Die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten am Himmel — Bedeutung in der Astrologie und Darstellung im Horoskop

In diesem Artikel erfĂ€hrst du, welche Beziehung der Verlauf der Gestirne am Himmel mit der Astrologie und ganz speziell in Bezug auf die Darstellung eines Horoskops hat. Ob du nun schon lĂ€nger mit der Astrologie vertraut bist oder aber ohne Vorkenntnisse und gerade zufĂ€llig ĂŒber diesen Artikel gestolpert bist – ich hoffe, dass dieser Beitrag vor allem ein Staunen ĂŒber die wundersamen und vielfachen ZusammenhĂ€nge der Schöpfung weckt.

Zwei Bewegungen

In der Astrologie, der immer die Wahrnehmung aus der Perspektive der Erde und somit des Menschen zugrunde liegt (geozentrisches Weltbild), spielen zwei Richtungen eine wesentliche Rolle. Das ist zum einen der Verlauf von Sonne, Mond und Planeten entlang der Ekliptik durch die Sternbilder und zum anderen die tĂ€gliche Bewegung der Planeten und Lichter von ihrem Aufgang zu ihrem Untergang und wieder zu ihrem erneuten Aufgang. Zu den Planeten in der Astrologie zĂ€hlen traditionell Merkur, Venus, Mars, Jupiter, und Saturn. Diese sind mit bloßem Auge sichtbar. Neu hinzu gekommen sind die in der Neuzeit entdeckten sog. Ă€ußeren Planeten Uranus, Neptun und Pluto. In der Astrologie meint man gewöhnlich auch Sonne und Mond, wenn man von den Planeten spricht.

Dass die Planeten, von der Erde aus wahrgenommen, tÀglich im Osten auf- und im Westen untergehen, liegt an der Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse. Das scheinbare Wandern der Planeten entlang der Ekliptik mit den Sternbildern wiederum basiert auf der Bewegung der Erde um die Sonne. Letzteres geben jeweils die Grafik und die Animation unten wieder.

Bewegung der Erde um die Sonne. Projektion der Sonne auf den Sternenhintergrund und somit die Sternbilder der Ekliptik. Quelle Grafik: Tauʻolunga, Ecliptic path, CC BY-SA 3.0, Quelle Animation: Tfr000, Ecliptic with earth and sun animation, CC BY-SA 3.0.

Zwei Richtungen

Die tÀgliche Bewegung der Wandelsterne am Himmel erfolgt von der Nordhalbkugel der Erde aus betrachtet in Uhrzeigerrichtung, also von links nach rechts. Die Bewegung durch den Tierkreis erfolgt jedoch entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn, also von rechts nach links. Die Planeten und Lichter brauchen unterschiedlich lang um eine volle Runde um die Ekliptik und somit den Tierkreis, zu machen. Aufgang und Untergang erleben jedoch alle Wandelsterne tÀglich.

Die folgende Animation zeigt den Verlauf der Sonne entlang der Ekliptik durch die Sternbilder ĂŒber eine Zeitspanne von ca. 3 Monaten, beobachtet von der Nordhalbkugel. Quelle: Patrick Watson.

Animation Sonne entlang Ekliptik

Die unten stehende Animation zeigt das Auf- und Untergehen der Sonne, Planeten und Sterne in einem Zeitraum von 24 Stunden am gleichen Standort wie in der Animation oben. Quelle: Patrick Watson.

Planeten Auf- und Untergang

Kleiner Exkurs – Sternbilder und Tierkreiszeichen

UrsprĂŒnglich lag der FrĂŒhlingspunkt zu Beginn des Sternbildes Widder (daher auch Widderpunkt genannt). Durch die PrĂ€zession (Taumelbewegung) der Erdachse ist dieser Punkt im Laufe der Jahrhunderte in das Sternbild Fische gerĂŒckt.

Im MĂ€rz (um den 20. Tag herum) liegt jedoch im sog. tropischen Tierkreis (abgeleitet von griech. tropoi = Wendepunkte), weiterhin der Beginn der Zeit des Widders. Das liegt daran, dass die Einteilung der Ekliptik in 12 Abschnitte und die Benennung dieser, die astronomischen Begebenheiten der Äquinoktien, also FrĂŒhlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche, sowie den Sonnenwenden und das Zusammentreffen dieser zu antiker Zeit mit den Sternbildern Widder, Waage, Krebs und Steinbock zugrunde liegt. In der Antike traf also der FrĂŒhlingspunkt auf den Beginn des Sternbildes Widder, der Herbstpunkt hingegen traf zu dieser Zeit auf den Beginn des Sternbildes Waage, die Sommersonnenwende lag zu Beginn des Sternbildes Krebs und die Wintersonnenwende war der Beginn des Sternbildes Steinbock. Der Beginn dieser vier Sternbilder, Widder, Krebs, Waage und Steinbock, ging also mit den Wendepunkten der Jahreszeiten einher.

Grafik Äquinoktien und Sonnenwenden
Die Äquinoktien und Sonnenwenden. Ein Äquinoktium ist der Mo­ment, in dem die Son­ne bei ih­rer schein­ba­ren Ja­hres­be­we­gung auf der Ek­lip­tik den Him­mels­Àqua­tor ĂŒber­schrei­tet (siehe 21.3. und 23.9. in der Grafik). Die Schnitt­punk­te von Ek­lip­tik und Äqua­tor wer­den FrĂŒh­lings- und Herbst- bzw. Widder- und Waage­punkt bezeichnet. Die Sommersonnenwende ist in der Zeichnung mit dem 21.6. und die Wintersonnenwende mit dem 21.12. gekennzeichnet. Quelle: S.fonsi, Ecliptic, CC BY-SA 3.0

Das astrologische Jahr begann, und beginnt noch immer, mit der FrĂŒhlings-Tagundnachtgleiche. Diese ging in der Hellenistischen Epoche, in der die Wurzeln der westlichen Astrologie liegen, wie bereits erwĂ€hnt gleichzeitig mit dem Beginn des Sternbildes Widder einher. Auf diese Begebenheit aufbauend unterteilte man die Ekliptik in 12 gleichgroße Teile zu jeweils 30° die man nach den Sternbildern benannte. Die Sternbilder selbst sind von unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe. Noch immer tragen diese Abschnitte der Ekliptik in der westlichen Astrologie dieselben Namen. Es geht also um die Bezeichnung bestimmter Zeitabschnitte im Jahr. Die 12 Tierkreiszeichen, die nach den Sternbildern benannt sind, sind also nicht zu verwechseln mit den Sternbildern am Himmel selbst.

Die Zeichen des Tierkreises sind Symbolbilder in der Astrologie, deren Bedeutung auf die Jahreszeiten aufbaut und deren Bezeichnungen einst von den Sternbildern geliehen wurde. Es wÀre also korrekter zu sagen, man ist beispielsweise in der ZEIT (nicht im Zeichen) der Jungfrau geboren.

Die westliche Astrologie begrĂŒndet sich also immer noch auf jĂ€hrliche astronomische Begebenheiten, nĂ€mlich den Jahreszeiten, so wie es einst der Fall in der Antike war. Von diesen Begebenheiten leitete man vorrangig die Bedeutungen der Tierkreiszeichen ab, so z.Bsp. die QualitĂ€ten (kardinal, fix, verĂ€nderlich). Die vier Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock werden als kardinal bezeichnet, denn ihre Sternbilder gingen jeweils mit dem Beginn einer neuen Jahreszeit einher. Sie waren also der Wendepunkt von Jahreszeit zu Jahreszeit, was auch, wie bereits weiter oben erwĂ€hnt, aus dem Wort ”tropischer Tierkreis” (von gr. tropoi = Wendepunkte) hervorgeht. Die Zeichen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann dagegen fallen im tropischen Tierkreis jeweils in die Mitte einer Jahreszeit. Letztlich beenden Zwillinge, Jungfrau, SchĂŒtze und Fische die jeweilige Jahreszeit und sind somit gleichfalls der Übergang von einer zur nĂ€chsten Jahreszeit, daher werden sie verĂ€nderliche Zeichen genannt.

Kollektive und individuelle Bedeutungen

Sowohl der Verlauf von Sonne, Mond und Planeten durch den Tierkreis, als auch ihre tĂ€gliche Bewegung von ihrem Aufgang zu ihrem Untergang sind Quelle fĂŒr grundsĂ€tzliche astrologische Bedeutungen.

Die Bewegung der Lichter und Planeten durch den Tierkreis gibt in gewisser Weise den Zyklus von Werden-Sein-Sterben wieder. Vor allem die Sonne spiegelt uns symbolisch den Lebenszyklus, denn ihr Wandern entlang der Ekliptik durch die Tierkreiszeichen ist hier auf der Erde mit dem Wahrnehmen der Jahreszeiten verbunden. Im FrĂŒhling erleben wir das Erwachen der Natur, im Sommer steht sie in ihrer vollen BlĂŒte, im Herbst kommt sie zur Ruhe und im Winter schlummert die Natur wartend auf ein neues Erwachen.

Die Auswirkungen der Jahreszeiten wiederum kann man am Verhalten der Menschen erkennen. So beobachtet man in der Sommerzeit mehr Offenheit und ein Aufeinanderzugehen. Das ist die Zeit der Grillfeste, Festivals und anderer großer Feiern. Im Winter hingegen verhalten wir uns zurĂŒckhaltender und verbringen unsere Zeit in kleineren Kreisen, mehr in Stille und Bedachtheit. Es handelt sich hierbei um kollektiv wahrnehmbare Begebenheiten. Es ist daher interessant, dass die Tierkreiszeichen als Symbole der Archetypen (oder Urprinzipien) gelten. Vor allem C.G. Jung wird mit der Auffassung der Archetypen in unserer Zeit in Verbindung gebracht. Die Idee selbst ist jedoch um einiges Ă€lter und war schon in der Antike (siehe Plato) bekannt.

Grafik C.G. Jung Zitat ĂŒber Sternenhimmel und Archetypen

Eine weitaus persönlichere Deutung ergibt sich aus der tĂ€glichen Bewegung von Sonne, Mond und Planeten ĂŒber den Himmel. Grundlage fĂŒr die Erstellung eines Horoskops ist neben dem Datum und Ort die genaue Zeit des Ereignisses, im Falle eines Geburtshoroskops also die Geburtszeit. Diese nĂ€mlich ist Voraussetzung zur Ermittlung des genauen Grades des am östlichen Horizont aufsteigenden Abschnittes der Ekliptik und des mit ihm assoziierten Tierkreiszeichens. Dieser Grad wird Aszendent oder Stundenschauer genannt. Traditionell bezeichnet man auch das gesamte Tierkreiszeichen in den der Grad des Aszendenten fĂ€llt, als Aszendent oder eben Stundenschauer. Das Wort Horoskop stammt ĂŒbrigens aus dem Altgriechischen und setzt sich wiefolgt zusammen: ᜄρα, hora = Stunde; σÎșÎżÏ€Î”áż–Îœ, skopĂ©in = beobachten; auf Deutsch also “die Stunde schauen”.

Das Tierkreiszeichen des Aszendenten bildet nach ursprĂŒnglichem Modell vom ersten bis zum letzten Grad den ersten Ort (bzw. das erste Feld oder das erste “Haus”) im Horoskop. Das zweite Tierkreiszeichen bildet den zweiten Ort, das dritte Zeichen den Dritten usw. bis zum zwölften Tierkreiszeichen vom Aszendenten, welches den zwölften Ort markiert. Dabei zĂ€hlen wir in Tierkreisrichtung, also entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn. Dieses Modell der sogenannten HĂ€usersysteme kennen wir heute unter dem Begriff “GanzzeichenhĂ€user” (GZH). Es ist das ursprĂŒngliche HĂ€usersystem der Antike und der westlichen Astrologie, auf welches sich verschiedene astrologische Techniken aufbauen (z.Bsp. die Profektionen), die zwar ĂŒber die Jahrhunderte verloren, in den letzten zwanzig-dreißig Jahren jedoch durch Übersetzungen antiker Schriften wiederentdeckt wurden und immer noch werden.

Was die Sache mit den Orten persönlich macht, ist dass diese fĂŒr bestimmte Themen und Lebensinhalte stehen. Die Tierkreiszeichen, welche im GZH-System die Orte markieren, geben in gewisser Weise den Hintergrund oder die “BĂŒhne” wieder, auf der sich die Lebensbereiche abspielen. Durch den Aszendenten werden also die Tierkreiszeichen der Orte bestimmt.

Noch persönlicher wird es natĂŒrlich durch die Gestirne in den Orten und deren Beziehungen (Aspekte) untereinander. Ganz besonders wichtig ist hier der Herrscherplanet der jeweiligen Tierkreiszeichen bzw. Orte und dessen Stellung im Horoskop. Zu den Grundlagen der Deutung der Aspekte kannst du mehr in diesem Artikel erfahren: Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie.

Allgemeine Darstellung der Richtungen im Horoskop

Stellt sich nun die Frage, wie gibt man diese dreidimensionalen Begebenheiten zweidimensional, z.Bsp. auf einem Blatt Papier, wieder? Oder anders gefragt, wie spiegeln sich die Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten in Bezug zur Erde im Horoskop? Letztere Fragestellung beinhaltet schon einen wesentlichen Sachverhalt, nÀmlich dass das Horoskop ein Abbild des Himmels zu einem Gewissen Zeitpunkt ist, z.Bsp. zur Geburt eines Kindes.

Man kann sich das Horoskop als Schnappschuss des Himmels vorstellen, der die Stellung der Gestirne zu einem bestimmten Zeitpunkt festhÀlt.

ZunĂ€chst einmal eine allgemeine Grafik, die beide RichtungsverlĂ€ufe in einer Horoskopzeichnung veranschaulicht. Der rote Kreis zeigt den Verlauf der Gestirne entlang der Ekliptik. Die Ekliptik selbst ist mit ihren zwölf Abschnitten der Tierkreiszeichen im Ă€ußeren Kreis wiederzufinden. Der blaue Pfeil weist auf die tĂ€gliche Bewegung der Gestirne hin, also ihr Auf- und Untergehen, welches im Bezug zum Horizont, der hier als braune Linie eingezeichnet ist, steht. Der Osthorizont und somit der Punkt an dem die Lichter und Planeten aufsteigen, liegt im Horoskop immer auf der linken Seite.

Grafik Bewegungsrichtungen im Horoskop
Darstellung der RichtungsverlÀufe von Sonne, Mond und Planeten in einer Horoskopzeichnung. Der rote Kreis zeigt den Verlauf der Gestirne entlang der Ekliptik. Der blaue Pfeil weist auf die tÀgliche Bewegung der Gestirne, also ihr Auf- und Untergehen, hin.

Die Horizontlinie teilt das Horoskop in eine Tag- und eine NachthĂ€lfte. Planeten ĂŒber der Horizontlinie befinden sich in der TaghĂ€lfte, Planeten unter der Horizontlinie befinden sich in der NachthĂ€lfte. Die Platzierung der Sonne zeigt an, ob es sich um ein Tag- oder Nachthoroskop handelt. Dies wiederum war in Hellenistischer Zeit der Ausgangspunkt aller astrologischer Deutung. Die Unterteilung in Tag- und Nachthoroskop sowie die dazugehörigen GrundsĂ€tze der astrologischen Deutung nennt man das Konzept der “Sektion”. Sektion meint kurz gesagt die Aufteilung der Planeten in zwei Gruppierungen, Tag- und Nachtsektion. Dabei ist die Sonne Herrscher der Tagsektion und der Mond Herrscher der Nachtsektion. Die Sektion gibt u. a. Auskunft darĂŒber, wie stark ein Planet im Horoskop gestellt ist. Es macht also einen Unterschied, ob der Horoskopeigner am Tag oder in der Nacht geboren ist.

Die projizierte Sonne in der Horoskopzeichnung

Nun zur Darstellung der Bewegung der Sonne durch den Tierkreis, welche entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn erfolgt. Grundlage ist, wie bereits weiter oben erwĂ€hnt, die Bewegung der Erde um die Sonne und die daraus resultierende Projektion der Sonne auf die Ekliptik. In einem Horoskop sind natĂŒrlich nicht die Sonne in der Mitte und die Erde eingezeichnet, sondern nur die projizierte Sonne, bzw. ihr Symbol. Des Weiteren sind in einem Horoskop u. a. der Mond und die Planeten mit ihren Symbolen eingezeichnet.

Die Ekliptik mit den Tierkreiszeichen, die scheinbare Bahn der Sonne um die Erde, ist in der Grafik unten der Ă€ußere Kreis. Die Tierkreiszeichen sind hier, wie ĂŒblich in einem Horoskop, mit ihren Symbolen eingezeichnet. Die Grafik gibt den anscheinenden Verlauf der Sonne vom Zeichen Widder ♈ ĂŒber das Zeichen Stier ♉ zum Zeichen Zwillinge ♊ an.

zodiak ohne innenkreis
Darstellung der Projektion der Sonne auf den Tierkreis im Horoskop. Grundlage ist die Bewegung der Erde um die Sonne.

Die Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse und die Richtung der 12 Orte im Horoskop

Jetzt zur persönlicheren Dimension des Horoskops, nĂ€mlich den Orten bzw. HĂ€usern. Die Orte gehen ursprĂŒnglich mit den Zeichen des Tierkreises einher; das bedeutet ein Zeichen = ein Ort. Ausgangspunkt fĂŒr die Bestimmung der Zugehörigkeit der Tierkreiszeichen zu den Orten ist der Aszendent. In der Grafik unten liegt der Grad des Aszendenten in der Mitte des Zeichens Widder, also um die 15Âș. Widder wird also zum Zeichen des ersten Ortes. Dabei ist es gleich, in welchen Grad der Aszendent fĂ€llt. Das Tierkreiszeichen des Aszendentengrades wird im GanzzeichenhĂ€usersystem immer zum ersten Ort, von seinem ersten bis letzten Grad. Der Aszendent ist ausschlaggebend fĂŒr das ganze Horoskop und er ist ein wesentlicher Faktor im ersten Ort, nicht aber die Spitze desselbigen, wie es z.Bsp. bei den Koch- oder Placidus-HĂ€usersystemen der Fall ist.

Die Nummerierung der Orte erfolgt in Tierkreiszeichenordnung, also entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn. Diese Nummerierung ist gleichzeitig auch die Reihenfolge des “Aufstieges” der Orte und den in ihnen platzierten Planeten. Der blaue Pfeil in der unten stehenden Grafik zeigt dies an. Das in Uhrzeigerrichtung stattfindende Aufsteigen der Planeten und der Orte in denen sie sich befinden, wird also auch im Horoskop deutlich.

nummerierung-der-12-orte-drehung-erde-um-eigene-achse-1.jpg
Nummerierung der Orte bzw. “HĂ€user” und Veranschaulichung des Aufstieges dieser und der Gestirne in ihnen. Die Sonne befindet sich im ersten Ort unter der Horizontlinie. Durch die Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse (durch blauen Kreis in der Mitte dargestellt) wird dieser bald vollstĂ€ndig ĂŒber der Horizontlinie gelegen sein. Die Sonne wird also in KĂŒrze ĂŒber dem Horizont aufgehen — es wird Tag.

Kurzes Deutungsbeispiel zur obigen Grafik

Wie wir bereits wissen, geben die Tierkreiszeichen den Orten und ihren Bedeutungen eine gewisse “FĂ€rbung”. In der Grafik oben liegt der Aszendent im Zeichen Widder. Auch die Sonne findet sich in diesem Zeichen wieder, und zwar kurz vor ihrem Aufstieg ĂŒber den Horizont. Dies ist einer der stĂ€rksten Stellungen fĂŒr einen Planeten im Horoskop. Der Aszendent und der gesamte erste Ort geben betrĂ€chtlichen Aufschluss ĂŒber die Erscheinung des Horoskopeigners. In der Antike nannte man den ersten Ort auch “Ruder” oder “Steuer” (nach einer Metapher der Seefahrt), welches mit dem Horoskopeigner selbst und seinem Leben gleichgesetzt wurde. Folglich ist der erste Ort der wichtigste unter allen zwölf Orten im Horoskop.

Die Sonne steht fĂŒr den Kern unseres Selbst, unsere IdentitĂ€t und auch in gewissem Maße fĂŒr unserer “Rolle” auf der BĂŒhne des Lebens. Widder ist ein kardinales Feuerzeichen. Es ist das erste Zeichen des Tierkreises und steht somit u. a. fĂŒr Neuanfang, Aufbruch und Tatendrang. Sein Herrscher ist der Planet Mars. Abgesehen von den anderen Horoskopfaktoren, welche die gegebenen Platzierungen entweder verstĂ€rken oder abschwĂ€chen können (vor allem hier der Herrscherplanet Mars), lassen allein diese Faktoren auf einen Menschen schließen, dem es von Natur aus leicht fĂ€llt sich anderen mitzuteilen, bzw. sich durchzusetzen was, wie alle Konstellationen im Horoskop, positiv als auch weniger positiv ausgelebt werden kann.

Anmerkung: Es ist hier nicht möglich weiter auf die Bedeutungen der einzelnen Orte einzugehen. Diese ergeben sich nĂ€mlich neben der hier aufgefĂŒhrten scheinbaren Bewegungsrichtung der Gestirne von ihrem Aufgang zu ihrem Untergang, ausgelöst von der Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse, auch aus den sogenannten “Freuden der Planeten“. Diese sind aber Thema fĂŒr einen weiteren Artikel. Wer sich jedoch schon jetzt ĂŒber die Freuden informieren will, dem empfehle ich besonders Chris Brennans AusfĂŒhrung “The Planetary Joys and the Origins of the Significations of the Houses and Triplicities“.

Bonus

Zum Abschluss gebe ich der Maus das Wort.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Stenudd, Stefan. Zodiac Archetypes – Twelve Fundamental Types in the Horoscope. https://www.completehoroscope.org/astrology/zodiac-archetypes.htm. Gelesen 17.1.2019.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Erik van Slooten. Traditionelle Horoskopdeutung. Ein Lehrgang zum Selbststudium. Chiron Verlag, 2014.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Romankiewicz, Brigitte. Spielfeld der Götter – C.G. Jungs Archetypenlehre und die Astrologie. Deutsche Erstausgabe. Chiron Verlag, 2002.

 

Titelbild: ESO/B. Tafreshi (twanight.org), Star Trails over Atacama Desert Cacti, CC BY 4.0

 

Zuletzt bearbeitet: 27.2.2019

Ursprung und Grundlagen der Aspektlehre in der Astrologie

Einer der vier Grundbausteine der Astrologie sind neben den Planeten, den Tierkreiszeichen und den Orten (auch Felder oder HĂ€user genannt) die Aspekte. In diesem Artikel geht es um die Wurzeln und die GrundsĂ€tze der Aspektlehre. FĂŒr das VerstĂ€ndnis dieses Artikels sind gewisse Grundkenntnisse in der Astrologie erforderlich. Man sollte wenigstens mit den Glyphen und dem Aufbau eines Horoskops vertraut sein.

Was sind Aspekte?

Bei den Aspekten geht es um die Beziehungen der Planeten und anderen Punkten im Horoskop zueinander. Oft wird auch von Winkeln gesprochen. Das hat seine Wurzeln im Ursprung der Aspektlehre, der u.a. Optik und Geometrie zugrunde liegt.

Ursprung der Aspektlehre

Die Wurzeln der Aspektlehre liegen in der Hellenistischen Epoche in Griechenland. Zu jener Zeit nahm die Astrologie ihre eigentliche Form mit ihren vier Grundbausteinen, wie sie oben erwĂ€hnt sind, an. Der ursprĂŒngliche Begriff in Bezug auf das Konzept der Aspekte, der in hellenistischen Schriften vorzufinden ist, ist ’epimarturia’ (griech.). Dieser bedeutet soviel wie ”bezeugen”, ”ein Zeugnis abgeben”. Die Wortwahl fĂŒr die Beschreibung der Aspekte in den Quelltexten (hauptsĂ€chlich in den Überlieferungen der Eisagogika des Antiochus von Athen) hat visuellen Unterton. Das heißt, es wird durch diese zum Ausdruck gebracht, ob und in welcher Weise sich die Planeten ”sehen können”. Somit befinden sich im Vokabular der uns ĂŒberlieferten Texte neben dem erwĂ€hnten ”bezeugen” z.Bsp. auch ”beobachten” und ”mustern”. Es geht nach dem traditionellen Modell der Aspektlehre sozusagen um ”sehen und gesehen werden”.

Das Wort ’Aspekt’ stammt aus dem Lateinischen ’aspectus’, was soviel wie ”Hinsehen”, ”Blick” oder ”Gesichtspunkt” bedeutet. In Bezug auf den Ursprung der Aspektlehre trifft dieses Wort den Kern der Sache ziemlich gut. Behalten wir also seine ursprĂŒngliche Bedeutung im Auge.

Fundament der Aspektlehre – QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen

Zur ursprĂŒnglichen Aspektlehre gehört die Unterteilung der Aspekte in solche, die auf den Tierkreiszeichen beruhen, und denen welche auf Graden beruhen (zeichenbasierende/gradbasierende Aspekte). Ausgangspunkt fĂŒr die Aspektdeutung ist nach hellenistischem Modell in erster Linie die Beziehung der Planeten zueinander aufgrund der Tierkreiszeichen in denen sie sich befinden. Dabei ist es zunĂ€chst einmal gleich, in welchem Grad die Planeten stehen. Das Fundament fĂŒr die zeichenbasierenden Aspekte liegt in den QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen. Zu diesen gehören die drei ModalitĂ€ten (kardinal, fix, verĂ€nderlich), die vier Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser), sowie die Unterteilung in feminine und maskuline Zeichen.

Elemente, ModalitÀten und PolaritÀt im Tierkreis
Die QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen: Elemente, ModalitĂ€ten und PolaritĂ€t. Rot unterlegt Feuerzeichen, braun unterlegt Erdzeichen, tĂŒrkis unterlegt Luftzeichen und blau unterlegt Wasserzeichen.

Die Figuren – Symmetrie und Gleichheit im Tierkreis

Die Grundlage eines Aspektes ist eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den Tierkreiszeichen. Das bedeutet, dass Zeichen, die traditionell gesehen im Aspekt zueinander stehen. sich mindestens in einer QualitĂ€t gleich sind. Folglich ergeben sich fĂŒnf Aspekte. Drei dieser Aspekte (Sextil, Trigon, Quadrat) formen, wenn in den Tierkreis eingezeichnet, jeweils eine geometrische Figur, genauer gesagt, ein regelmĂ€ĂŸiges Polygon. In unserem Fall sind das Hexagon, Tetragon und Trigon. Die Aspekte Sextil, Trigon und Quadrat sind also jeweils eine Seite eines Polygons. Daraus ergeben sich die Winkel fĂŒr diese Aspekte. FĂŒr das Sextil sind das 60°, fĂŒr das Quadrat 90° und fĂŒr das Trigon 120°.

Plygone im Tierkreis
Astrologische Aspekte als Polygone.

Zeichen im Sextil zueinander teilen die gleiche PolaritÀt. Im Bild oben sind alle Zeichen, in die eine Spitze des Sechsecks fÀllt, feminine Zeichen (Krebs, Jungfrau, Skorpion, Steinbock, Fische, Stier). Zeichen im Quadrat zueinander teilen die gleiche ModalitÀt. So sind die Zeichen die oben im Bild im Quadrat zueinander stehen alle kardinal (Krebs, Waage, Steinbock, Widder). Zeichen im Trigon zueinander teilen sowohl PolaritÀt als auch Element. Krebs, Skorpion und Fische sind alle feminine Zeichen und gehören dem Element Wasser an.

Opposition und Konjunktion ergeben keine geometrischen Figuren. Die Opposition teilt jedoch den Tierkreis in zwei HĂ€lften und lĂ€sst die Planeten in den jeweiligen Tierkreiszeichen in GegenĂŒberstellung treten. Der Winkel fĂŒr die Opposition ist also 180°. Tierkreiszeichen in Opposition haben die gleiche PolaritĂ€t und ModalitĂ€t. So sind Krebs und Steinbock beides feminine und kardinale Zeichen. Die Konjunktion wiederum wurde ursprĂŒnglich nicht als Aspekt gezĂ€hlt. Planeten in Konjunktion wurden als ihre Eigenschaften untereinander vermischend gedeutet. Es wurde ihnen also keine fĂŒr die anderen Aspekte typische gegenseitige ”Wechselwirkung” angesehen. Hellenistische Astrologen zĂ€hlten jedoch spĂ€ter die Konjunktion zusammen mit den anderen vier Aspekten auf. Diese werden heute oft als die fĂŒnf ptolemĂ€ischen Aspekte bezeichnet, wenngleich PtolemĂ€us nicht Erfinder dieser war, sondern lediglich eine AusfĂŒhrung dieser Aspekte in seinem Werk Tetrabiblos wiedergibt. Des Weiteren spricht man auch von den Hauptaspekten oder den traditionellen/klassischen Aspekten.

Hauptaspekte
Links: Hauptaspekte als Polygone im Tierkreis vom Ausgangspunkt Krebs gesehen. Rechts: Winkel der fĂŒnf klassischen Aspekte.

Unaspektierte Zeichen – Verschiedenheit

In der Zeichnung unten sind nun vom Ausgangspunkt Krebs die klassischen Aspekte mit Pfeilen in den Tierkreis eingezeichnet. Das Zeichen Krebs steht also im Sextil zu Jungfrau und Stier, im Quadrat zu Waage und Widder, im Trigon zu Skorpion und Fische, sowie in Opposition zum Steinbock. Nach dem traditionellen Modell aspektiert also jedes Tierkreiszeichen sieben der anderen Zeichen, jeweils zwei per Sextil, Quadrat und Trigon sowie ein Zeichen in der Opposition. Verbleiben also 4 Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden. Diese sind in der Zeichnung grau unterlegt. Vom Ausgangspunkt Krebs gesehen sind das Löwe, SchĂŒtze, Wassermann und Zwillinge. Wie bereits oben erwĂ€hnt, basieren die klassischen Aspekte auf Gemeinsamkeiten. Die Tierkreiszeichen, die nicht aspektiert werden, haben also keinerlei Gleichheit mit dem Ausgangszeichen.

Zu der Beispielzeichnung: Krebs ist ein Wasserzeichen. Keines der Zeichen Löwe, SchĂŒtze, Wassermann und Zwillinge teilt dieses Element. Löwe und SchĂŒtze sind Feuerzeichen, Wassermann und Zwillinge sind Luftzeichen. Des Weiteren ist das Zeichen Krebs kardinal. Auch hier findet sich keine Gemeinsamkeit. Löwe und Wassermann sind fixe, SchĂŒtze und Zwillinge verĂ€nderliche Zeichen. Letztlich ist der Krebs ein feminines Zeichen. Alle der vier unaspektierten Zeichen sind mĂ€nnlich.

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Aspektierte und unaspektierte Tierkreiszeichen vom Zeichen Krebs gesehen. Jedes Tierkreiszeichen aspektiert jeweils sieben der anderen Zeichen. Vier Zeichen bleiben unaspektiert.

Planeten, die vom Ausgangspunkt aus gesehen in einem unaspektierten Feld stehen, haben somit keine Gemeinsamkeit, sind fremd und dem Ausgangspunkt abgeneigt. Die Basis dieser Felder ist also die Unverbundenheit zum Ausgangszeichen. Angenommen in unserer Beispielzeichnung wĂ€re Merkur im Zeichen Krebs und Jupiter im Zeichen SchĂŒtze, dann wĂŒrde Jupiter nicht in der Lage sein, dem Merkur Beistand und UnterstĂŒtzung leisten zu können, denn Jupiter ”kann Merkur nicht sehen”. Planeten in unaspektierten Feldern stehen also nicht im Blickwinkel zum Ausgangszeichen.

Diese Sichtweise basiert neben den QualitĂ€ten der Tierkreiszeichen auch auf optische Theorien der Antike. Diese besagen, dass ein Objekt entweder etwas von sich aussendet, durch was es dann vom Auge des Betrachters möglich ist gesehen zu werden (Extramission), oder dass vom Auge des Beobachters etwas ausgesendet wird, was das Objekt dann fĂŒr ihn sichtbar macht (Intramission). Weitere Theorien begrĂŒndeten sich auf eine Verbindung dieser beiden, oder stĂŒtzten sich gĂ€nzlich auf andere Sichtweisen, wie z.B. die Gemeinsamkeit oder Sympathie zwischen Beobachter und Objekt (“Gleiches sieht Gleiches”). In der Theorie der Extramission wurde angenommen, dass ein geometrischer Strahl vom Auge ausgeht, der die Dinge sichtbar macht auf die er fĂ€llt. GegenstĂ€nde, die nicht in den Bereich dieses Strahles fallen, sind unsichtbar.

Auge Strahl.jpg
Sehstrahltheorie vereinfacht dargestellt.

Chris Brennan erwĂ€hnt in seinem Buch Hellenistic Astrology – The Study of Fate and Fortune (Kapitel 9), dass Porphyrios in seiner EinfĂŒhrung zur Tetrabiblos von PtolemĂ€us erwĂ€hnt, dass die Planeten jeweils sieben Strahlen aussenden. Dies ist eine weitere BegrĂŒndung fĂŒr die sieben aspektierten, also im Blickwinkel stehenden, und die vier unaspektierten, und somit außerhalb des Blickwinkels stehenden, Zeichen. Man könnte bei den vier unaspektierten Zeichen wohl auch gut von ”toten Winkeln” sprechen. In der modernen Astrologie haben diese Winkel die Namen Semisextil (30°) und Quinkunx (150°). Die Idee der sieben Strahlen gibt weiterhin die Grundlage fĂŒr die gradbasierenden Aspekte.

Aspekte nach Grad

Basis ist hier, wie bereits oben erwĂ€hnt, die von jedem Planeten ausgesendeten sieben Strahlen, ausgehend von dem Grad in dem sich der Planet befindet, zu dem gleichen exakten Grad in den anderen sieben aspektierten Zeichen. Wenn Merkur in unserem Beispiel im 21. Grad im Zeichen Krebs stehen wĂŒrde, wĂŒrde er also den 21. Grad von den Zeichen Jungfrau, Waage, Skorpion, Steinbock, Fische, Widder und Stier genau aspektieren. Ein Aspekt zwischen zwei Planeten im selben Grad wurde in hellenistischer Zeit als ”perfekter” oder ”kompletter” Aspekt angesehen.

Merkur sieben Strahlen
Merkur und die von ihm ausgehenden sieben Strahlen.

In Anbetracht auf die Unterteilung der Aspekte in tierkreisbezogene und gradbezogene Aspekte kann also Folgendes festgestellt werden: ein Planet tritt in Beziehung zu einem anderen Planeten sobald er in ein Tierkreiszeichen eintritt, dass im Aspekt zu dem Tierkreiszeichen steht, in dem sich der andere Planet befindet. Die Beziehung der beiden Planeten wird umso intensiver, je nĂ€her sie im exakten Grad zueinander stehen. Hellenistische Astrologen benutzten fĂŒr zeichenbasierende Aspekte das Wort ”bezeugen”, fĂŒr gradbezogene Aspekte wiederum ”mustern”. Diese Wortwahl bringt die unterschiedliche IntensitĂ€t der zwei Aspektgrundlagen zum Vorschein. UrsprĂŒnglich setzt die Aspektlehre also bei den Tierkreiszeichen an und nicht erst bei den Graden.

Applikative (sich nÀhernde) und separative (sich auflösende) Aspekte

Planetenwinkel, die sich auf einen exakten Aspekt hinzubewegen, sind applikative Aspekte. Planetenwinkel, die einen exakten Aspekt schon erreicht haben und sich von diesem entfernen, heißen separative Aspekte. Der stĂ€rkste Wirkungsbereich eines Aspektes liegt in der Applikation unter 3°. Die Wortwahl fĂŒr eine Konjunktion im Gegensatz zu den anderen Aspekten unter 3° unterschied sich in der Antike. Bei einer Konjunktion sprachen die hellenistischen Astrologen von einer ”Verschmelzung”, bei den anderen Aspekten von einer ”Verbindung”. Manchmal wurde fĂŒr die Konjunktion ein zusĂ€tzlicher Spielraum von ĂŒber 3°, jedoch unter 15° eingerĂ€umt. In diesem Fall sprach man von ”Zusammenkunft”. Der Mond nahm eine Sonderstellung ein. Ihm sprach man 13° fĂŒr alle Aspekte zu.

Hier soll noch kurz der Begriff ‘Void-of-course-Mond‘ oder ‘Mond im Leerlauf’ erwĂ€hnt werden. Nach traditioneller Ansicht handelt es sich dabei um einen Mond, der keinen exakten Hauptaspekt zu den klassischen Planeten innerhalb der nĂ€chsten dreißig Grad macht, sich sozusagen im ”Leerlauf” befindet. Zeichengrenzen spielen dabei traditionell keine Rolle. Diese Begebenheit ist Ă€ußert selten.

Charaktere der Aspekte

Sextil und Trigon werden als positive oder “leichte” Aspekte angesehen, wobei das Trigon in seiner Wirkung als stĂ€rker bewertet wird. Nach hellenistischer Tradition wirken Planeten im Sextil und Trigon, vor allem die WohltĂ€ter Venus und Jupiter, Ă€ußerst positiv, wogegen die ÜbeltĂ€ter Mars und Saturn nicht in der Lage sind durch Sextil oder Trigon negativ auf andere Planeten zu wirken. Opposition und Quadrat sieht man im Allgemeinen als herausfordernd oder negativ an. Die Opposition wird oft als zwiespĂ€ltig oder kontrovers eingestuft. Mit Mars und Saturn ist sie schwierig oder gar ”schĂ€digend”, in Verbindung mit Venus und Jupiter sind deren wohltuende Eigenschaften gehemmt. Das Quadrat wird in seiner Wirkung als hart oder schroff angesehen. ÜbeltĂ€ter sind besonders schwierig in diesem Aspekt, wobei die WohltĂ€ter entweder problematisch wirken oder aber unter bestimmten UmstĂ€nden durchaus sehr positiv wirken können. Das Quadrat und die Opposition sind die Aspekte mit der stĂ€rksten Wirkung. Die Konjunktion wird generell als neutral eingestuft. Sie nimmt jedoch positiven Charakter an, wenn WohltĂ€ter involviert sind und wirkt negativ, wenn ÜbeltĂ€ter in Verbindung mit ihr stehen.

Herleitung der Eigenschaften der Aspekte

Die Charaktere der Aspekte ist teils von den Beziehungen der Planeten in ihren Domizilen zu den beiden Lichtern Sonne und Mond abgeleitet. Grundlage ist hier das Thema Mundi, die hypothetische Geburtskarte der Welt. Ausgangspunkt sind also der Mond im Krebs und die Sonne im Löwen. Die anderen Himmelskörper werden den Tierkreiszeichen wie folgt zugeordnet: Merkur den Zwillingen und der Jungfrau, Venus dem Stier und der Waage, Mars dem Widder und Skorpion, Jupiter den Fischen und dem SchĂŒtzen, Saturn dem Wassermann und dem Steinbock. Dies sind also die traditionellen Herrscher der Tierkreiszeichen. Nun werden Verbindungen von den beiden Lichtern aus zu den Planeten in ihren Domizilen gezeichnet. Daraus ergibt sich auf beiden Seiten der Lichter jeweils ein Sextil zur Venus, ein Quadrat zum Mars, ein Trigon zum Jupiter und eine Opposition zum Saturn. Auf dieser Grundlage basiert die Assoziation des Sextils und des Trigons mit PositivitĂ€t, da sie in diesem Schema durch die WohltĂ€ter Venus und Jupiter gekennzeichnet sind. Mars und Saturn hingegen geben die Assoziation mit Herausforderung an, da sie in Verbindung mit dem Quadrat und der Opposition stehen.

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Herleitung der Eigenschaften der Aspekte nach den Domizilen der Planeten und ihren Beziehungen zu Sonne und Mond, aufbauend auf das Thema Mundi.

Rechte und linke Aspekte

Eine weiterhin wichtige Unterscheidung in der QualitĂ€t der Aspekte liegt in der Lage dieser, ausgehend vom aspektierten Planeten. Aspekte, die ”rechter Hand” eines Planeten liegen, sind jene welche von ihm aus gesehen frĂŒher in Tierkreisrichtung liegen. Aspekte, ”linker Hand”, sind spĂ€ter im Tierkreis gelegen. Dies kann man sich ganz einfach visualisieren, in dem man sich die Planeten mit dem ”Kopf” zur Tierkreismitte und die ”FĂŒĂŸe” zum Rand gerichtet denkt. Wenn man sich nun vorstellt, dass die Planeten mit zur Seite ausgestreckten Armen im Horoskop liegen, lĂ€sst sich einfach die Richtung der Aspekte an diesen ablesen. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung der Aspektrichtung wĂ€re, sich vorzustellen, selbst in der Mitte des Tierkreises zu stehen mit Blick auf den jeweils in Frage kommenden Planeten. Alle Planeten, die sich nun auf der rechten Seite von einem selbst gesehen befinden, sind im rechten Aspekt zu diesem Planeten. Alle Planeten, die links von einem selbst liegen, sind links im Aspekt zum Planeten in der Ausgangsposition. Dies wĂŒrde also die Wahrnehmung auf die Planeten und deren Aspekte untereinander von der Erde aus gesehen wiedergeben. Dies ist wohl die ursprĂŒngliche Methode zur Bestimmung der Aspektrichtung. In der Beispielzeichnung unten steht Mars rechts im Quadrat zu Merkur. Merkur befindet sich also “linker Hand” im Quadrat zu Mars. Ein Betrachter in Tierkreismitte wĂŒrde ebenfalls Merkur als links gelegen von Mars wahrnehmen.

Merkurius Mars Mond
Mars im rechten Aspekt (“rechter Hand”) zu Merkur. Merkur im linken Aspekt (“linker Hand”) zu Mars. Mond im im linken Aspekt zu Merkur und Merkur im rechten Aspekt zu Mond. Mars und Mond formen traditionell keinen Aspekt, da Mars vom Mond gesehen im 6. Feld und Mond vom Mars gesehen im 8. Feld steht. Sie können sich also nicht “sehen”, da die Zeichen in denen sie stehen, Jungfrau und Wassermann, keinerlei Gemeinsamkeit haben.

Bedeutung der Aspektrichtung

Ein rechter Aspekt hat dominierenden Charakter. BegrĂŒndung hierfĂŒr ist die Tatsache, dass sich der Planet in frĂŒheren Zeichen auf den in spĂ€teren Zeichen zubewegt, ihn also vor Augen hat und ihm “auf der Spur ist”. In der Beispielzeichnung hat Mars sozusagen die ”Oberhand” ĂŒber Merkur. Die Beziehung zwischen diesen beiden wird also von Mars bestimmt. Merkur hat sich dem Mars zu fĂŒgen. Im Allgemeinen hat ein Aspekt positiveren Charakter, wenn der Planet in der dominanten Position ein WohltĂ€ter ist. Ein ÜbeltĂ€ter mit der Oberhand wirkt eher herausfordernd.

Mars im Zehnten von Merkur
Mars ist im rechten Quadrat zu Merkur und daher in der dominierenden Rolle. Merkur hat sich dem Mars zu fĂŒgen. Mars ist gleichzeitig “Im Zehnten” von Merkur. Ein Planet im zehnten Zeichen vom Ausgangsplanet (in Tierkreiszeichenfolge) wird als Ă€ußerst dominierend angesehen. Dieser Aspekt ist als stĂ€rkster unter allen angesehen.

Die Interpretation der Aspektrichtungen gilt fĂŒr das Sextil, das Quadrat und das Trigon. Opposition und Konjunktion haben logischerweise keine ”Richtungen” und erhalten daher keine zusĂ€tzliche Interpretation durch diese. Der Aspekt mit der stĂ€rksten Wirkung ist das Quadrat rechter Hand, fĂŒr das in hellenistischer Zeit ein eigener Begriff geschaffen wurde – ”Im Zehnten” (engl. ”Upon the Tenth”, griech. epidekateia). Dies bedeutet, dass der Planet im zehnten Feld vom Tierkreiszeichen des Ausgangsplaneten gesehen, in der dominanten Position ist. Es ist also dasselbe wie das Quadrat rechter Seits. In der Beispielzeichnung oben ist Mars also ”Im Zehnten” von Merkur, und somit in der herrschenden Rolle. Die Bestimmung des Zehnten basiert immer auf den Tierkreiszeichen in denen sich die Planeten befinden.

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Schlussbemerkung: Dies war eine Darstellung der Grundprinzipien der Aspektlehre, so wie sie in ihren UrsprĂŒngen in Gebrauch war. Weitere auf diese Grundlagen aufbauende Methoden sind durchaus bekannt. Obwohl die Aspektlehre traditionell auf “nur” fĂŒnf Aspekten beruht, ist sie doch sehr umfangreich. Dabei ist zu beachten, dass einige Betrachtungen ĂŒber die Jahrhunderte einst verloren gegangen waren, wie zum Beispiel die grundsĂ€tzliche Interpretation der Aspekte nach Zeichen. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch immer mehr Material der Astrologen aus antiker Zeit durchgearbeitet, Übersetzungen erstellt und die ursprĂŒnglichen Lehren der Astrologie wieder neuentdeckt. Ich denke, dass u.a. das Vertiefen in die Wurzeln der Aspektlehre ein fruchtbares Fundament fĂŒr eine astrologische Analyse schafft. Nicht zuletzt wird durch diese auch der Umgang mit Nebenaspekten mehr Einsicht und Tiefe erhalten.

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Quellen und weiterfĂŒhrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris: The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Brennan, Chris. Void of Course Moon: Three Different Definitions. 27.9.2017. https://www.youtube.com/watch?v=7qMV_JcrsQ0. Gesehen 15.10.2018.

Brand, Rafael Gil. Lehrbuch der klassischen Astrologie. Chiron Verlag, 2000.

Erik van Slooten. Traditionelle Horoskopdeutung. Ein Lehrgang zum Selbststudium. Chiron Verlag, 2014.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: GanzzeichenhĂ€user – Tag- und Nachthoroskope. Chiron Verlag, 2007.

Zu meinem Artikel ĂŒber die Geschichte der Astrologie geht es hier.

Über die Bedeutungen der Planeten in der traditionellen Astrologie, kannst du hier lesen.

Titelbild: Pixabay

Grundskizze ‘Tierkreis’ fĂŒr Grafiken: File:Thema Mundi.svg by Meredith Garstin derivative work Achillu, Zodiac wheel, CC BY-SA 3.0

Grafiken: Autorin

Aktualisiert: 22.1.2019