Geschichte der Astrologie

Der nachstehende Text schildert die Entstehung und Entwicklung der Astrologie von ihren fr├╝hen Anf├Ąngen bis in die heutige Zeit.

Wo liegen die Anf├Ąnge der Astrologie?

Man k├Ânnte meinen, die Astrologie sei so alt wie der Himmel und die Erschaffung des Menschen. Sicherlich ist der Wandel des Mondes in seinen Phasen ein Ph├Ąnomen, dem der Mensch von Urzeiten her seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Die Gezeiten – Ebbe und Flut – sind ein Beispiel an dem die Wirkung des Mondes sichtbar deutlich wird. Desweiteren l├Ąsst sich auch einen Einfluss auf die Pflanzenwelt erkennen, und vor noch nicht allzu langer Zeit war das Beobachten der Mondphasen fester Bestandteil bei der Planung der Gartenarbeit. Obwohl dieses Wissen fast in Vergessenheit geraten w├Ąre, ist seit ein paar Jahren eine Wiederentdeckung dieser alten Weisheiten zu erkennen. Doch die Deutung des Mondstandes allein ist noch keine Astrologie. Was meint man also mit Astrologie?

Wenn wir heute von Astrologie sprechen, dann meinen wir ein vierteiliges System, welches die Planeten (1), die Zeichen des Tierkreises (2), das Konzept der Aspekte (3) und die zw├Âlf H├Ąuser (4) beinhaltet. Die Erscheinung dieses Systems in seiner vollen Form ist erstmals in das erste Jahrhundert vor Christus und in das Gebiet des R├Âmischen Reiches zur├╝ckzuf├╝hren. Doch bis es zur Synthese dieses vierteiligen Systems kam, war es ein langer Weg der sich ├╝ber L├Ąnder-, Sprach- und Kulturgrenzen zog.

Mesopotamien

Der Ursprung der westlichen Astrologie kann bis ins Jahr 2000 v. Chr. nach Mesopotamien (heutiges Irak) zur├╝ckgef├╝hrt werden. Zu dieser Zeit begann man Aufzeichnungen ├╝ber Parallelen zwischen irdischen und himmlischen Ereignissen zu machen. Diese Aufzeichnungen wurden in Keilschrift auf Tontafeln in Form von Omen verfasst und betrafen in grossem Ma├če Mondfinsternisse. Die Ausdrucksform folgte der Formel “wenn x, dann y”. Ein hypothetisches Omen h├Ątte also lauten k├Ânnen: “Wenn es eine Finsternis gibt, dann wird der K├Ânig sterben.” Die Astrologen dieser Zeit hielten diese Omen eher f├╝r Zeichen der G├Âtter, als Schlussfolgerungen von direkten Verbindungen zwischen Himmelsk├Ârpern und irdischen Begebenheiten. F├╝r sie waren die Sterne mehr eine Art “g├Âttliche Handschrift“, eine Art Sprache, durch die die G├Âtter mit der Menschheit kommunizierten. Sp├Ąter entstanden Omensammlungen. Die kekannteste unter ihnen ist die Enuma Anu Enlil.

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Tontafeln mit Omen in Keilschrift ├╝ber Finsternisse, Assyrien. Quelle: Ancient Origins: Reconstructing the Story of Humanity’s Past

Astronomie und Astrologie geh├Ârten zu dieser Zeit fest zusammen. Astrologen beobachteten die Sterne und interpretierten sie auch. Sie waren meist Gelehrte, die oft im Dienste der K├Ânige standen. Sp├Ąter im 8. Jh. v. Chr. begann man in Mesopotamien genaue Aufzeichnungen der t├Ąglichen Planetenpositionen zu machen. Bei Anbruch des 5. Jh. v. Chr. war der Tierkreis in zw├Âlf gleich gro├če Teile zu je 30┬░ eingeteilt. Zu dieser Zeit kam auch die Geburtsastrologie auf. Bis dahin hatte sich die Astrologie auf die Belange von einzelnen Staaten und deren Interaktionen bezogen. Nach dem f├╝nften Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Astrologie weiter und man entdeckt neue Techniken. So begann man z.Bsp. zwischen “Wohlt├Ątern” (benefics) und “├ťbelt├Ątern” (malefics) zu unterscheiden. Desweiteren teilte man nun die zw├Âlf Zeichen des Tierkreises in vier Gruppen von jeweils drei Zeichen ein.

Ägypten

In ├ägypten wiederum war ein Kalender von zw├Âlf Monaten in Gebrauch der drei├čig Tage f├╝r jeden Monat vorsah, sowie f├╝nf zus├Ątzliche Tage die am Ende des Jahres angehangen wurden. Jeder Monat war in Drittel eingeteilt und jede Phase von zehn Tagen stand mit einem bestimmten Fixstern (oder B├╝ndel von Fixsternen) in Verbindung. Diese Gruppierungen von Fixsternen wurden sp├Ąter als “Dekane” (griech. deka = zehn) bezeichnet. Insgesammt gab es 36 Dekane von denen jeder einen eigenen Namen trug und mit einer bestimmten Gottheit assoziiert wurde. Ein mystischer Text, die sog. Salmeschiniaka, beinhaltet wichtige Information ├╝ber die Anwendung von Dekanen und die Art der Aus├╝bung von Astrologie in ├ägypten. Bildliche Darstellungen von Dekanen fand man zuerst an Deckeln von S├Ąrgen, die in die Zeit um 2100 v. Chr. zur├╝ckzuf├╝hren sind.

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Tierkreis von Dendera, Ägyptischer Tempel ca. 1. Jh. v. Chr. Quelle: Pinterest, Urheber unbekannt

Die ├ägypter interessierten sich vor allem f├╝r den Lauf der Fixsterne in Verbindung mit den Dekanen. Dieser Fokus am t├Ąglichen Aufsteigen, Kulminieren und Untergehen der Fixsterne wird als Hinweis gesehen, da├č der Gebrauch der Dekane bei den ├ägyptern als Vorl├Ąufer der sp├Ąteren hellenistischen Lehre der zw├Âlf “Orte” (“H├Ąuser” in der mod. Astrologie) diente.

Synthese und Weiterentwicklung

Im Verlaufe der Zeit wurden Teile der mesopotamischen Astrologie nach ├ägypten ├╝berliefert. Um 500 v. Chr. zum Beispiel wurde ein Text mit Omen aus Mesopotamien in die ├Ągyptische Sprache ├╝bersetzt und um das 3. Jh. v. Chr. war der Tierkreis mit den zw├Âlf Zeichen nach ├ägypten ├╝berliefert. Die ├ägypter nutzen nun Tierkreis und Dekane Seite an Seite.

Geschichtlich von vielfacher Bedeutung ist der Beginn der hellenistischen Epoche, der mit dem Tode K├Ânig Alexander des Gro├čen von Makedonien im Jahre 323 v. Chr. angegeben wird. Die Zeitspanne des hellenistischen Zeitalters verl├Ąuft sich ├╝ber ca. dreihundert Jahre und endete mit dem Tode Kleopatras VII und des Anschlusses von ├ägypten an Rom im Jahre 30 v. Christus.

W├Ąhrend der hellenistischen Epoche (griech. Helen = “Griechisch”), fand eine Verbreitung griechischer Kultur, Philosophie und Wissenschaft statt. Desweiteren ist eine Mischung der griechischen mit anderen Kulturen zu verzeichnen. Griechisch wurde die Hauptsprache der damaligen Welt. Eine der bedeutensten Errungenschaften in hellenistischer Zeit ist die Gr├╝ndung der Stadt Alexandria in ├ägypten von Alexander dem Gro├čen. Alexandria war wichtige Kultur- und Handelsstadt deren Bev├Âlkerung aus haupts├Ąchlich Griechen, ├ägyptern und Juden bestand. Die Bibliothek Alexandrias wuchs zur gr├Â├čten und bedeutensten der antiken Welt. F├╝r die Entwicklung und das Aus├╝ben der Astrologie wurde gerade Alexandria die Hauptmetropole.

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Karte von Alexandria gegen Ende der Regierung Kleopatras. Quelle: Igor Merit Santos, Alexandria Map teste, CC BY-SA 4.0

Es sind Schriften bekannt, die in die Zeit der hellenistischen Epoche fallen, in denen erstmals eine Synthese von ├Ąlteren astrologischen ├ťberlieferungen aus Mesopotamien und ├ägypten vorzufinden sind. Desweiteren finden sich eine Vielzahl neuer Techniken in diesen Aufzeichnungen. Es ist gerade w├Ąhrend dieser Zeit, da├č das vierteilige System von Planeten, Tierkreiszeichen, Aspekten und H├Ąusern in seiner vollen Form eingef├╝hrt wurde. Dieses System ist heute unter der Bezeichnung der Hellenistischen (bzw. traditionellen/klassischen) Astrologie bekannt.

Hin und wieder trifft man auf die Bezeichnung “Griechische Astrologie”. Dies ist auf Grund der vielen uns ├╝berlieferten Schriften aus dieser Zeit in griechischer Sprache nachvollziebar, jedoch nicht ganz korrekt, da diese Bezeichnung die vielf├Ąltigen kulturellen Hindergr├╝nde der Astrologen die an der Entwicklung der Astrologie zu dieser Zeit aktiv beteiligt waren, au├čer Acht l├Ą├čt. Chris Brennan (2017) schreibt ├╝ber die Kennzeichnung der Hellenistischen Astrologie wie folgt: “…eine Tradition griechisch-r├Âmischer horoskopischer Astrologie, die im Mittelmeerraum vom 1. Jh. vor bis 7. Jh. n. Chr. ausge├╝bt wurde.”

Einige der wichtigsten, uns ├╝berlieferten Texte ├╝ber die Hellenistische Astrologie sind von folgenden Autoren, bzw. unter folgenden Pseudepigraphien erschienen: Hermes Trismegistos, Asklepios, Nechepso und Petosiris, Tharasyllus, Antiochos von Athen, Dorotheus von Sidon, Claudius Ptolem├Ąus. Besonders zu erw├Ąnen ist hier Vettius Valens, der eine neunb├Ąndige Einf├╝hrung in die Astrologie der Hellenistischen Tradition verfasste.

Hellenistische Astrologie – Bl├╝tezeit und H├Âhepunkt

Der Zeitraum in der hellenistische Astrologie praktiziert wurde, wird von 1. Jh. v. Chr. bis in das 7. Jh. n. Chr. angegeben. Der Gipfel des R├Âmischen Reiches ist gleichzeitig auch der H├Âhepunkt der Hellenistischen Astrologie. Ihr Hauptfokus lag in der Geburtsastrologie. Die uns ├╝berlieferten Horoskope dieser Zeit sind auf Papyrus geschrieben und beinhalten Listen von Planetenpositionen, jedoch keine genauen Interpretationen derer. Ein typisch hellenistisches Horoskop listete das Datum, die Stunde der Geburt, die Zeichen in denen die Planeten standen, sowie die Plazierung des Aszendenten und geg. den Gl├╝ckspunkt auf. Das Fehlen schriftlicher Schilderungen in diesen Horoskopen l├Ąsst auf eine haupts├Ąchlich m├╝ndliche Auslegung schlie├čen.

Die Auflistung der Planetenpositionen war die Grundvoraussetzung f├╝r eine astrologische Konsultation. F├╝r diese wurden Tafeln (pinax) aus Holz (Elfenbein, oder sogar Gold) genutzt, in welche der Tierkreis mit seinen zw├Âlf Zeichen sowie manchmal zus├Ątzlich die Dekane oder andere Unterteilungen des Tierkreises eingraviert waren. Steine dienten als Symbole f├╝r die Planeten mit denen ihre Plazierungen, die in den Listen des schriftlichen Horoskopes abzulesen waren, visuell dargestellt wurden. Es finden sich auch Hinweise auf die Nutzung von Sand, in den der Tierkreis gezeichnet wurde. Anhand dieser visuellen Darstellung fand dann die eigentliche Interpretation durch den Astrologen statt.

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Teile einer astrologischen Tafel mit dem Tierkreiszeichen Krebs, entdeckt bei Ausgrabungen in Kroatien, ver├Âffentlicht Ende 2011 von Staso Forenbaher und Alexander Jones. Quelle: ISAW, New York University

Da Hellenistische Astrologie den Aszendenten und die von ihm abgeleiteten H├Ąuser erstmals mit einbezieht, ist sie gleichfalls die erste ├ťberlieferung der sog. horoskopischen Astrologie (Aszendent und erstes Haus = griech. horoskopos “Stundenschauer”). Das Aus├╝ben dieser Astrologie fand ├╝ber mehrere Jahrhunderte in der Mittelmeerregion statt und geht weitgehend mit dem Auf- und Untergang des R├Âmischen Reiches einher. Viele Elemente der hellenistischen Astrologie blieben jedoch noch bis in die Sp├Ątantike und in das zeitige Mittelalter in Gebrauch.

Niedergang

Der Zerfall des R├Âmischen Reiches und die damit verbundenen intellektuellen, sozialen und religi├Âsen Ver├Ąnderungen durch das Aufkommen des Christentums, hatten ihre Auswirkungen auch auf das Praktizieren der Astrologie. Obwohl im Neuen Testament die Astrologie u.a. durch die Erz├Ąhlung der drei Weisen aus dem Morgenland (griech. Ausgangstext ╬ť╬Č╬│╬┐╬╣, Magoi, w├Ârtlich ÔÇ×MagierÔÇť), die den Stern von Bethlehem als Zeichen der Geburt Jesus interpretieren zu wussten, aufzufinden ist, stellte sich das Christentum haupts├Ąchlich feindlich gegen├╝ber der Astrologie. Reibepunkt war die Ansicht der Astrologen, da├č das Leben der Menschen in gewissem Grade vorbestimmt sei. Christliche Denker assoziierten daraufhin Fatalismus mit der Astrologie und es entstanden vielerlei schriftliche Angriffe gegen die Astrologie und ihre Vertreter. Sch├Ąrfere Erlasse folgten in den Jahren 357, 409 und 425 n. Chr., welche Astrologen aufforderten ihre B├╝cher zu verbrennen oder sich mit dem Exil abzufinden. Sp├Ąter verbannte man die Astrologie und ihre Gelehrten g├Ąnzlich.

Die Trennung des R├Âmischen Reiches in West- und Ostreich hatte ebenfalls ihre Auswirkungen auf den R├╝ckgang der Astrologie. Das Westr├Âmische Reich erlebte einen steilen Zerfall. Die Stadt Rom wurde im Jahre 410 von germanischen Westgoten gepl├╝ndert und im Jahre 476 wurde der letzte westr├Âmische Kaiser, Romulus Augustus, entthront. Dies war der Auftakt des Mittelalters in Europa.

Das Ostr├Âmische Reich (o.a. Byzantinisches Reich) hingegen bl├╝hte und gedeihte weiterhin. Es hatte die Kontrolle ├╝ber ├ägypten bis zum fr├╝hen siebten Jh. n. Chr. inne. Dies ist bedeutend, da ├ägypten das Hauptaugenmerk der Hellenistischen Astrologie von ihrem Beginn an war. Dies verhinderte zwar das g├Ąnzliche Verschwinden der Astrologie, nicht aber ihre Verdr├Ąngung. Im Jahre 642 n. Chr. eroberte das schnell wachsende Islamische Imperium Alexandria und gewann so die Herrschaft ├╝ber ├ägypten. Dies war zugleich das Ende von siebenhundert Jahren r├Âmischer Macht ├╝ber ├ägypten. Von nun an hatte eine neue Kultur, Religion und Sprache die Kontrolle ├╝ber das Land welches einst das Heimatland der Hellenistischen Astrologie war. Folglich war dies das Ende der Hellenistischen astrologischen Tradition.

├ťberlieferung in andere Kulturen

Gl├╝cklicherweise wurden Texte der Hellenistischen Astrologie ab dem 2. Jh. n. Chr. Kulturen au├čerhalb des R├Âmischen Reiches ├╝berliefert. Die wichtigsten ├ťberlieferungen fanden nach Indien, Persien und schlie├člich in das mittelalterliche Islamische Imperium statt.

Im 2. Jh. n. Chr. wurde ein Text vom Griechischen in Sanskrit mit dem Titel Yavanajataka (“Horoskopie der Griechen”), ├╝bersetzt. Dieser spielte eine wesentliche Rolle f├╝r die Entwicklung der Astrologie in Indien in den n├Ąchsten zweitausend Jahren. Die nach Indien ├╝berlieferte Astrologie mischte sich mit derer, welche sich bis zu diesem Zeitpunkt vor Ort entwickelt hatte. Diese beinhaltete u.a. die Verwendung der 27 (oder manchmal auch 28) Nakshatra (“Mondh├Ąuser”). Durch die griechische ├ťberlieferung und das best├Ąndige Fortw├Ąhren der Tradition, die im Laufe der Zeit nur mit geringen ├änderungen einher ging, ist die heutige Indische Astrologie der Hellenistischen Astrologie weitaus n├Ąher als es die heutige moderne westliche Astrologie ist.

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Astrolabium mit Mondh├Ąusern, von Abd al-Karim, 1227/8. Quelle: Museum of the History of Science, Oxford, UK

Im 3. Jh. n. Chr. bildete sich in Persien ein neues Imperium, das Sassanidenreich. Dieses wurde von den K├Ânigen Ardashir I und seinem Sohn Shapur I in den Jahren 222 bis 267 n. Chr. regiert. Nach dem Bibliographen Ibn al-Nadim, sendete das Sassanidenreich Boten nach Indien, China und Rom um wissenschaftliche Texte zu sammeln. Zu dieser Zeit wurden das Werk ├╝ber Hellenistische Astrologie von Dorotheus von Sidon, sowie Teile der Anthologie des Vettius Valens’ ├╝berliefert. Die ├ťbersetzung fand vom Griechischen in die mittelpersische Sprache Pahlavi, statt. Diese, und einige andere Texte formten die Basis der Astrologie in Persien.

Zur Zeit der Dynastie der Abbasiden, begann um Mitte 800 n. Chr. die Astrologie im Islamischen Imperium zu bl├╝hen. Mit der Begr├╝ndung Bagdads als Hauptstadt des Islamischen Imperiums begann eine rege Zeit der ├ťbersetzung wissenschaftlicher Texte aus anderen Kulturen. Einige der fr├╝hesten ├ťbersetzungen ins Arabische, waren astrologische Texte. Dorotheus von Sidon und Vettius Valens wurden beide ├╝bersetzt, jedoch aus dem Pahlavi und nicht aus der urspr├╝nglichen griechischen Sprache. Weiter wurden u.a. Rhetorius‘ Werk Compedium sowie Ptolem├Ąus‘ Werk Tetrabiblos ├╝bersetzt. Somit wurde Arabisch die vorherrschende Sprache der meisten astrologischen Texte zu dieser Zeit.

Wiederentdeckung und erneuter R├╝ckgang

Der zweite Kreuzzug im 12. Jh. n. Chr. hatte als Nebeneffekt die Wiederentdeckung der Astrologie. Dies geschah durch die Entdeckung grosser St├Ąnde wissenschaftlicher arabischer Texte w├Ąhrend der Eroberung muslimischer Gebiete durch nordeurop├Ąische Kreuzritter in Spanien. Dies hatte zur Folge, da├č sich Gelehrte aus Europa in Scharen nach Spanien begaben um dort arabische Texte in Latein zu ├╝bersetzen. Zum Ende des 12. Jh. war das Wissen und die Praxis der Astrologie v├Âllig wiederhergestellt. Diese Astrologie war eine Form der Tradition des achten und neunten Jahrhundert, welche eine Mischung aus fr├╝heren hellenistischen Elementen und persischen sowie indischen Praktiken war. Dies ging mit einer allgemeinen Erweckung der Wissenschaften in Europa einher. Dieser zur Folge entstanden Universit├Ąten an denen man u.a. auch Astrologie lehrte. Zu diesem Zeitpunkt war die Astrologie stark in die Medizin eingebunden und wurde von ├ärzten als diagnostisches Werkzeug angewendet.

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Zuordnung der Tierkreiszeichen zu K├Ârperteilen, Homo signorum, 15. Jh. n. Chr. Quelle: Luminarium: Encyclopedia Project

Die Erfindung des Buchdrucks sowie der Fall Konstantinoples an das Osmanische Reich im Jahre 1453 hatte die Verbreitung astrologischer Texte, sowie den wachsenden Zugang vieler bisher unbekannter griechischer Texte durch Gelehrte die aus dem Byzantinischen Reich nach Europa fl├╝chteten, zur Folge.

Im 17. Jh. begann die Astrologie jedoch an Einfluss abzunehmen. Grund daf├╝r war eine Widerlegung von Lehren des Ptolem├Ąus durch die relativ schnellen, neuen astronomischen Entdeckungen durch Copernicus, Kepler und Galileo. Die letzte Bl├╝htezeit der Astrologie war in England und ging mit William Lilly einher, der im Jahre 1647 das erste englischsprachige Buch ├╝ber Astrologie ver├Âffentlichte. Dies konnte jedoch die Astrologie nicht vor dem Verfall retten.

Moderne Astrologie

Eine Belebung der Astrologie fand erneut im sp├Ąten 19. und fr├╝hen 20. Jh. statt. Dies waren die Anf├Ąnge der heutigen, modernen Astrologie. Der Engl├Ąnder Alan Leo, der Anfang des 20. Jh. wirkte, war erfolgreich sowie in der Populisierung als auch in der Vereinfachung astrologischer Techniken. Durch sein Mitwirken in der Theosophical Society wurde die Astrologie mit dem Aufkommen der New-Age-Bewegung assoziiert. Ab 1930 bildete sich der Trend heraus, Astrologie durch Tiefenpsychologie neu zu konzipieren (daher oft auch als “psychologische Astrologie” bezeichnet). Vor allem Dane Rudhyar wirkte als Pionier in dieser Sache. Durch den Erfolg dieser Synthese gelang die Astrologie zu neuer Beliebtheit, vor allem in der Zeit ab 1960 bis in die 1980er Jahre. Von da an fokusierte sich die westliche Astrologie auf Charakteranalyse und Selbstwahrnehmung. Zur Folge wurden viele neue Techniken und Himmelsk├Ârper in die Astrologie eingef├╝hrt, jedoch einige fr├╝here Techniken der ├Ąlteren Traditionen verworfen.

In seinem Buch Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune (S. 138/139), macht Chris Brennan darauf aufmerksam, da├č die moderne Astrologie nicht zwangsl├Ąufig das Ergebnis einer stetigen Entwicklung sei, sondern eher das Resultat einiger einflussreicher Astrologen, die ein neues System basierend auf einigen wenigen Bruchst├╝cken der astrologischen Tradition und ihren eigenen religi├Âsen, ethischen und theoretischen Spekulationen erstellten.

Traditionelle Astrologie im 21. Jh.

Im vergangenen Jahrhundert fand eine Neubearbeitung und -Herausgabe vieler antiker astrologischer Texte durch Akademiker verschiedener Ausrichtungen statt. Nennenswert ist das Catalogus Codicum Astrologorum Graecorum (CCAG), welches in einer Zeitspanne von ├╝ber f├╝nfzig Jahren, von 1898 bis 1953, unter urspr├╝nglicher Leitung von Franz Cumont, alle in europ├Ąischen Bibliotheken auffindbaren, in Griechisch verfassten Manuskripte zur Astrologie in hellenistischer, r├Âmischer und byzantinischer Zeit, auflistet. Desweiteren beinhaltet das CCAG sog. “kritische ├ťbersetzungen” von hunderten von Ausz├╝gen verschiedener vorgefundener Texte. In den letzten zwanzig, drei├čig Jahren ist gleichfalls in Astrologenkreisen ein wachsendes Interesse an der Neubelebung der Hellenistischen Astrologie zu verzeichnen.

Die in zunehmendem Ma├če bewu├čtwerdende Diskrepanz zwischen moderner und traditioneller Astrologie veranlasste einige Astrologen ab 1980, Schriften der ├Ąlteren Traditionen zu erforschen und eigene Arbeiten auf Basis dieser zu ver├Âffentlichen. Unter ihnen ist zu nennen: Robert Zoller, George Noonan und James Herschel Holden, der als erster die Feststellung machte, da├č das urspr├╝ngliche H├Ąusersystem in der Hellenistischen Tradition die Ganzzeichenh├Ąuser waren. Desweiteren entdeckte man William Lilly’s Werk Christian Astrology wieder und veranlasste eine Neuver├Âffentlichung. Im Jahr 1992 fand unter Robert Schmidt, Robert Hand und Robert Zoller die Gr├╝ndung von Project Hindsight statt. Eine ├ťbersetzung von reichlich drei├čig astrologischen Texten der Hellenistischen Zeit und des Mittelalters in englischer Sprache war die Folge.┬áIm Jahre 2004 erschien von Otto Sch├Ânberger und Eberhard Knobloch eine deutsche ├ťbersetzung der neunb├Ąndigen Anthologie von Vettius Valens mit dem Titel┬á Bl├╝tenstr├Ąu├če. Diese war zugleich die erste vollst├Ąndige ├ťbersetzung des Werkes Valens’ ├╝berhaupt. Im Jahr 2010 ver├Âffentlichte Mark Riley online eine vollst├Ąndige englische ├ťbersetzung der Anthologie. Auch in anderen Sprachen gibt es mittlerweile ├ťbersetzungen hellenistischer Texte, so z.Bsp. die Arbeiten Guiseppe Bezz‘s, der ins Italienische ├╝bersetzte.

Ein Meilenstein in der Wiederbelebung der traditionellen Astrologie war Demetra George’s Kurs am Kepler College in Washington, USA im Jahr 2002, den sie basierend auf ├ťbersetzungen Hellenistischer Texte durch Schmidt hielt. Dies war seit Jahrhunderten das erste Mal, das Astrologen in der Praxis der Hellenistischen Astrologie, fundierend auf einiger der fr├╝hesten ├ťberlieferungen, unterrichtet wurden. Ebenfalls besonders nennenswert ist das weiter oben bereits erw├Ąhnte Werk Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune von Chris Brennan, welches im Jahr 2017 nach zehnj├Ąhriger intensiver Arbeit, ver├Âffentlicht wurde. Es ist eines der wenigen B├╝cher, welche einen umfangreichen ├ťberblick ├╝ber die Lehren der traditionellen Astrologie und somit Aufschlu├č ├╝ber die Wurzeln der westlichen Astrologie bieten und sogleich Hauptquelle dieses Artikels.

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Eigene Gedanken: Wie im obigen Text deutlich wurde, hat die Astrologie so manche H├Âhen und Tiefen durchlebt und wurde stetig von der vorherrschenden soziokulturellen und vor allem auch der religi├Âsen Atmosph├Ąre beeinflu├čt. Durch die ├ťbersetzungen der antiken Schriften, die uns heute in neuen ├ťberarbeitungen und in immer gr├Â├čerer Vielzahl zur Verf├╝gung stehen, gibt sich uns nun die M├Âglichkeit ein pr├Ąziseres Bild denn je ├╝ber die Wurzeln und die Techniken der Astrologie in ihrer urspr├╝nglichen Form zu erhalten. Das Verstehen des zur damaligen Zeit vorherrschenden Weltbildes in seinen Wandlungen und derer Auswirkungen auf die Entwicklung und das Aus├╝ben der Astrologie ├╝ber die Jahrhunderte, wird eine entscheidende Rolle f├╝r das Gelingen der Wiederbelebung der Tradition und die erfolgreiche, ethisch tragbare sowie schlie├čich der Menschheit und dem Einzelnen dienliche Integrierung in unsere Zeit einnehmen.

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Quellen und weiterf├╝hrende Literatur:

Brennan, Chris. Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune. Denver: Amor Fati Publications, 2017.

Brennan, Chris. The Hellenistic Astrology Website. http://www.hellenisticastrology.com, 29.5.2018.

Brennan, Chris: The Hellenistic Astrology Course. https://courses.theastrologyschool.com/courses/hellenistic-astrology-course.

Hand, Robert. Traditionelle Astrologie: Ganzzeichenh├Ąuser, Tag- und Nachthoroskope. T├╝bingen: Chiron Verlag, deutsche Erstausgabe 2007.

“Heilige Drei K├Ânige”. https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige, 26.5.2018.

Valens, Vettius. Bl├╝tenstr├Ąusse. ├ťbersetzt von Otto Sch├Ânberger und Eberhard Knobloch. (Subsidia Classica, Bd 7) St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, 2004.

Valens, Vettius. Anthologies. ├ťbersetzt von Mark Riley. http://www.csus.edu/indiv/r/rileymt/vettius%20valens%20entire.pdf, 2010.

 

Letzte Bearbeitung: 29.12.2018