunkt abgeneigt. Die Basis dieser Felder ist also die Unverbundenheit zum Ausgangszeichen. Angenommen in unserer Beispielzeichnung wäre Merkur im Zeichen Krebs und Jupiter im Zeichen Schütze, dann würde Jupiter nicht in der Lage sein, dem Merkur Beistand und Unterstützung leisten zu können, denn Jupiter ”kann Merkur nicht sehen”. Planeten in unaspektierten Feldern stehen also nicht im Blickwinkel zum Ausgangszeichen.

Diese Sichtweise basiert neben den Qualitäten der Tierkreiszeichen auch auf optische Theorien der Antike. Diese besagen, dass ein Objekt entweder etwas von sich aussendet, durch was es dann vom Auge des Betrachters möglich ist gesehen zu werden (Extramission), oder dass vom Auge des Beobachters etwas ausgesendet wird, was das Objekt dann für ihn sichtbar macht (Intramission). Weitere Theorien begründeten sich auf eine Verbindung dieser beiden, oder stützten sich gänzlich auf andere Sichtweisen, wie z.B. die Gemeinsamkeit oder Sympathie zwischen Beobachter und Objekt (“Gleiches sieht Gleiches”). In der Theorie der Extramission wurde angenommen, dass ein geometrischer Strahl vom Auge ausgeht, der die Dinge sichtbar macht auf die er fällt. Gegenstände, die nicht in den Bereich dieses Strahles fallen, sind unsichtbar.

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Sehstrahltheorie vereinfacht dargestellt.

Chris Brennan erwähnt in seinem Buch Hellenistic Astrology – The Study of Fate and Fortune (Kapitel 9), dass Porphyrios in seiner Einführung zur Tetrabiblos von Ptolemäus erwähnt, dass die Planeten jeweils sieben Strahlen aussenden. Dies ist eine weitere Begründung für die sieben aspektierten, also im Blickwinkel stehenden, und die vier unaspektierten, und somit außerhalb des Blickwinkels stehenden, Zeichen. Man könnte bei den vier unaspektierten Zeichen wohl auch gut von ”toten Winkeln” sprechen. In der modernen Astrologie haben diese Winkel die Namen Semisextil (30°) und Quinkunx (150°). Die Idee der sieben Strahlen gibt weiterhin die Grundlage für die gradbasierenden Aspekte.

Aspekte nach Grad

Basis ist hier, wie bereits oben erwähnt, die von jedem Planeten ausgesendeten sieben Strahlen, ausgehend von dem Grad in dem sich der Planet befindet, zu dem gleichen exakten Grad in den anderen sieben aspektierten Zeichen. Wenn Merkur in unserem Beispiel im 21. Grad im Zeichen Krebs stehen würde, würde er also den 21. Grad von den Zeichen Jungfrau, Waage, Skorpion, Steinbock, Fische, Widder und Stier genau aspektieren. Ein Aspekt zwischen zwei Planeten im selben Grad wurde in hellenistischer Zeit als ”perfekter” oder ”kompletter” Aspekt angesehen.

Merkur sieben Strahlen
Merkur und die von ihm ausgehenden sieben Strahlen.

In Anbetracht auf die Unterteilung der Aspekte in tierkreisbezogene und gradbezogene Aspekte kann also Folgendes festgestellt werden: ein Planet tritt in Beziehung zu einem anderen Planeten sobald er in ein Tierkreiszeichen eintritt, dass im Aspekt zu dem Tierkreiszeichen steht, in dem sich der andere Planet befindet. Die Beziehung der beiden Planeten wird umso intensiver, je näher sie im exakten Grad zueinander stehen. Hellenistische Astrologen benutzten für zeichenbasierende Aspekte das Wort ”bezeugen”, für gradbezogene Aspekte wiederum ”mustern”. Diese Wortwahl bringt die unterschiedliche Intensität der zwei Aspektgrundlagen zum Vorschein. Ursprünglich setzt die Aspektlehre also bei den Tierkreiszeichen an und nicht erst bei den Graden.

Applikative (sich nähernde) und separative (sich auflösende) Aspekte

Planeten, die sich auf einen exakten Aspekt hinzubewegen, sind applikative Aspekte. Planeten, die einen exakten Aspekt schon erreicht haben und sich von diesem entfernen, heißen separative Aspekte. Der stärkste Wirkungsbereich eines Aspektes liegt in der Applikation unter 3°. Die Wortwahl für eine Konjunktion im Gegensatz zu den anderen Aspekten unter 3° unterschied sich in der Antike. Bei einer Konjunktion sprachen die hellenistischen Astrologen von einer ”Verschmelzung”, bei den anderen Aspekten von einer ”Verbindung”. Manchmal wurde für die Konjunktion ein zusätzlicher Spielraum von über 3°, jedoch unter 15° eingeräumt. In diesem Fall sprach man von ”Zusammenkunft”. Der Mond nahm eine Sonderstellung ein. Ihm sprach man 13° für alle Aspekte zu.

Hier soll noch kurz der Begriff ‘Void-of-course-Mond‘ oder ‘Mond im Leerlauf’ erwähnt werden. Nach traditioneller Ansicht handelt es sich dabei um einen Mond, der keinen exakten Hauptaspekt zu den klassischen Planeten innerhalb der nächsten dreißig Grad macht, sich sozusagen im ”Leerlauf” befindet. Zeichengrenzen spielen dabei traditionell keine Rolle. Diese Begebenheit ist äußert selten.

Charaktere der Aspekte

Sextil und Trigon werden als positive oder “leichte” Aspekte angesehen, wobei das Trigon in seiner Wirkung als stärker bewertet wird. Nach hellenistischer Tradition wirken Planeten im Sextil und Trigon, vor allem die Wohltäter Venus und Jupiter, äußerst positiv, wogegen die Übeltäter Mars und Saturn nicht in der Lage sind durch Sextil oder Trigon negativ auf andere Planeten zu wirken. Opposition und Quadrat sieht man im Allgemeinen als herausfordernd oder negativ an. Die Opposition wird oft als zwiespältig oder kontrovers eingestuft. Mit Mars und Saturn ist sie schwierig oder gar ”schädigend”, in Verbindung mit Venus und Jupiter sind deren wohltuende Eigenschaften gehemmt. Das Quadrat wird in seiner Wirkung als hart oder schroff angesehen. Übeltäter sind besonders schwierig in diesem Aspekt, wobei die Wohltäter entweder problematisch wirken oder aber unter bestimmten Umständen durchaus sehr positiv wirken können. Das Quadrat und die Opposition sind die Aspekte mit der stärksten Wirkung. Die Konjunktion wird generell als neutral eingestuft. Sie nimmt jedoch positiven Charakter an, wenn Wohltäter involviert sind und wirkt negativ, wenn Übeltäter in Verbindung mit ihr stehen.

Herleitung der Eigenschaften der Aspekte

Die Charaktere der Aspekte ist teils von den Beziehungen der Planeten in ihren Domizilen zu den beiden Lichtern Sonne und Mond abgeleitet. Grundlage ist hier das Thema Mundi, die hypothetische Geburtskarte der Welt. Ausgangspunkt sind also der Mond im Krebs und die Sonne im Löwen. Die anderen Himmelskörper werden den Tierkreiszeichen wie folgt zugeordnet: Merkur den Zwillingen und der Jungfrau, Venus dem Stier und der Waage, Mars dem Widder und Skorpion, Jupiter den Fischen und dem Schützen, Saturn dem Wassermann und dem Steinbock. Dies sind also die traditionellen Herrscher der Tierkreiszeichen. Nun werden Verbindungen von den beiden Lichtern aus zu den Planeten in ihren Domizilen gezeichnet. Daraus ergibt sich auf beiden Seiten der Lichter jeweils ein Sextil zur Venus, ein Quadrat zum Mars, ein Trigon zum Jupiter und eine Opposition zum Saturn. Auf dieser Grundlage basiert die Assoziation des Sextils und des Trigons mit Positivität, da sie in diesem Schema durch die Wohltäter Venus und Jupiter gekennzeichnet sind. Mars und Saturn hingegen geben die Assoziation mit Herausforderung an, da sie in Verbindung mit dem Quadrat und der Opposition stehen.

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Herleitung der Eigenschaften der Aspekte nach den Domizilen der Planeten und ihren Beziehungen zu Sonne und Mond, aufbauend auf das Thema Mundi.

Rechte und linke Aspekte

Eine weiterhin wichtige Unterscheidung in der Qualität der Aspekte liegt in der Lage dieser, ausgehend vom aspektierten Planeten. Aspekte, die ”rechter Hand” eines Planeten liegen, sind jene welche von ihm aus gesehen früher in Tierkreisrichtung liegen. Aspekte, ”linker Hand”, sind später im Tierkreis gelegen. Dies kann man sich ganz einfach visualisieren, in dem man sich die Planeten mit dem ”Kopf” zur Tierkreismitte und die ”Füße” zum Rand gerichtet denkt. Wenn man sich nun vorstellt, dass die Planeten mit zur Seite ausgestreckten Armen im Horoskop liegen, lässt sich einfach die Richtung der Aspekte an diesen ablesen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung der Aspektrichtung wäre, sich vorzustellen, selbst in der Mitte des Tierkreises zu stehen mit Blick auf den jeweils in Frage kommenden Planeten. Alle Planeten, die sich nun auf der rechten Seite von einem selbst gesehen befinden, sind im rechten Aspekt zu diesem Planeten. Alle Planeten, die links von einem selbst liegen, sind links im Aspekt zum Planeten in der Ausgangsposition. Dies würde also die Wahrnehmung auf die Planeten und deren Aspekte untereinander von der Erde aus gesehen wiedergeben. Dies ist wohl die ursprüngliche Methode zur Bestimmung der Aspektrichtung. In der Beispielzeichnung unten steht Mars rechts im Quadrat zu Merkur. Merkur befindet sich also “linker Hand” im Quadrat zu Mars. Ein Betrachter in Tierkreismitte würde ebenfalls Merkur als links gelegen von Mars wahrnehmen.

Merkurius Mars Mond
Mars im rechten Aspekt (“rechter Hand”) zu Merkur. Merkur im linken Aspekt (“linker Hand”) zu Mars. Mond im im linken Aspekt zu Merkur und Merkur im rechten Aspekt zu Mond. Mars und Mond formen traditionell keinen Aspekt, da Mars vom Mond gesehen im 6. Feld und Mond vom Mars gesehen im 8. Feld steht. Sie können sich also nicht “sehen”, da die Zeichen in denen sie stehen, Jungfrau und Wassermann, keinerlei Gemeinsamkeit haben.

Bedeutung der Aspektrichtung

Ein rechter Aspekt hat dominierenden Charakter. Begründung hierfür ist die Tatsache, dass sich der Planet in früheren Zeichen auf den in späteren Zeichen zubewegt, ihn also vor Augen hat und ihm “auf der Spur ist”. In der Beispielzeichnung hat Mars sozusagen die ”Oberhand” über Merkur. Die Beziehung zwischen diesen beiden wird also von Mars bestimmt. Merkur hat sich dem Mars zu fügen. Im Allgemeinen hat ein Aspekt positiveren Charakter, wenn der Planet in der dominanten Position ein Wohltäter ist. Ein Übeltäter mit der Oberhand wirkt eher herausfordernd.

Mars im Zehnten von Merkur
Mars ist im rechten Quadrat zu Merkur und daher in der dominierenden Rolle. Merkur hat sich dem Mars zu fügen. Mars ist gleichzeitig “Im Zehnten” von Merkur. Ein Planet im zehnten Zeichen vom Ausgangsplanet (in Tierkreiszeichenfolge) wird als äußerst dominierend angesehen. Dieser Aspekt ist als stärkster unter allen angesehen.

Die Interpretation der Aspektrichtungen gilt für das Sextil, das Quadrat und das Trigon. Opposition und Konjunktion haben logischerweise keine ”Richtungen” und erhalten daher keine zusätzliche Interpretation durch diese. Der Aspekt mit der stärksten Wirkung ist das Quadrat rechter Hand, für das in hellenistischer Zeit ein eigener Begriff geschaffen wurde – ”Im Zehnten” (engl. ”Upon the Tenth”, griech. epidekateia). Dies bedeutet, dass der Planet im zehnten Feld vom Tierkreiszeichen des Ausgangsplaneten gesehen, in der dominanten Position ist. Es ist also dasselbe wie das Quadrat rechter Seits. In der Beispielzeichnung oben ist Mars also ”Im Zehnten” von Merkur, und somit in der herrschenden Rolle. Die Bestimmung des Zehnten basiert immer auf den Tierkreiszeichen in denen sich die Planeten befinden.

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Schlussbemerkung: Dies war eine Darstellung der Grundprinzipien der Aspektlehre, so wie sie in ihren Ursprüngen in Gebrauch war. Weitere auf diese Grundlagen aufbauende Methoden sind durchaus bekannt. Obwohl die Aspektlehre traditionell auf “nur” fünf Aspekten beruht, ist sie doch sehr umfangreich. Dabei ist zu beachten, dass einige Betrachtungen über die Jahrhunderte einst verloren gegangen waren, wie zum Beispiel die grundsätzliche Interpretation der Aspekte nach Zeichen. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch immer mehr Material der Astrologen aus antiker Zeit durchgearbeitet, Übersetzungen erstellt und die ursprünglichen Lehren der Astrologie wieder neuentdeckt. Ich denke, dass u.a. das Vertiefen in die Wurzeln der Aspektlehre ein fruchtbares Fundament für eine astrologische Analyse schafft. Nicht zuletzt wird durch diese auch der Umgang mit Nebenaspekten mehr Einsicht und Tiefe erhalten.

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Quellen und weiterführende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris: The Hellenistic Astrology Course.
https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Brennan, Chris. Void of Course Moon: Three Different Definitions. 27.9.2017. https://www.youtube.com/watch?v=7qMV_JcrsQ0. Gesehen 15.10.2018.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: Ganzzeichenhäuser – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Zu meinem Artikel über die Geschichte der Astrologie geht es hier.

Über die Bedeutungen der Planeten in der traditionellen Astrologie, kannst du hier lesen.

Titelbild: Pixabay

Grundskizze ‘Tierkreis’ für Grafiken: File:Thema Mundi.svg by Meredith Garstin derivative work Achillu, Zodiac wheel, CC BY-SA 3.0